Falscher Arzt ergaunert in Feldmoching rund 500.000 Euro
Bild: KI-generiert
Telefonbetrug

Falscher Arzt ergaunert in Feldmoching rund 500.000 Euro

Eine über 80-jährige Münchnerin hat einem fremden Mann Gold und Wertgegenstände im Wert von rund 500.000 Euro übergeben, weil sie eine angebliche Krebsbehandlung ihrer besten Freundin bezahlen sollte. Der Abholer ist flüchtig, das Kommissariat 61 sucht Zeugen – und die Polizei warnt erneut vor der Masche.

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Rund eine halbe Million Euro hat eine über 80-jährige Münchnerin an einen fremden Mann übergeben – in der Annahme, damit das Leben ihrer besten Freundin zu retten. Am Telefon hatten sich mehrere Männer abwechselnd als Arzt und als Klinikpersonal ausgegeben.

Der Anruf erreichte die Seniorin am Mittwoch über das Festnetz. Die Männer behaupteten, ihre beste Freundin sei an Krebs erkrankt, die Behandlung koste 150.000 Euro. Nach Vereinbarung einer Übergabezeit übergab die Frau an ihrer Haustür im Bereich Feldmochinger Straße, Gutmannstraße und Fasaneriesee Gold und Wertgegenstände.

Die Beute liegt im mittleren sechsstelligen Bereich. Eine Recherche über Callcenter-Banden und ihre Opfer in München beziffert den Wert auf etwa 500.000 Euro. Der Abholer verschwand anschließend in unbekannte Richtung.

Der Abholer kam bis an die Haustür

Beschrieben wird der Mann als etwa 40 Jahre alt, rund 1,70 Meter groß und schlank, mit osteuropäischem Aussehen, Brille und grauer Cap. Er trug eine lange Hose und eine Jacke in unbekannter Farbe, bei sich hatte er eine grau-schwarze Tragetasche mit Reißverschluss.

Kurze Zeit später bemerkte die Seniorin den Betrug und alarmierte über den Notruf 110 die Polizei. Das Polizeipräsidium München machte den Fall am Donnerstag öffentlich. Das Kommissariat 61 ermittelt und bittet Zeugen aus dem Bereich Feldmochinger Straße, Gutmannstraße und Fasaneriesee um Hinweise.

Kliniken und Gerichte fordern niemals Bargeld

Die Polizei weist darauf hin, dass Krankenhäuser, Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichte niemals Bargeld verlangen und keine Boten zur Geldabholung schicken. Wer einen solchen Anruf bekommt, soll auflegen und selbst die 110 wählen – aber nicht über die Rückruftaste.

Neu ist die Warnung nicht: Bereits im Februar haben Polizei und Kliniken öffentlich vor Trickbetrügern als falschen Ärzten gewarnt. Warum die Masche trotzdem verfängt, erklärt der Polizeisprecher Ralf Kästle im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Kästle sagt:

„Genau das ist der perfide Punkt. Den Opfern wird Angst gemacht. In langen Gesprächen wird ein enormer emotionaler Druck aufgebaut. Und das ist es auch letztlich, was dazu führt, dass die Leute bereit sind, auch an Fremde hohe Geldbeträge zu übergeben.“
Ralf Kästle, Polizeisprecher

Die Masche trifft Senioren bundesweit

Die Masche trifft Senioren in München und Bayern. Ein dokumentierter Fall aus dem Landkreis Gießen zeigt die Dimension: 90-Jähriger verliert über 450.000 Euro an falschen Polizisten.

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Offen ist bislang, wer der Abholer ist und ob die Ermittler ihn fassen können. Das Kommissariat 61 nimmt Hinweise aus dem Bereich Feldmochinger Straße, Gutmannstraße und Fasaneriesee entgegen – wer den Mann mit der grau-schwarzen Tasche gesehen hat, soll sich melden.