Die US-Regierung verlangt von der Europäischen Union, binnen sechs Monaten 120 Millionen Barrel Diesel aus ihren strategischen Notreserven freizugeben. Lehnt die EU ab, droht Washington mit einem Exportstopp für den Kraftstoff – einem Schritt, der die Dieselversorgung auf dem ganzen Kontinent treffen würde.
Die geforderte Menge ist enorm: 120 Millionen Barrel sind weit mehr als ein Drittel der europäischen Reserven, die zwischen 285 und 315 Millionen Barrel liegen. Die USA liefern mehr als die Hälfte aller Dieselimporte der EU, Deutschlands Bedarf hängt laut Spiegel zu rund fünf Prozent an US-Lieferungen. US-Energieminister Chris Wright hat die Freigabe von über einem Drittel der Reserven verlangt.
Dringlichkeitsschalte mit fünf Ländern
Am Donnerstag, 1. Oktober, beriet die EU-Kommission mit Deutschland, Frankreich, Italien, Irland und Großbritannien in einer Dringlichkeitsschalte über die mögliche Freigabe. Für Freitagmorgen ist eine Telefonkonferenz der EU-Energie-Taskforce mit allen 27 Mitgliedstaaten angesetzt. Das Bundeswirtschaftsministerium nannte bislang keine neuen Anforderungen der Internationalen Energieagentur.
Die fünf Länder und die Kommission verständigten sich laut Politico auf eine abgestimmte Antwort, die Rückführung der Entscheidung auf die Ebene der Internationalen Energieagentur und einen leiseren Ton gegenüber Washington. Irlands Energieminister Darragh O'Brien machte wenig Hoffnung auf einen schnellen Kompromiss: Ein Exportstopp sehe nicht nach etwas aus, das tatsächlich passieren werde.
Warum Washington Druck macht
Hinter der Drohung steht ein Rekordpreis: In den USA kostet die Gallone Diesel inzwischen über 6,50 Dollar, vor einem Jahr waren es 3,75 Dollar. Am 22. September wurde erstmals ein Wert über 6,31 Dollar gemeldet, in Kalifornien lag der Preis über 8 Dollar. Am 3. November sind Zwischenwahlen – Trumps Republikaner stehen wegen der Kraftstoffpreise unter Druck.
US-Dieselpreis je Gallone
In Kalifornien lag der Preis zeitweise über 8 Dollar
In Deutschland trifft der US-Druck auf eine Debatte, die seit Wochen um den Spritpreis kreist: Der Dieselpreis-Rekord von 2,453 Euro je Liter setzte Bund und Länder unter Druck, mit dem 2,5-Milliarden-Paket gegen hohe Spritpreise sollte Entlastung her. Fällt US-Diesel als Ausgleich weg, träfe das einen Markt, der bereits auf Rekordniveau steht.
Von der Dementierung zur Drohung
Noch am 23. September hatte das Weiße Haus einen pauschalen Diesel-Exportstopp dementiert; Energieminister Wright sprach sich öffentlich gegen ein Exportverbot aus. Am 29. September wurde bekannt, dass Washington Europa stattdessen zur Freigabe drängen will – die Aufforderung, europäische Dieselbestände abzubauen, galt als mildere Alternative zum Verbot.
Am 30. September bestätigte Trump im Oval Office, dass ein Exportstopp weiter geprüft wird: „Ich denke darüber nach“, sagte er. Ein Verbot würde Diesel verbilligen, anderes aber verteuern, räumte er ein. Am 1. Oktober meldete Reuters die konkrete Zahl: 120 Millionen Barrel, freizugeben binnen sechs Monaten.
Von der IEA-Freigabe zur US-Drohung
- März 2026Historische Freigabe im IEA-Verbund
Weltweit fließen 400 Millionen Barrel, davon 172 Millionen Barrel aus US-Reserven. Die EU-Staaten sagen 20 Prozent zu, Deutschland beteiligt sich.
- 22. September 2026US-Dieselpreis auf Rekordniveau
Über 6,31 Dollar je Gallone, in Kalifornien mehr als 8 Dollar.
- 23. September 2026Weißes Haus dementiert Exportstopp
Ein pauschales Verbot wird zurückgewiesen, Energieminister Wright spricht sich öffentlich dagegen aus.
- 29. September 2026Berichte über Druck auf Europa
Politico und Reuters melden, das Weiße Haus erwäge, europäische Regierungen zur Freigabe ihrer Reserven zu drängen.
- 30. September 2026Trump bestätigt die Prüfung
Im Oval Office sagt Trump, ein Exportstopp werde weiter geprüft. Der Spiegel berichtet über die US-Drohung.
- 1. Oktober 2026Forderung nach 120 Millionen Barrel
Reuters nennt die Zahl; die EU-Kommission und fünf Staaten beraten in einer Dringlichkeitsschalte.
- 2. Oktober 2026Energie-Taskforce und G7 geplant
Die EU-Energie-Taskforce berät mit allen 27 Mitgliedstaaten; Macron will eine G7-Videokonferenz zu den Kraftstoffpreisen einberufen.
Wright bremst die eigene Regierung
Wright selbst hält von einem Exportstopp nichts. Er lehnt ein Verbot ab und verkauft die Reserve-Forderung als mildere Alternative; zudem kündigte er an, europäische Regierungen würden bald neue Dieselmengen auf den Markt bringen, die die Preise spürbar drücken sollen. Zur Begründung verweist er auf mehrere Angebotsausfälle.
„Uns sind einige Diesel-Exporte aus dem Nahen Osten weggebrochen, auch wenn wir diese derzeit wiederherstellen, und außerdem sind Diesel-Exporte aus China weggefallen. Das sind also zahlreiche Unterbrechungen.“
Entscheiden müssen die EU-Staaten. Am Freitagmorgen berät die Energie-Taskforce mit allen 27 Mitgliedstaaten, Frankreichs Präsident Macron will zusätzlich eine G7-Videokonferenz zu den Kraftstoffpreisen einberufen. Gibt Europa nach, fließen 120 Millionen Barrel binnen 180 Tagen; gibt es nicht nach, hält Washington die Drohung mit dem Exportstopp aufrecht – dann müsste Europa auf den Ausfall seines größten Diesel-Lieferanten reagieren.
