Rund 45.000 Solaranlagen hat die Energiekonzepte Deutschland GmbH (EKD) installiert, das Leipziger Unternehmen zählte zu den größten Anbietern im deutschen Privatkundengeschäft mit Photovoltaik. Jetzt ist der Anbieter selbst zahlungsunfähig: Nach Unternehmensangaben sind rund 400 Mitarbeitende von der Insolvenz betroffen.
Am 2. Oktober stellte EKD beim Amtsgericht Leipzig den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, wie aus der Meldung über den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Leipzig hervorgeht. Auslöser ist der Finanzierungsstopp des Londoner Eigentümers.
Der Finanzinvestor Pemberton Asset Management, der EKD 2025 übernommen hat, teilte der Führungsebene am 26. September mit, keine weiteren Finanzmittel mehr bereitzustellen. Pemberton hält das Geschäftsmodell wegen des anhaltenden Marktrückgangs im Privatkundengeschäft mit Photovoltaik für nicht mehr tragfähig.
„Die Energiekonzepte Deutschland GmbH hat am 2. Oktober beim Amtsgericht Leipzig einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.“
Strittig bleibt, wie viele Beschäftigte die Insolvenz trifft: EKD nennt rund 400 Mitarbeitende, MDR, tagesschau, TAG24 und die Berliner Zeitung berichten von rund 340 Beschäftigten.
Vom Zwei-Mann-Start zum Solar-Giganten
EKD ist eine junge Firma mit kurzer Erfolgsgeschichte. 2018 gründete Mathias Hammer das Unternehmen in Leipzig mit zwei Mitarbeitern. 2020 montierte EKD die 1.000. Solaranlage, 2022 beschäftigte die Firma mehr als 100 fest angestellte Mitarbeiter, dazu kamen Tausende Handelsvertreter und Beteiligungen an Herstellern von Wechselrichtern, Speichern und Wärmepumpen.
Das Wachstum war teuer. Für 2024 weist EKD laut TAG24 einen Verlust von mehr als 40 Millionen Euro aus. Ende 2024 vereinbarten von Pemberton beratene Fonds die Übernahme, 2025 vollzog der Investor sie und leitete eine Sanierung ein: 86 Mitarbeiter wurden gekündigt, die Bild berichtet von 80 gestrichenen Jobs. Im August 2025 wurde Christian Arnold CEO.
Der Weg von EKD in die Insolvenz
- 2018Gründung in Leipzig
Mathias Hammer gründet die Energiekonzepte Deutschland GmbH mit zwei Mitarbeitern.
- 2020Die 1.000. Solaranlage
EKD montiert die 1.000. Anlage des Unternehmens.
- Ende 2024Übernahme vereinbart
Von Pemberton beratene Fonds vereinbaren die Übernahme. Für 2024 weist EKD laut TAG24 einen Verlust von mehr als 40 Millionen Euro aus.
- 2025Sanierung unter neuem Eigentümer
Pemberton vollzieht die Übernahme, 86 Mitarbeiter werden gekündigt. Im August 2025 wird Christian Arnold CEO.
- 26. September 2026Der Geldhahn wird zugedreht
Pemberton teilt der EKD-Führungsebene mit, keine weiteren Finanzmittel bereitzustellen.
- 30. September 2026Belegschaft informiert
In einer außerordentlichen Mitarbeiterversammlung informiert EKD die Beschäftigten über die finanzielle Notlage.
- 2. Oktober 2026Insolvenzantrag
EKD stellt beim Amtsgericht Leipzig den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.
Sieben Gesellschaften unter einem Dach
Bericht des Handelsblatts nennt insgesamt sieben Gesellschaften, für die Anträge eingereicht werden sollen – darunter die EKD GmbH, die EKD Holding GmbH, die EKD Investorenholding GmbH und die EKD PV-Montage GmbH.
Das Handelsblatt hatte bereits am 1. Oktober unter Berufung auf vertraute Kreise über die bevorstehende Insolvenz berichtet; einen Tag später bestätigte EKD den Antrag für die GmbH. Nach Angaben der Bild sind 15 Standorte betroffen.
Drei Monate Insolvenzgeld
Für die Beschäftigten greift zunächst das Insolvenzgeld: Die Löhne und Gehälter sind laut EKD für rund drei Monate abgesichert. Danach braucht es einen Sanierungsplan, damit die Jobs bleiben.
„Die Löhne und Gehälter unserer circa 400 Mitarbeitenden sind über das Insolvenzgeld abgesichert.“
EKD ist kein Einzelfall: Für 2025 zählten Creditreform und ZEW 17.604 Firmenpleiten in Deutschland – der höchste Stand seit 20 Jahren. Im selben Jahr dokumentierten sie die Aufgabe von 187.744 Betrieben, fast jede dritte freiwillige Schließung aus Altersgründen.
Sanierung, Investor oder Verkauf
Der Geschäftsbetrieb läuft nach Unternehmensangaben uneingeschränkt weiter. Die Geschäftsführung will in den kommenden Wochen gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter prüfen, wie das Unternehmen saniert werden kann.
Als Wege gelten ein neuer Investor, eine Restrukturierung oder der Verkauf von Unternehmensteilen. Für eine Sanierung braucht EKD einen Geldgeber – der bisherige hat abgesagt.
Unternehmenssprecherin Julia Neuer sagt, Ziel der Geschäftsführung sei es, „gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter einen Weg zur Sanierung des Unternehmens zu finden“. Ob sich binnen Wochen ein neuer Geldgeber findet, entscheidet, wie viele der 340 bis 400 Beschäftigten ihren Job behalten.
