Diesel kostet 2,453 Euro je Liter – neuer Rekord in Deutschland
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Spritpreise

Diesel kostet 2,453 Euro je Liter – neuer Rekord in Deutschland

2,453 Euro für einen Liter Diesel – so teuer war Tanken in Deutschland noch nie. Während der ADAC den Rekord meldet, streiten Union und SPD über Entlastungen: Mehrwertsteuersenkung, Preisdeckel oder Übergewinnsteuer.

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Tanken in Deutschland ist so teuer wie nie. Der ADAC meldete am Donnerstag, dem 17. September, für den Vortag einen bundesweiten Tagesdurchschnitt von 2,453 Euro je Liter Diesel – der höchste je gemessene Dieselpreis.

Der Rekord liegt 0,6 Cent über der bisherigen Bestmarke vom 7. April 2026. Auch Super E10 war mit 2,314 Euro je Liter so teuer wie noch nie – der fünfte Höchststand in Folge.

Auf die Preise antwortet eine Koalition, die über das Wie streitet. Bundeskanzler Friedrich Merz hat Entlastungen zugesagt, aber offengelassen, welche. Die SPD fordert einen Spritpreisdeckel, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will die Mehrwertsteuer senken – und lehnt den Deckel ab.

Was den Preis seit Kriegsbeginn treibt

Seit dem letzten Tag vor Ausbruch des Iran-Kriegs am 28. Februar 2026 ist Diesel um knapp 71 Cent pro Liter teurer geworden, E10 um knapp 54 Cent. Als Treiber nennt das Handelsblatt die Ursachen des jüngsten Rohölpreissprungs: das geplatzte Außenministertreffen der Golfstaaten im Oman, bei dem Iran und Oman eine Vereinbarung zur Straße von Hormus vorstellen wollten.

Hinzu kommt die Abschaltung einer wichtigen Pipeline in Saudi-Arabien nach Drohnenangriffen; der Ölpreis sprang erstmals seit knapp zwei Monaten wieder über 100 Dollar je Barrel. Die Deutschen Wirtschafts-Nachrichten verweisen zusätzlich auf die Huthi, die die Insel Perim im Bab al-Mandab erobert hätten – neben der Straße von Hormus gerät ein zweiter Transportweg unter Druck.

Diesel kostet trotz niedrigerer Besteuerung mehr als Benzin. Der ADAC hält den Ölpreis nur für einen Teil der Erklärung: Ende April habe Brent in etwa so viel gekostet wie jetzt, E10 damals aber bei rund 2,10 Euro je Liter gelegen. Eine ADAC-Sprecherin fordert mehr Transparenz bei der Preisbildung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Das Bundeskartellamt meldete am 14. September, die Kraftstoffpreise seien vom 1. bis 11. September um 7,1 Cent je Liter bei Benzin und um 13,6 Cent bei Diesel gestiegen. Behördenpräsident Andreas Mundt sprach von einem „moving target“ und betonte, das Kartellrecht könne keine kurzfristigen Antworten auf jede Preisbewegung geben.

Von Kriegsbeginn bis zum Allzeithoch

  1. 28. Februar 2026
    Letzter Tag vor dem Iran-Krieg

    Referenzpunkt für den Preisanstieg: Seither verteuert sich Diesel um knapp 71 Cent, E10 um knapp 54 Cent je Liter.

  2. 7. April 2026
    Bisheriger Diesel-Höchststand

    Der Tagesdurchschnitt vom April bleibt bis September die Bestmarke.

  3. Mai bis Juni 2026
    Tankrabatt der Bundesregierung

    Die Energiesteuer sinkt um rund 17 Cent pro Liter inklusive Mehrwertsteuer; der Staat trägt 1,6 Milliarden Euro.

  4. 9. September 2026
    Ölpreis über 100 Dollar

    Brent kostet erstmals seit knapp zwei Monaten wieder mehr als 100 Dollar je Barrel.

  5. 13. September 2026
    E10 überschreitet die alte Bestmarke

    Diesel liegt mit 2,404 Euro nur noch 4,3 Cent unter dem April-Rekord, E10 erreicht mit 2,273 Euro ein Allzeithoch.

  6. 16. September 2026
    Diesel auf 2,453 Euro

    Neues Allzeithoch im bundesweiten Tagesdurchschnitt, E10 mit 2,314 Euro der fünfte Rekord in Folge; in Gruibingen Süd werden kurzzeitig 3,029 Euro verlangt.

Über drei Euro an der Autobahn

An der Raststätte Gruibingen Süd an der A8 zwischen Stuttgart und Ulm sprang der Diesel am Mittwoch um 12 Uhr auf 3,029 Euro je Liter, bis 12.34 Uhr sank er auf 2,999 Euro, am Nachmittag lag er bei 2,899 Euro. Für den Sprung über die Drei-Euro-Marke steht beispielhaft der erste Dieselpreis über drei Euro in Gruibingen. Auch an der Raststätte Mahlberg an der A5 bei Freiburg wurden mehr als drei Euro verlangt.

Auf baden-württembergischen Autobahnen zahlen Autofahrer im Schnitt 37 Cent mehr für einen Liter Diesel als an Straßentankstellen, bei E10 sind es 40 Cent.

Der Sprecher des Tankstellen-Interessenverbandes, Herbert Rabl, hatte vor der Drei-Euro-Marke gewarnt: „Wir werden uns damit auseinandersetzen müssen, dass wir Spritpreise um drei Euro bekommen. Und wir haben sie an den Autobahnen ja schon.“ Zugleich kritisierte er die Mineralölkonzerne: „Es wird abkassiert.“

Ein Liter am 16. September 2026: Bundesdurchschnitt und Autobahn

Preise je Liter Diesel und Super E10 in Euro

Quelle: ADAC, SWR/tagesschau.de

69 Euro mehr im Monat für einen Dieselfahrer

Für Autofahrer summiert sich der Rekord: Ein Dieselfahrer mit 1.400 Kilometern im Monat und sieben Litern Verbrauch auf 100 Kilometer zahlt rechnerisch rund 69 Euro mehr als vor Kriegsbeginn, ein Benziner mit 800 Kilometern und acht Litern rund 34 Euro. Eine Tankfüllung für einen 60-Liter-Tank kostet beim Diesel inzwischen 156 Euro.

Landwirte zahlen bei Ackerschleppern mit 600 bis 800 Litern Tankvolumen bei 2,60 Euro je Liter bis zu 1.560 Euro pro Füllung. Der Bundesverband Güterkraftverkehr und Logistik schreibt in einem offenen Brief an den Kanzler, bei einer Flotte von 50 Lkw entstünden Zusatzkosten von über einer Million Euro im Jahr; sie ließen sich oft nicht oder nur teils an Auftraggeber weitergeben. Vorstandssprecher Dirk Engelhardt: „Diese Kostensteigerungen können von den Betrieben kaum noch allein getragen werden.“

Die Union setzt auf die Mehrwertsteuer

Merz hatte beim Unternehmertag des Handelsverbands BGA Entlastungen angekündigt: „Sie können aber davon ausgehen, dass wir sehr bald einen Vorschlag dazu vorlegen werden.“ Unionsfraktionschef Thorsten Frei drängt auf Tempo: „Ich glaube, wenn man das jetzt zügig macht, kann das zum 1. Oktober gelingen.“

Frei nennt zwei Wege: eine erneute Senkung der Energiesteuer nach dem Vorbild des Tankrabatts oder eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe von 19 auf sieben Prozent. Der von Mai und Juni 2026 – rund 17 Cent pro Liter inklusive Mehrwertsteuer – kostete den Staat 1,6 Milliarden Euro; das Ende des Tankrabatts zum 1. Juli trieb die Preise sofort wieder hoch.

Reiche sprach sich am Rande des G20-Energieministertreffens in Houston für eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer aus und verspricht schnelle Wirkung: „Und sie würde mit ihrer Einführung direkt wirken.“ Reiches Vorstoß für sieben Prozent Mehrwertsteuer richtet sich damit gegen den Koalitionspartner – den Deckel hält sie für den falschen Weg, weil er die Raffineriewirtschaft schwäche.

Einen Spritpreisdeckel halte ich für den falschen Weg. Wir brauchen unsere Raffinerien dringend, denn sie produzieren in Deutschland Diesel, Benzin, Heizöl und Kerosin.
Katherina Reiche, Bundeswirtschaftsministerin (CDU)

Die SPD fordert Deckel und Übergewinnsteuer

Vizekanzler Lars Klingbeil fordert dagegen einen staatlichen Eingriff: „Die Abzocke auf dem Rücken der Autofahrerinnen und Autofahrer muss aufhören. Die Preise müssen sofort gesenkt werden, indem wir wie in anderen Ländern sofort einen Spritpreisdeckel einführen.“ Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sagte der Rheinischen Post, das Beste wäre die Einführung eines Spritpreisdeckels nach Luxemburger Vorbild.

Das Bundeswirtschaftsministerium hält beide SPD-Instrumente für problematisch: Das Luxemburg-Modell sei wegen des Größenunterschieds und der anderen Marktstrukturen nicht auf Deutschland übertragbar, eine Übergewinnsteuer aus rechtlicher wie ökonomischer Sicht abzulehnen, weil sich Übergewinne in der Praxis kaum trennscharf abgrenzen ließen.

Auch Ökonomen bremsen: Die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, warnt: „Ein erneuter Tankrabatt oder pauschaler Preisdeckel wären aus ökonomischer Sicht der falsche Weg, weil sie das Knappheitssignal hoher Ölpreise abschwächen und den Staat viel Geld kosten können.“ Georg Zachmann von der Denkfabrik Bruegel plädierte in den tagesthemen dagegen für Direktzahlungen an Menschen, die es wirklich benötigen.

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Wie viel Spielraum bleibt

Trotz des nominalen Rekords relativiert sich das Bild: Inflationsbereinigt waren Benzin und Diesel in Deutschland in der Vergangenheit bereits teurer. Der ADAC sieht keine Anhaltspunkte dafür, dass Diesel im Tagesdurchschnitt die Marke von drei Euro erreicht – schließt einen neuen Höchststand bei weiterer Verschärfung der geopolitischen Lage aber nicht aus.

Offen ist der Zeitplan. Frei will Entlastungen zum 1. Oktober durchbringen, Merz hat bislang nur einen Vorschlag „sehr bald“ angekündigt. Einigen sich Union und SPD nicht auf Mehrwertsteuer, Deckel oder Direktzahlung, bleibt der Preis allein von der Lage an der Straße von Hormus abhängig – und der nächste Rekord wäre nur eine weitere Eskalation entfernt.