Psychologe Björn Süfke warnt Männer vor Einsamkeit nach Trennung
Bei vielen Männern ist die Partnerin der einzige Mensch, dem sie wirklich etwas erzählen. Der Psychologe Björn Süfke warnt in einem stern-Beitrag vom 2. Oktober 2026 vor dem Absturz danach – und davor, alles auf eine Karte zu setzen.
Immer weniger Männer haben einen guten Freund – und fällt die Partnerin weg, bricht ihr gesamtes emotionales Netzwerk zusammen. Dieses Muster beschreibt der Bielefelder Psychologe Björn Süfke in dem stern-Beitrag über Männer und ihre Freundschaften, der am 2. Oktober 2026 erschien.
Süfke arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Diplom-Psychologe in der Bielefelder Männerberatungsstelle „man-o-mann“ und hat das Männerhilfetelefon mit aufgebaut. In seiner Beratung erlebt er immer wieder dasselbe Muster: Es gibt genau eine enge Beziehung – die zur Partnerin.
Fällt diese eine Bindung weg, etwa nach einer Trennung, steht der Mann ohne Vertrauten da.
„Aber wenn ein Mann außer der Partnerin niemanden hat, fällt er nach einer Trennung in ein tiefes Loch.“
Björn Süfke, Psychologe und Männerberater
„Oft ist die Partnerin der einzige Mensch, zu dem eine große emotionale Nähe besteht“, sagt Süfke. Er sieht darin kein privates Pech, sondern ein Muster, das sich durch seine Beratungspraxis zieht. Der Zusammenbruch trifft die Männer dann unvorbereitet, weil neben der Beziehung kaum etwas gewachsen ist.
Meine Frau ist mein bester Freund
Viele Paare erzählen stolz, die Partnerin sei auch der beste Freund. Süfke hält das für riskant. In Sitzungen spricht er Freundschaften gezielt an und prüft mit seinen Klienten, welche Menschen in ihrem Leben überhaupt als Freunde infrage kommen.
Die Warnung ist nicht neu. Schon 2024 beschrieb Süfke im Tagesspiegel, wie Paare ihre emotionale Abhängigkeit idealisieren; im Weser-Kurier-Ratgeber zu Männerfreundschaften sagte er im Oktober 2025, es sei problematisch, alles auf eine Karte zu setzen.
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Für Süfke ist ein Freund kein Zusatzprogramm, sondern eine eigene, emotional bedeutsame Beziehung. „Mein Freund ist einfach eine emotional wichtige Person für mich“, sagt er.
Gefühlsverbot und abgerissene Kontakte
Warum Männer so selten enge Freundschaften aufbauen, hat für Süfke mehrere Gründe. Einer ist ein erlerntes Gefühlsverbot: Trauer, Angst und Hilflosigkeit sind für Jungen nicht vorgesehen. Wer sie zeigt, gilt schnell als weich.
Dazu kommen Alltag und Gesprächskultur. Familiengründung und Umzüge reißen Kontakte ab, aus Mannschaftskameraden werden Bekannte. Und wenn Männer miteinander reden, geht es um Politik, Autos oder Sport: „Männer sind einfach nicht die großen Telefonierer“, sagt Süfke.
Hilfe holen – oft auf Anstoß der Partnerin
Süfke bleibt nicht bei der Diagnose. Männer sollten aktiv nach einem Freund suchen, rät er: „Bei der Partnerin macht man es ja auch.“ Meist kommt der Anstoß aber von außen – „Meistens sagt die Partnerin: Hol dir Hilfe.“
„Es ist kein Zufall, dass die Suizidrate bei Männern höher ist, sie häufiger an Suchterkrankungen leiden und früher sterben als Frauen.“
Björn Süfke, Psychologe und Männerberater
Als Orte, an denen Männer fündig werden, nennt Süfke kirchliche Männerarbeit und Männergruppen. Wer den ersten Schritt allein nicht schafft, kann sich ans Männerhilfetelefon unter 0800/1239900 wenden, das Süfke mit aufgebaut hat.
Für Süfke ist das keine Beziehungs-, sondern eine Gesundheitsfrage. „Über ihre Gefühle Bescheid zu wissen, macht Männer stabiler“, sagt er. Genau darum geht es ihm, wenn er Männer nach ihren Freunden fragt.
Ob sich das Modell von der Partnerin als einzigem Vertrauten auflöst, entscheidet sich im Alltag jedes Einzelnen. Am 7. Dezember 2026 spricht Süfke bei den Gesundheitsgesprächen in der VHS Bielefeld über Männer und das Reden.