Amtsgericht Dresden setzt Prozess gegen Ecke-Angreifer für 2027 an
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Justiz

Amtsgericht Dresden setzt Prozess gegen Ecke-Angreifer für 2027 an

Das Amtsgericht Dresden hat die Anklage zugelassen, der Prozess gegen drei junge Männer beginnt aber erst im ersten oder zweiten Quartal 2027 – mehr als drei Jahre nach dem Angriff auf den SPD-Politiker Matthias Ecke. Opfer und Verteidiger streiten über die Folgen der Verzögerung.

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Wer den Prozess um den Angriff auf Matthias Ecke verfolgen will, muss bis 2027 warten. Das Amtsgericht Dresden hat die Anklage zugelassen und Hauptverhandlungstermine für 2027 bestimmt – knapp drei Jahre nach der Tat.

Konkrete Termine nennt das Gericht nicht, die Verhandlung findet nicht-öffentlich statt. Für den SPD-Europaabgeordneten Ecke bedeutet die Mitteilung vom 2. Oktober 2026 weitere Wartezeit in einem Verfahren, das seit der Anklage im Januar 2025 auf einen Termin wartet.

Angeklagt sind drei junge Männer. Zwei von ihnen wird gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen vorgeworfen, dem dritten Beihilfe. Ein Urteil gibt es bislang nicht – für die drei gilt die Unschuldsvermutung.

Drei Jahre zwischen Tat und Termin

Zwischen dem Angriff am 3. Mai 2024 und dem Prozess liegen rund drei Jahre. Warum, lässt sich an zwei Personalien und einer Beschwerde festmachen: Die zuständige Jugendrichterin am Amtsgericht Dresden wechselte als Referentin ins sächsische Justizministerium. Erst im November 2025 übernahm ein anderer Jugendrichter den Fall.

Zusätzlich beschäftigte eine Beschwerde das Landgericht Dresden. Sie richtete sich gegen die Entscheidung, Matthias Ecke nicht als Nebenkläger zuzulassen. Im Mai 2026 wies das Landgericht die Beschwerde zurück, seit Ende Mai liegen die Akten wieder beim Jugendrichter. Die Anklage selbst ist seit Januar 2025 anhängig.

Vom Angriff in Striesen bis zum Prozesstermin

  1. 3. Mai 2024
    Angriff in Dresden-Striesen

    Matthias Ecke wird am Abend in der Schandauer Straße beim Aufhängen von Wahlplakaten für die Europawahl attackiert und schwer im Gesicht verletzt. Kurz zuvor soll in derselben Straße ein 28-jähriger Wahlhelfer der Grünen angegriffen und verletzt worden sein.

  2. 4. Mai 2024
    Ermittlungen laufen an

    Sachsens Innenminister Armin Schuster verurteilt die Angriffe, die Task Force Gewaltdelikte des Landeskriminalamts Sachsen übernimmt die Ermittlungen.

  3. 5. bis 6. Mai 2024
    Tatverdächtige und Durchsuchungen

    Ein 17-Jähriger stellt sich der Polizei und soll die Schläge gegen Ecke eingeräumt haben. Die Wohnungen von drei weiteren Tatverdächtigen im Alter von 17 und 18 Jahren werden durchsucht, Beweismaterial wird sichergestellt.

  4. Januar 2025
    Anklage in Dresden

    Die Staatsanwaltschaft Dresden erhebt Anklage gegen drei junge Männer: gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen, für einen Beschuldigten Beihilfe.

  5. November 2025
    Neuer Jugendrichter

    Nach dem Wechsel der ursprünglichen Jugendrichterin ins Justizministerium übernimmt ein anderer Jugendrichter am Amtsgericht Dresden das Verfahren.

  6. Mai 2026
    Landgericht weist Beschwerde zurück

    Das Landgericht Dresden lehnt die Beschwerde gegen die Nichtzulassung Matthias Eckes als Nebenkläger ab. Seit Ende Mai liegen die Akten wieder beim Jugendrichter.

  7. 2. Oktober 2026
    Termine für 2027

    Das Amtsgericht Dresden lässt die Anklage zu und bestimmt Hauptverhandlungstermine für das erste und zweite Quartal 2027. Der Prozess findet nicht-öffentlich statt.

Kritik am Tempo und Einschätzung des Verteidigers

Matthias Ecke selbst nennt die Verzögerung befremdlich und drängt auf Tempo: „Diese dauernde Verzögerung befremdet mich. Gerade im Jugendstrafrecht ist Tempo wichtig", sagt der SPD-Politiker. Verhandelt wird der Fall vor dem Jugendrichter, die Öffentlichkeit ist ausgeschlossen.

Der Dresdner Strafverteidiger Gerhard Rahn bewertet die lange Verfahrensdauer aus Sicht der Angeklagten als möglichen Vorteil.

„Nach so langer Zeit gibt es für den Täter einen erheblichen Strafrabatt. Ich halte es sogar für denkbar, dass nunmehr die Einstellung des Verfahrens gegen kleine Auflagen in Betracht kommen könnte.“
Gerhard Rahn, Dresdner Strafverteidiger

Das Amtsgericht Dresden weist Verantwortung für das Tempo von sich. Gerichtspräsident Holger Schindler verweist auf die richterliche Unabhängigkeit: „Die zuständigen Richter bearbeiten die Verfahren in richterlicher Unabhängigkeit. Wegen des Grundsatzes der Gewaltenteilung bewertet die Verwaltung des Gerichts nicht, wie einzelne Verfahren geführt werden."

Auch von politischer Seite wird die Justiz angegriffen: Der AfD-Spitzenkandidat für Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, hat bei einem Bürgerdialog erklärt, die Justiz sei zu einem gewissen Maße politisch besetzt – Siegmunds These von der politisch besetzten Justiz.

Was am 3. Mai 2024 in Striesen geschah

Ecke war am Abend des 3. Mai 2024 in der Schandauer Straße in Dresden-Striesen unterwegs, um Wahlplakate für die Europawahl aufzuhängen. Bei dem Angriff erlitt er einen Jochbeinbruch und einen Bruch der Augenhöhle.

Kurz zuvor soll in derselben Straße ein 28-jähriger Wahlhelfer der Grünen angegriffen und verletzt worden sein. Das Landeskriminalamt Sachsen rechnete mindestens einen Tatverdächtigen dem rechten Spektrum zu.

Am 4. Mai 2024 verurteilte Sachsens Innenminister Armin Schuster die Angriffe scharf, die Task Force Gewaltdelikte des Landeskriminalamts Sachsen übernahm die Ermittlungen. Schusters Verurteilung der Angriffe auf Wahlhelfer.

„Diese Angriffe sind leider nicht neu. Absolut beunruhigend ist aber die Intensität, mit der sich die Attacken aktuell häufen. […] Diese Straftaten sind nicht zu dulden.“
Armin Schuster, Sächsischer Innenminister

Gewalt rund um Wahlplakate ist kein Einzelfall: In Stendal soll der AfD-Europaabgeordnete Arno Bausemer zwei 14-Jährige mit einem Baseballschläger angegriffen haben, nachdem diese Plakate beschädigt hatten – der Angriff auf zwei 14-Jährige in Stendal.

Ein Termin, drei Jahre nach der Tat

Ob der Prozess im ersten oder zweiten Quartal 2027 beginnt, lässt das Gericht offen. Die Akten liegen seit Ende Mai 2026 wieder beim Jugendrichter, der die Anklage jetzt zugelassen und die Termine bestimmt hat.

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Für Matthias Ecke steht fest: Zwischen dem Abend des 3. Mai 2024 und dem ersten Verhandlungstag 2027 liegen mehr als drei Jahre. Rutscht der Beginn ins zweite Quartal, wächst dieser Abstand weiter – und mit ihm der Strafrabatt, den Verteidiger Rahn beschreibt.