Christa Pike überlebt Giftspritze – Tennessee stoppt alle Exekutionen
Zwei Dosen Pentobarbital, mindestens sieben Nadeln in einem Arm – Christa Pike überlebt am 30. September ihre eigene Hinrichtung in Nashville. Gouverneur Bill Lee setzt danach alle weiteren Exekutionen des Jahres aus, Pikes Anwälte fordern lebenslange Haft.
Christa Pike hat ihre eigene Hinrichtung überlebt. Am Abend des 30. September 2026 bekam die 50-Jährige im Hochsicherheitsgefängnis Riverbend in Nashville (Tennessee) zwei Dosen des Barbiturats Pentobarbital verabreicht – und blieb am Leben. Um 21:28 Uhr, mehr als zwei Stunden nach Beginn des Vollzugs, wurde sie in ein Krankenhaus gebracht.
Der Tag war ein juristisches Hin und Her: Der 6th U.S. Circuit Court of Appeals stoppte die für 10 Uhr geplante Exekution, der Supreme Court hob den Aufschub gegen 17:50 Uhr mit 6:3 Stimmen auf. Ab 19:26 Uhr lief die Injektion. Der Bericht über Pikes Zustand nach der Hinrichtung beschreibt sie als bewusstlos, intubiert und am Beatmungsgerät; das teilten ihre Anwälte am 1. und 2. Oktober mit.
Mindestens sieben Nadeln in einem Arm
Nach Angaben der Verteidiger setzten die Henker mindestens sieben Nadeln in Pikes linken Arm, eine davon verbogen. Das Mittel floss vermutlich ganz oder teilweise ins Gewebe statt in die Blutbahn. Ihr Anwalt Stephen Ferrell sagte, es sei nie die Angst vor dem Sterben gewesen, sondern die Angst vor einem langen, qualvollen, traumatischen Tod – und genau das sei eingetreten, nur der Tod nicht.
„Dieser gescheiterte Versuch ist der schlimmste, den wir je gesehen haben, und anders als jede andere verpatzte Hinrichtung der modernen Ära.“
Robin M. Maher, Geschäftsführerin des Death Penalty Information Center
Tennessee stoppt alle Hinrichtungen
Gouverneur Bill Lee setzte alle weiteren Hinrichtungen in Tennessee für 2026 aus und ordnete eine unabhängige Untersuchung an. Die für den 3. Dezember geplante Exekution von Gary Wayne Sutton wurde verschoben. Lee sagte, es sei eine Tragödie, niemand habe gewollt, was in der Nacht passiert sei, und es hätte nicht passieren dürfen.
Es war der zweite gescheiterte Anlauf in Tennessee binnen weniger Monate: Im Mai 2026 wurde die Hinrichtung von Tony Carruthers abgebrochen, weil kein zweiter IV-Zugang gelegt werden konnte; er erhielt eine einjährige Aussetzung. Schon 2022 hatte Lee nach der abgebrochenen Exekution von Oscar Smith alle Hinrichtungen gestoppt. Pike wäre die erste in Tennessee seit über 200 Jahren hingerichtete Frau gewesen.
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Der Mord von 1995 und die Folgen
Pike war 1995 im Alter von 18 Jahren an der Folterung und Ermordung ihrer 19-jährigen Job-Corps-Mitschülerin Colleen Slemmer beteiligt; die Tat geschah in einem Waldstück auf dem Campus der University of Tennessee in Knoxville. 1996 wurde sie zum Tode verurteilt – als eine der jüngsten Frauen der US-Geschichte.
2001 wurde sie wegen versuchten Mordes an einer Mitgefangenen verurteilt, kurz danach wurde bei ihr eine bipolare Störung diagnostiziert. Colleen Slemmers Mutter May Martinez sagte: „Ich habe keine Gerechtigkeit für meine Tochter bekommen.“
Von der Tat 1995 bis zur gescheiterten Hinrichtung
12. Januar 1995
Mord an Colleen Slemmer
Pike (18), Tadaryl Shipp (17) und Shadolla Peterson (18) foltern und töten die 19-jährige Job-Corps-Mitschülerin in einem Waldstück in Knoxville.
30. März 1996
Todesurteil
Pike wird wegen Mordes zum Tode verurteilt.
2001
Neues Urteil, neue Diagnose
Verurteilung wegen versuchten Mordes an einer Mitgefangenen; kurz danach wird bei ihr eine bipolare Störung diagnostiziert.
2022
Erster Hinrichtungsstopp
Nach der abgebrochenen Exekution von Oscar Smith setzt Gouverneur Lee alle Hinrichtungen aus.
21. Mai 2026
Carruthers bricht ab
Die Hinrichtung wird abgebrochen, weil kein zweiter IV-Zugang gelegt werden kann; er erhält eine einjährige Aussetzung.
28. September 2026
Gnade verweigert
Gouverneur Lee lehnt Pikes 226-seitiges Gnadengesuch ab.
30. September 2026
Gescheiterte Hinrichtung
Zwei Dosen Pentobarbital ab 19:26 Uhr; Pike überlebt und wird um 21:28 Uhr in ein Krankenhaus gebracht.
Wie es weitergeht
Wochen vor dem Termin hatte Pike in Tonaufnahmen, die ihre Anwälte der New York Times übergaben, ihre Angst vor der Giftspritze geschildert. Ihr schlimmster Albtraum sei ein qualvoller, langwieriger Tod gewesen – ein Versagen der Injektion.
„Ich gehe diese Hinrichtung jeden Tag in meinem Herzen durch. Was am 30. September auch passiert – das wird nicht mehr meine Hölle sein.“
Christa Pike, zum Tode verurteilte Gefangene
Pikes Anwälte fordern, das Todesurteil in lebenslange Haft umzuwandeln und alle Beweise des Vollzugs zu sichern; am 2. Oktober reichten sie eine Eilentscheidung ein. Offen ist, ob die unabhängige Untersuchung des Gouverneurs das Protokoll von Riverbend kippt – und ob Tennessee 2027 überhaupt wieder hinrichtet.