100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl – verteilt über vier Monate, ein erheblicher Teil davon in den ersten 20 Tagen. Mit dieser Freigabe aus den Notreserven reagieren die G7 auf einen Kraftstoff-Schock, den US-Präsident Donald Trump mit einem angedrohten Diesel-Exportstopp gegen Europa selbst befeuert hat.
Beschlossen wurde sie am Freitagnachmittag in einer Videokonferenz der G7 zur Energiekrise unter französischem Vorsitz, an der auch Bundeskanzler Friedrich Merz teilnahm. Die Freigabe läuft über die Internationale Energieagentur (IEA), beginnt unverzüglich – und die Staaten verzichten darauf, sich gegenseitig Exportbeschränkungen aufzuerlegen.
Druck aus Washington
Vorausgegangen waren Tage offenen Drucks. US-Finanzminister Scott Bessent forderte Europa am 1. Oktober öffentlich auf, zusätzliche Liefermengen unverzüglich bereitzustellen. In Texas sagte Trump, er könnte die Europäer um eine Freigabe ihrer Reserven bitten. Wie die USA den Druck aufbauten, zeigt die US-Forderung nach Diesel aus EU-Notreserven vom 1. Oktober.
Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters verlangten die USA von Frankreich und Deutschland, binnen 20 Tagen 100 Millionen Barrel Diesel bereitzustellen. Paris brachte am Morgen des 2. Oktober einen Kompromiss ins Spiel: 50 Millionen Barrel Diesel aus Europa plus 50 Millionen Barrel Rohöl aus den IEA-Staaten – unter der Bedingung, dass Washington auf ein Exportverbot verzichtet.
Von der Straße von Hormus zur G7-Freigabe
- Ende Februar 2026Iran-Krieg bricht aus
Nach Angriffen der USA und Israels bricht der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus stark ein. Öl- und Kraftstoffpreise steigen weltweit.
- März 2026Größte Reservefreigabe der IEA-Geschichte
Die 32 IEA-Mitgliedsstaaten beschließen 400 Millionen Barrel als Reaktion auf den Iran-Krieg.
- Ende September 2026Trump droht mit Diesel-Exportstopp
Der US-Präsident kündigt an, einen Exportstopp sehr ernsthaft zu prüfen – er würde auch Europa treffen. Der US-Dieselpreis steigt auf ein Rekordhoch von 6,50 US-Dollar je Gallone.
- 1. Oktober 2026Washington setzt Europa unter Druck
US-Finanzminister Scott Bessent fordert Europa auf, zusätzliche Liefermengen unverzüglich bereitzustellen. Laut Reuters verlangen die USA von Frankreich und Deutschland 100 Millionen Barrel Diesel binnen 20 Tagen.
- 2. Oktober 2026, morgensFrankreich schlägt Kompromiss vor
50 Millionen Barrel Diesel aus Europa plus 50 Millionen Barrel Rohöl aus den IEA-Staaten, wenn Washington auf ein Exportverbot verzichtet. Der Brent-Preis fällt unter 100 Dollar.
- 2. Oktober 2026, nachmittagsG7 einigen sich in Videokonferenz
Die G7 verständigen sich auf bis zu 100 Millionen Barrel über vier Monate, eine vorgezogene Dieselfreigabe in den ersten 20 Tagen und den Verzicht auf Exportbeschränkungen untereinander.
Was die G7 beschließen
Wie die G7-Einigung auf bis zu 100 Millionen Barrel vorsieht, beginnt die koordinierte Freigabe unverzüglich und erstreckt sich über vier Monate. Eine vorgezogene, erhebliche Dieselfreigabe ist innerhalb der ersten 20 Tage vorgesehen – sie soll den Druck auf dem Kraftstoffmarkt zuerst senken.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßte den Beschluss ausdrücklich, wie Von der Leyens Begrüßung des G7-Beschlusses zeigt. Auch die Bundesregierung sprach von einem „wichtigen Zeichen für die Handlungsfähigkeit und Geschlossenheit der G7“. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sagte: „Dabei bleibt jederzeit ausreichend Reserve zur Sicherung der Versorgung im System.“
„Wir begrüßen die Entscheidung der G-7-Staaten, keine Exportverbote gegen Verbündete zu verhängen, sowie die anhaltende Solidarität zwischen den Partnern.“
Kritik an der Freigabe
Kritik kommt von den Grünen. Der Bundestagsabgeordnete Michael Kellner nennt die Freigabe eine „politische Dummheit“ und wirft der EU vor, sich klein und schwach zu machen: „Der Wahlkampf von Trump ist kein Notfall“, sagte er. Rund einen Monat vor den Kongress-Zwischenwahlen am 3. November 2026 stehen Trumps Republikaner im Umfragetief.
Der Energiesicherheitsexperte Frank Umbach hält das Vorgehen für fremdgesteuert: Von europäischer Seite sei „das nicht vorgesehen“ gewesen, sagte er. US-Finanzminister Scott Bessent begründet den Druck mit der weltweiten Diesel-Knappheit: „Amerikanische Landwirte, Lkw-Fahrer und Unternehmen sollten nicht allein die Last einer weltweiten Diesel-Knappheit tragen müssen.“
Ölpreise geben deutlich nach
An den Märkten kam die Einigung sofort an. Der Preis für Brent-Rohöl fiel zeitweise unter 100 US-Dollar, die US-Sorte WTI verlor rund vier Prozent. Mitte September war der Anstieg des Brent-Preises noch Ausdruck der Nervosität gewesen.
Offen ist, ob Washington nun dauerhaft auf einen Exportstopp für Diesel verzichtet. Die vorgezogene Dieselfreigabe ist auf die ersten 20 Tage angelegt – in dieser Frist dürfte sich zeigen, ob die Zusage hält. In den USA war der durchschnittliche Dieselpreis Ende September auf ein Rekordhoch von 6,50 US-Dollar je Gallone gestiegen.
