Gruibingen: Diesel kostet erstmals mehr als drei Euro je Liter
Bild: KI-generiert
Spritpreise

Gruibingen: Diesel kostet erstmals mehr als drei Euro je Liter

An der A8-Raststätte Gruibingen Süd hat ein Liter Diesel erstmals mehr als drei Euro gekostet – 45 Cent mehr als an der günstigsten Tankstelle in Göppingen. Bundesweit markierte Diesel mit 2,453 Euro einen neuen Rekord, während die Koalition über Preisdeckel, Mehrwertsteuer und Direktzahlungen streitet.

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An der A8 bei Gruibingen hat ein Liter Diesel am Mittwoch erstmals mehr als drei Euro gekostet. Um 12 Uhr sprang die Preisanzeige an der Agip/Eni-Tankstelle der Raststätte Gruibingen Süd auf 3,029 Euro je Liter. Zuerst berichtete die Südwest Presse über die erste Tankstelle im Kreis Göppingen mit einem Preis über drei Euro; den Wert ermittelte das SWR Data Lab.

An derselben Zapfsäule kostete Super zur selben Zeit 2,859 Euro. Die Raststätte liegt an der A8 zwischen Stuttgart und Ulm in Fahrtrichtung Ulm. Auch an der Raststätte Mahlberg an der A5 bei Freiburg sprang der Dieselpreis am Mittwoch kurzzeitig über drei Euro.

Der Wert liegt weit über dem Umlandniveau: In Heiningen war ein Liter Diesel am Mittwoch 44 Cent billiger als in Gruibingen, an der günstigsten Tankstelle in Göppingen 45 Cent billiger.

Laut ADAC zahlen Autofahrer auf baden-württembergischen Autobahnen im Schnitt 37 Cent mehr pro Liter Diesel als an Straßentankstellen, bei E10 sind es 40 Cent. Der Club begründet die Differenz mit Verkehrsaufkommen, Bequemlichkeit und der hohen Zahlungsbereitschaft der Durchreisenden.

Ein Ausreißer von gut einer halben Stunde

Der Rekord hielt nicht lange: Bereits um 12.34 Uhr sank der Preis wieder auf 2,999 Euro, gegen 15 Uhr lag er bei 2,899 Euro – wie der SWR über Diesel an der A8 über drei Euro berichtet. Am Donnerstagmittag (17. September) um 12 Uhr kostete der Liter Diesel 2,939 Euro und blieb damit unter der Drei-Euro-Marke.

Ein Tankstellen-Angestellter nannte dem SWR am Donnerstagmorgen 2,96 Euro. Für die Autofahrer blieb der Ausflug über die Drei-Euro-Schwelle eine Momentaufnahme von gut einer halben Stunde.

Dieselpreis an der Raststätte Gruibingen Süd

Preis je Liter in Euro, 14. bis 17. September 2026

Quelle: SWR Data Lab / SWR

Bundesweit ein neuer Höchststand

Der Gruibinger Spitzenwert fiel in eine Woche neuer Rekorde. Nach ADAC-Zahlen kostete Diesel am Mittwoch im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,453 Euro pro Liter und übertraf den bisherigen Rekord aus dem April um 0,6 Cent – so teuer wie nie zuvor. E10 erreichte mit 2,314 Euro sein fünftes Hoch in Folge; am Wochenende war E10 auf ein Allzeithoch von 2,27 Euro geklettert.

Gegenüber dem Dienstag verteuerte sich Diesel um 3,1 Cent, E10 um 1,4 Cent. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist Diesel um knapp 71 Cent teurer geworden, E10 um knapp 54 Cent. Inflationsbereinigt waren Kraftstoffe in der Vergangenheit allerdings bereits teurer.

Als Treiber gelten die Eskalation am Persischen Golf, Angriffe auf eine saudische Pipeline, die Blockade der Straße von Hormus und die Kontrolle der Meerenge Bab al-Mandab durch die Huthi-Miliz. Ein Barrel Brent-Rohöl notierte zeitweise bei rund 100 bis 107 US-Dollar; am Mittwoch verbilligte sich Brent zeitweise nach Hinweisen auf die Wiederinbetriebnahme einer wichtigen saudischen Pipeline.

Der ADAC betont, mit den Rohölnotierungen allein ließen sich die extremen Preise nicht erklären. Hinzu kämen Transport- und Raffineriekapazitäten, und Diesel sei krisenanfälliger als Benzin – weshalb er trotz niedrigerer Besteuerung derzeit mehr kostet als Super. Der verlinkte Bericht zum Benzinpreis-Rekord nach den Iran-Angriffen nennt 2,215 Euro je Liter für E10.

Vom Wochenendhoch zum Drei-Euro-Sprung

  1. 13. September 2026
    E10 auf Rekordhoch

    Der bundesweite E10-Tagesdurchschnitt steigt auf 2,273 Euro. Diesel legt um 3,5 Cent auf 2,404 Euro zu und liegt nur noch 4,3 Cent unter dem April-Rekord.

  2. 14. September 2026
    Gruibingen klettert auf 2,95 Euro

    Um die Mittagszeit kostet Diesel an der Raststätte Gruibingen-Süd 2,95 Euro. Bundesweit liegt der Diesel-Tagesschnitt bei gut 2,41 Euro.

  3. 15. September 2026
    Merz kündigt Entlastungen an

    Beim Groß- und Außenhandelsverband BGA sagt der Kanzler, die Belastungsgrenze sei erreicht – ein Instrument nennt er nicht.

  4. 16. September 2026
    3,029 Euro um 12 Uhr

    Der Dieselpreis an der A8-Raststätte überspringt erstmals die Drei-Euro-Marke, fällt um 12.34 Uhr aber wieder auf 2,999 Euro. Bundesweit markiert Diesel mit 2,453 Euro einen Rekord, E10 mit 2,314 Euro sein fünftes Hoch in Folge.

  5. 17. September 2026
    Wieder unter drei Euro

    Am Donnerstagmittag kostet der Liter Diesel in Gruibingen 2,939 Euro. Medien berichten über den Rekord, die Debatte über Entlastungen läuft weiter.

Warum der Preis um 12 Uhr springt

Seit dem 1. April dürfen Tankstellen ihre Preise nur einmal täglich erhöhen, exakt um 12 Uhr. Kurz nach dem Mittagssprung sind die Kraftstoffe oft mehr als 20 Cent teurer als unmittelbar davor; am Nachmittag fallen sie rasch wieder, bis sie am späten Vormittag des Folgetags ihr Tagestief erreichen.

Am Mittwoch waren an günstigen Tankstellen für E10 kaum mehr als 2,10 Euro fällig, während an Autobahntankstellen kurz nach 12 Uhr für Premiumbenzin teils über drei Euro verlangt wurden.

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Merz lässt das Instrument offen

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat angesichts der hohen Spritpreise Entlastungen angekündigt – wie diese aussehen sollen, ließ er offen. Beim Groß- und Außenhandelsverband BGA sagte er am Dienstag, bei den täglichen Autofahrern sei eine Belastungsgrenze erreicht.

Das genaue Instrument steht noch nicht fest. Sie können aber davon ausgehen, dass wir bald einen Vorschlag vorlegen werden.
Friedrich Merz, Bundeskanzler (CDU)

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt einen Preisdeckel und eine Übergewinnsteuer ab und bringt stattdessen eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe von 19 auf sieben Prozent ins Gespräch.

Preisdeckel gegen Direktzahlung

Aus der SPD kommen Forderungen nach einem Spritpreisdeckel nach belgischem und luxemburgischem Vorbild sowie nach einer Übergewinnsteuer. Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil macht damit Druck auf den Koalitionspartner, der staatliche Eingriffe bislang ablehnt.

Die Spritpreise müssen runter und gerade die Pendlerinnen und Pendler müssen entlastet werden.
Lars Klingbeil, Vizekanzler und Bundesfinanzminister (SPD)

Der Spediteursverband BGL forderte in einem offenen Brief an Merz staatliche Entlastung und rechnete vor, dass eine Flotte von 50 Lkw durch die aktuellen Dieselpreise Mehrkosten von über einer Million Euro pro Jahr trägt. Bauernverband und BGL kritisieren den Mehrwertsteuervorschlag, weil die Steuer für Betriebe ein durchlaufender Posten ist.

Ökonomen wie die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer und Ifo-Chef Clemens Fuest äußern sich skeptisch gegenüber pauschalen Preissenkungen und favorisieren gezielte Direktauszahlungen – für die allerdings der Auszahlungsmechanismus fehlt.

Merz hat angekündigt, bald einen Vorschlag vorzulegen; ein Datum nannte er nicht. Offen ist, ob die Koalition Reiches Mehrwertsteuersenkung beschließt, einen Preisdeckel einführt oder Direktauszahlungen organisiert – und ob der nächste 12-Uhr-Sprung an der A8 wieder über drei Euro führt.