Menowin Fröhlich spricht erstmals über KZ-Haft seiner Großeltern
In der NDR-Talkshow „Käpt'ns Dinner“ hat Menowin Fröhlich erstmals über seine Sinti-Wurzeln gesprochen – und darüber, dass seine Großeltern im KZ waren. Er beklagt, dass über die Verfolgung der Sinti bis heute zu wenig gesprochen wird.
Menowin Fröhlich (39) hat zum ersten Mal öffentlich über die Verfolgung seiner Familie in der NS-Zeit gesprochen. In der NDR-Talkshow „Käpt'ns Dinner“ sagte der Sänger und „DSDS“-Sieger, seine Großeltern seien im Konzentrationslager gewesen.
Der Auslöser war eine Frage von Moderator Michel Abdollahi. Er wollte wissen, ob Fröhlichs Großeltern während des Holocaust verfolgt worden seien. Fröhlich antwortete knapp und ohne Umschweife.
„Und genau so war es auch. Meine Großeltern waren damals im KZ, ja.“
Menowin Fröhlich, Sänger und DSDS-Sieger
Die Folge „Michel Abdollahi trifft Menowin Fröhlich“ stand seit dem 25. September in der ARD Mediathek. Die Seite des NDR zur Käpt'ns-Dinner-Folge nennt den Ausstrahlungstermin im NDR Fernsehen: Nacht auf den 26. September, 00:00 bis 00:30 Uhr.
Breit dokumentiert wurden die Aussagen erst Tage später. Am 30. September fasste der Focus-Bericht über Fröhlichs Sinti-Wurzeln sie zusammen, am 1. Oktober griffen weitere Medien den Auftritt auf.
Die Nummern am Arm
Konkret wurde Fröhlich, als das Gespräch auf seine Großmutter kam. Sie und deren älteste Schwester hätten die Häftlingsnummern der Nationalsozialisten getragen, sagte er. Während er das erzählte, deutete er auf seinen eigenen Arm.
„Und meine Oma, ihre älteste Schwester zum Beispiel, die haben auch alle Nummern gehabt und so“, sagte der Sänger. Für ihn ist das kein Detail am Rand, sondern der Kern seiner Familiengeschichte.
Offenheit in Talkshows ist kein Novum: In der ARD-Show „Inas Nacht“ hatte zuletzt auch Dieter Nuhr über sein Privatleben gesprochen und dafür einen Shitstorm geerntet. Fröhlich aber sprach nicht über Anekdoten.
Der Sänger sagte, er habe sich für diesen Abend vorgenommen, Dinge auszusprechen, die er nie zuvor gesagt habe: „Ich hab' mir wirklich vorgenommen, einfach heute mal Sachen zu sagen, die ich noch nie gesagt habe.“
Zu wenig über Sinti gesprochen
Deutliche Worte fand Fröhlich zur öffentlichen Debatte. Er selbst habe Sinti-Wurzeln, sagte er – und beklagte, dass über die Geschichte dieser Minderheit zu selten gesprochen werde: „Ich habe Sinti-Wurzeln und sowas, was ich total schade finde, aber bei der ganzen Geschichte ist, dass man viel zu wenig auch darüber spricht.“
Der 39-Jährige beschrieb auch, mit welchen Zuschreibungen Sinti bis heute zu kämpfen hätten: „Dass man das immer so assoziiert, dass das Menschen sind, die einem nichts Gutes tun oder von denen man sich fernhalten muss oder so.“
Diesem Bild stellte er seine eigene Beschreibung entgegen: „Wir lieben es, Menschen mit Menschen zu sein, unter Menschen zu sein und wir sind sehr musikalisch.“
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Verwandt mit Sido
In der Sendung ging es auch um seine Verwandtschaft mit dem Rapper Sido (45). Abdollahi fragte nach, Fröhlich bestätigte sie ohne Einschränkung.
„Ja, sein Opa und meine Oma sind Geschwister.“
Menowin Fröhlich über seine Verwandtschaft mit Sido
Sidos Großvater und Fröhlichs Großmutter sind demnach Geschwister – die beiden Musiker sind Großcousins.
Ob der Auftritt die Debatte über die Verfolgung der Sinti in Deutschland verändert, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen. Die Folge ist in der ARD Mediathek abrufbar.