Judo-Trainer Dietmar Strack zeigt, wie Erwachsene sicher fallen
Stürze enden oft im Krankenhaus: An Glatteis-Tagen, sagt die DGOU, wird rund um die Uhr operiert. Ein neuer Ratgeber rät, den Sturz selbst zu trainieren – Knie beugen, abrollen, Kopf schützen. Fachleute empfehlen das seit Jahren.
Wenn über Nacht Glatteis die Gehwege überzieht, „operieren wir rund um die Uhr", sagt Ulrich Stöckle, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie. Brüche an Armen und Beinen halten die Kliniken dann in Atem. Doch der Sturz selbst ist kein Schicksal – er lässt sich trainieren.
Am 2. Oktober 2026 veröffentlichte der stern seinen Ratgeber zum Fallen im Alltag. Die Kernaussage ist ungewöhnlich: Nicht nur das Vermeiden von Stürzen lässt sich üben, sondern der Sturz selbst – als Bewegung, die man beherrschen kann.
„Fallen muss man nicht herausfordern, man muss es nur können. Und das erlernt man durch Üben und das ist sehr einfach. Wir haben das nur als Erwachsene meistens verlernt.“
Dietmar Strack, Judo-Trainer und Fallschul-Lehrer
Strack weiß, wovon er spricht. Der Judo-Trainer unterrichtet den Fall seit Jahren; schon am 12. Juni 2022 sendete Deutschlandfunk Kultur den Beitrag „Übungen zur Sturzprophylaxe – Fallen will gelernt sein" mit ihm. In den Alltag der meisten Erwachsenen hat das Üben trotzdem nie gefunden.
Knie beugen und abrollen statt hart aufprallen
Wie der Sturz abläuft, entscheidet über die Folgen. Wer nach hinten fällt, beugt Knie und Hüfte, senkt den Schwerpunkt und schützt vor allem den Kopf. Wer seitlich fällt, soll vermeiden, mit voller Wucht punktuell auf Hüfte oder Schulter aufzuschlagen, und stattdessen abrollen.
Üben lässt sich das unter kontrollierten Bedingungen. Beim reaktiven Gleichgewichtstraining wird das Gleichgewicht gezielt und möglichst unerwartet gestört, oft auf speziellen Geräten. „Schon mit einem einfachen Gleichgewichts- und Krafttraining kann die Sturzgefahr erheblich gemindert werden", sagt Clemens Becker, Chefarzt für Geriatrische Rehabilitation in Stuttgart.
Seit 2018 dieselbe Empfehlung
Becker sagt das nicht zum ersten Mal. Am 20. September 2018 meldete die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung neue Übungsprogramme und Broschüren zur Sturzprävention. Becker betonte damals denselben Punkt: Einfaches Gleichgewichts- und Krafttraining mindert die Sturzgefahr.
Von den ersten Übungsprogrammen zum neuen Ratgeber
20. September 2018
Neue Übungsprogramme zur Sturzprävention
Deutsche Gesellschaft für Geriatrie und BZgA legen Broschüren auf; Clemens Becker betont den Nutzen einfachen Gleichgewichts- und Krafttrainings.
12. Juni 2022
Fallen will gelernt sein
Deutschlandfunk Kultur sendet einen Beitrag zur Sturzprophylaxe mit dem Judo-Trainer Dietmar Strack.
15. Januar 2025
Tipps der DGOU zur Sturztechnik
Der SWR veröffentlicht einen Ratgeber zu Glatteis und dem richtigen Verhalten beim Sturz.
26. September 2026
Training statt Vitaminpillen
Ein Bericht zur Sturzprävention im Alter verweist auf die DGOU und eine Metaanalyse im British Medical Journal.
29. September 2026
BIÖG legt Broschüren neu auf
Zum Internationalen Tag der älteren Menschen erscheinen die aktualisierten Broschüren zu Gleichgewicht und Kraft.
2. Oktober 2026
Der stern rät zum Falltraining
Der Ratgeber „Sturz im Alltag: Fallen lässt sich trainieren" erscheint.
Der Ratgeber ist damit Teil einer langen Reihe. Am 15. Januar 2025 veröffentlichte der SWR seinen Ratgeber zu Glatteis mit Tipps der DGOU zur Sturztechnik. Ende September 2026 berichtete ad-hoc-news, Kraft- und Gleichgewichtstraining senke die Sturzgefahr – und verwies auf die DGOU und eine Metaanalyse im British Medical Journal.
Neue Aufmerksamkeit bekam das Thema zum Internationalen Tag der älteren Menschen am 1. Oktober 2026. Zum 29. September legte das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit seine aktualisierten Broschüren zu Sturzvermeidung und Gleichgewicht neu auf. Ein loser Teppich, Schwindel, Hörprobleme oder Nebenwirkungen von Medikamenten erhöhten das Risiko, sagt Johannes Nießen, kommissarischer Leiter des Instituts. „Die gute Nachricht ist: Dagegen lässt sich etwas tun."
Üben unter Aufsicht
Der Blick über den Atlantik stützt den Rat. „Ältere Patienten können davon profitieren, das Fallen zu üben – besonders in einer beaufsichtigten Umgebung", sagt Theodore Strange, Chair of Medicine am Staten Island University Hospital in New York.
Offen bleibt, wie viele Menschen die Empfehlung in Übung übersetzen. Der stern-Ratgeber steht seit dem 2. Oktober online, die Broschüren des Bundesinstituts seit dem 29. September – und die nächste Glatteis-Nacht kommt bestimmt. Dann entscheidet sich, wer den Sturz vorher geübt hat und wer ihn zum ersten Mal erlebt.