Frankreichs Zehnjahresrendite auf höchstem Stand seit 2002
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Schuldenkrise

Frankreichs Zehnjahresrendite auf höchstem Stand seit 2002

Der spanische Ökonom und Fondsmanager Daniel Lacalle sieht die Anleihemärkte im Aufstand gegen die Staaten: Frankreichs Zinsaufschlag springt auf den höchsten Stand seit 2012, und auch deutsche Bundesanleihen verlieren an Wert. Lacalle fordert, Regierungen müssten den Bürgern die Wahrheit sagen.

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Frankreichs Staatsanleihen sind so teuer wie seit 2012 nicht mehr – und die Finanzmärkte richten ihren Blick bereits auf Deutschland. Der Zinsaufschlag zehnjähriger französischer Anleihen gegenüber Bundesanleihen kletterte am 1. und 2. Oktober auf 1,46 bis 1,49 Prozentpunkte, den höchsten Stand seit der Eurokrise.

Für den spanischen Ökonomen und Fondsmanager Daniel Lacalle ist das kein französisches Einzelproblem. In dem am 2. Oktober veröffentlichten Interview über den Druck der Anleihemärkte führt er die Schwäche der Staatsanleihen auf ein Muster zurück: Regierungen geben dauerhaft mehr aus, als sie einnehmen, und finanzieren die Lücke mit neuen Schulden.

Lacalle ist promovierter Volkswirt und arbeitet als Fondsmanager. Seine Botschaft richtet sich an die Regierungen aller Industriestaaten – und er formuliert sie in einem Satz:

„Die Zeit des billigen Geldes endet – und plötzlich stellen die Anleihemärkte Regierungen zur Rede.“
Daniel Lacalle, Ökonom und Fondsmanager

Frankreich als Warnfall

Die Marktdaten stützen ihn. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen stieg am 1. Oktober auf 4,94 bis 4,96 Prozent – der höchste Stand seit Juli 2002. Der Aufschlag gegenüber Bundesanleihen erreichte 131,91 Basispunkte, den höchsten Wert seit Mai 2012, wie die Zahlen zum französischen Risikoaufschlag zeigen.

Frankreichs Schuldenquote liegt bei rund 118 bis 119 Prozent der Wirtschaftsleistung, in Deutschland bei 63,5 bis 64,2 Prozent. Das Defizit dürfte 2026 statt der angepeilten 5,0 Prozent auf 5,4 Prozent steigen; ein Gutachten erwartet bis 2030 fast 7 Prozent und eine Schuldenquote von über 130 Prozent.

Frankreichs Defizitpfad in Prozent des BIP

Angepeiltes Ziel 2026, erwarteter Wert 2026 und Prognose bis 2030

Quelle: Haushaltsplanung Frankreich und Gutachten, Oktober 2026

Deutschland ist nicht immun

Auch deutsche Papiere verlieren an Wert. Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte am 28. September mit 3,6526 Prozent so hoch wie zuletzt im Juni 2009; am 2. Oktober lag sie bei 3,42 bis 3,48 Prozent. Lacalle verweist auf den 18. August, als die Zehnjährige mit 3,275 Prozent den höchsten Stand seit 2011 markierte.

Die niedrigere Schuldenquote schützt Deutschland nicht, solange die Ausgaben steigen. Lacalles Satz dazu: Das deutsche Ausgabenexperiment scheitere in Echtzeit, deshalb falle die Bundesanleihe im selben Tempo wie andere Staatsanleihen, statt sich zu erholen. Auf den Deutschlands Schuldenberg von 2,66 Billionen Euro kommen nun höhere Zinsen.

Die Eskalation am Anleihemarkt seit August 2026

  1. 18. August 2026
    Bundesanleihe auf höchstem Stand seit 2011

    Die zehnjährige Bundesanleihe rentiert mit 3,275 Prozent; französische Zehnjährige markieren Höchststände seit 2008.

  2. 19. August 2026
    USA verdoppeln Anleihe-Rückkäufe

    Das US-Finanzministerium kündigt an, seine Liquiditäts-Buybacks im 10- bis 30-jährigen Laufzeitbereich mindestens zu verdoppeln.

  3. 1. September 2026
    Lacalle: Schwäche ist ein G8-Phänomen

    Der Ökonom veröffentlicht seine Analyse, wonach die Anleiheschwäche nicht nur die USA trifft.

  4. 28. September 2026
    Bundesrendite so hoch wie seit Juni 2009 nicht

    Die zehnjährige Bundesanleihe erreicht 3,6526 Prozent.

  5. 1. Oktober 2026
    Frankreichs Zehnjährige auf 24-Jahres-Hoch

    Die Rendite steigt auf 4,94 bis 4,96 Prozent, der Aufschlag zu Bundesanleihen auf 131,91 Basispunkte.

  6. 2. Oktober 2026
    Spread erreicht Niveau der Eurokrise

    Das WELT-Interview mit Lacalle erscheint; der Aufschlag weitet sich auf 1,46 bis 1,49 Prozentpunkte aus.

Was Regierungen jetzt tun müssen

Für Lacalle ist die Schwäche kein US-Phänomen. Wäre nur Amerika betroffen, würde die Welt Bundesanleihen kaufen, sagt er; tatsächlich würden die Staatsanleihen der G8 synchron neu bewertet. Die schlechteste Entwicklung langlaufender Staatsanleihen seit 2025 verzeichneten aus seiner Sicht Frankreich und Deutschland – nicht die USA. Seine Forderung: „Regierungen müssen den Bürgern die Wahrheit sagen.“

Frankreichs Finanzminister Roland Lescure hält dagegen. Um den Aufschlag gegenüber den europäischen Partnern zu senken, komme es auf Glaubwürdigkeit und Vertrauen an: „Wir sind dazu in der Lage, es ist möglich.“ Am 1. Oktober legte die Regierung ihren Haushaltsentwurf für 2027 vor, begleitet von Streiks und Protesten. Die EZB hatte den Leitzins im September auf 2,50 Prozent erhöht.

Der nächste Belastungstest steht bereits fest: Frankreichs Schuldenagentur AFT will 2027 Staatsanleihen über 340 Milliarden Euro verkaufen – so viel wie nie. Allein die Zinslast steigt 2027 auf 72,9 Milliarden Euro. Ob die Anleger diese Rechnung mittragen, hängt an der Glaubwürdigkeit, die Lescure beschwört – und daran, ob Deutschland dem französischen Muster folgt oder gegensteuert.

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