ARD-Sportschau löscht rund 1.000 rassistische Kommentare zur DFB-Elf
Bild: KI-generiert
Hass im Netz

ARD-Sportschau löscht rund 1.000 rassistische Kommentare zur DFB-Elf

Jürgen Klopp sagte in München zunächst, er habe die rassistischen Kommentare nicht mitbekommen. Anschließend verurteilte er den Hass gegen die DFB-Elf deutlich.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Als „nicht deutsch genug“, als „nicht weiß genug“ wurden Spieler der Nationalmannschaft nach dem 0:1 gegen Griechenland im Netz beschimpft. Die ARD-„Sportschau“ hat nach eigenen Angaben rund 1.000 Hasskommentare auf drei Plattformen gelöscht.

Zwei Tage später saß Bundestrainer Jürgen Klopp in München vor der Presse – vor dem Nations-League-Spiel gegen Serbien am 1. Oktober. Er habe die Beiträge „nicht mitbekommen“, sagte Klopp zunächst. Danach deutliche Worte zum Hass gegen die DFB-Elf.

„Also, es gibt keinen Grund, sich über diese Menschen Gedanken zu machen. Meine Gedanken kriegen sie nicht. Ich habe im normalen Leben für Dummheit wenig Zeit – und für die sozialen Medien auch nicht“, sagte Klopp. Seine Kritik an vorschnellen Äußerungen fasste er so zusammen:

„Heute hauen die Leute Sachen raus, da habe ich noch nicht einmal angefangen, zu denken. Das ist Wahnsinn.“
Jürgen Klopp, Bundestrainer

Das Camp als Gegenmodell

Klopp hielt den Kommentaren das eigene Camp entgegen. Die Gruppe mit vielen Spielern mit Migrationshintergrund „könnte nicht großartiger in diesem Zusammenleben sein“, sagte er. „Die Welt dürfte sich ein Beispiel an einer Sport-Umkleidekabine nehmen: Da wird jeder aufgrund der richtigen Tatsachen respektiert und nicht aufgrund von falschen Meinungen diskreditiert. Punkt!“

Die ARD ließ die Kommentare auf YouTube, Instagram und TikTok entfernen; sie erschienen schon zur Bekanntgabe der Aufstellung. Der DFB verfährt auf eigenen Kanälen ähnlich: Hasskommentare werden gelöscht, strafrechtlich relevante Inhalte den Behörden gemeldet. DFB-Juniorenchef Kai Krüger berichtet seit Jahren von Rassismus gegen U-Nationalspieler.

Umfrage
Lädt

Die Fahne zurückholen

Während der ARD-Übertragung aus Augsburg waren minutenlang die Rufe eines Zuschauers in Richtung Karim Adeyemi zu hören. Der 32 Jahre alte Steven Pawlowicz aus Nürnberg wollte damit nach eigener Darstellung „menschenunwürdige“ Beschimpfungen anderer Zuschauer gegen DFB-Spieler übertönen.

Auch die AfD sprang auf die Debatte auf: Der Bundestagsabgeordnete Kay Gottschalk stellte auf X die WM-Elf von 1990 gegen die aktuelle Startelf, sein Fraktionskollege Christopher Drößler forderte „Remigration im gesetzlich maximal möglichen Umfang“.

Gegen diese Deutung steht die Mannschaft selbst. Nationalspieler Leon Goretzka nannte die AfD in einem Interview eine Schande für Deutschland – Goretzkas Abrechnung mit der AfD war deutlich. Klopp wiederum will die Fahne nicht denen überlassen, die seine Elf für nicht deutsch genug halten.

„Ich würde mir oder uns gerne die Fahne zurückholen. Ich möchte, dass wir sie immer so schwingen, dass niemand denkt, was mit dir nicht in Ordnung ist.“
Jürgen Klopp, Bundestrainer

Erster Sieg – und der nächste Gegner

Einen Tag nach der Pressekonferenz, am 1. Oktober, gewann Deutschland in München 2:0 gegen Serbien – der erste Sieg unter Klopp. Zuvor hatte die Elf in Amsterdam 1:1 gegen die Niederlande gespielt; das 0:1 gegen Griechenland in Augsburg war Klopps Heimdebüt, der erste Sieg der Griechen im elften Duell und der schlechteste Start eines neuen DFB-Bundestrainers.

Klopps erste drei Spiele: Tore und Gegentore der DFB-Elf

Nations League 2026

Quelle: DFB / UEFA Nations League

Am 4. Oktober tritt Deutschland in Thessaloniki erneut gegen Griechenland an, eine Woche nach dem 0:1 von Augsburg. Der erste Sieg unter Klopp ist da, die Debatte über die Herkunft seiner Spieler nicht – mit der nächsten Aufstellung beginnt sie womöglich von vorn.