Mehr Erwachsene scheitern bargeldlos: 56 statt 45 Prozent seit 2021
56 Prozent der Erwachsenen in Deutschland konnten 2026 mindestens einmal nicht mit Karte oder Smartphone bezahlen. Volksbank-Vorstände fordern deshalb eine Akzeptanzpflicht, der Handel warnt vor neuen Kartengebühren.
56 Prozent der Erwachsenen in Deutschland konnten in diesem Jahr mindestens einmal nicht bargeldlos bezahlen. An der Ladenkasse half dann nur noch Bargeld. Aus dieser Erfahrung ist ein Streit geworden, der die Volksbanken gegen den Handel stellt.
Die Zahl stammt aus der Auswertung der YouGov-Umfrage zum Bezahlverhalten, die die dpa am 3. Oktober veröffentlichte und die zahlreiche Medien übernahmen. Befragt wurden im August 2026 insgesamt 1.534 Erwachsene, repräsentativ für Deutschland.
Der Genoverband, der hinter den Volksbanken steht, liest daraus einen Auftrag: Ohne staatliche Pflicht werde sich am Bezahlen nichts ändern. Der Handelsverband Deutschland (HDE) sieht dagegen zusätzliche Gebühren auf seine Betriebe zukommen und lehnt eine Akzeptanzpflicht ab.
Immer mehr Kunden kommen mit Karte nicht durch
Die Entwicklung ist nicht neu. Schon 2021 berichteten 45 Prozent der Erwachsenen, mindestens einmal nicht wie gewünscht bargeldlos bezahlt haben zu können. Fünf Jahre später sind es 56 Prozent.
49 Prozent der Befragten würden gern häufiger mit Karte oder Smartphone zahlen. Die Umfrage nennt drei Bedingungen dafür: mehr Akzeptanzstellen, die Möglichkeit, an der Ladenkasse Bargeld abzuheben, und einen besseren Überblick über bargeldlose Bezahlmöglichkeiten.
Erwachsene, die nicht bargeldlos zahlen konnten
Anteil in Prozent der Befragten
Quelle: Vorläuferumfrage 2021 und YouGov 2026 im Auftrag des Genoverbands
77 Prozent der Bankvorstände wollen die Pflicht
Der Genoverband hat nicht nur Kunden befragt. 196 Vorstände der Volksbanken im Verbandsgebiet – das sind alle Bundesländer außer Bayern und Baden-Württemberg – gaben Auskunft. 77 Prozent von ihnen befürworten eine Akzeptanzpflicht für Karten- und digitale Zahlungen.
49 Prozent der Vorstände wollen zugleich, dass Geschäfte Bargeld bis zu einer Höchstgrenze annehmen müssen. Die Position des Verbands lautet damit: Karte überall, Bargeld garantiert – aber nur bis zu einer Obergrenze.
Genoverband-Chef Michael Hoeck begründet diese Doppelstrategie so:
„Das Smartphone und die Karte werden zunehmend zum Dreh- und Angelpunkt für Bankgeschäfte und Zahlungsverkehr – gleichzeitig bleibt es den Menschen aber auch wichtig, die Option einer Barzahlung zu haben“
Michael Hoeck, Vorstandsvorsitzender Genoverband e.V.
Der Verband positioniert sich damit zwischen zwei Lagern: Er will Kartenzahlung erzwingen und Bargeld trotzdem sichern. Der Handel hält von der Pflicht bislang nichts.
Der Handel warnt vor neuen Kartengebühren
Der HDE verlangt faire, kostengünstige Bedingungen für die Betriebe und lehnt die Akzeptanzpflicht ab, die aus dem Bundesfinanzministerium bekannt geworden ist. Bereits am 17. September 2026 formulierte der Verband seine Forderung nach fairen Bedingungen für den Handel. Er warnt vor zusätzlichen Transaktions- und Kartengebühren und will diese an die Verbraucher weitergeben dürfen.
Die Karte ist längst Normalzustand: 2025 liefen in Deutschland bereits 55 Prozent der Transaktionen bargeldlos. Für den Handel geht es deshalb nicht mehr um das Ob, sondern um den Preis, den er dafür trägt.
Umfrage
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Ab 2027 soll die Kartenzahlung Pflicht werden
Das Bundesfinanzministerium plant eine gesetzliche Akzeptanzpflicht: Geschäfte sollen ab 2027 mindestens eine digitale Zahlungsmöglichkeit anbieten. Die Eckpunkte für Klingbeils Kartenzahlungs-Pflicht liegen seit September vor. Voraussetzung für den Start 2027 ist, dass der Gesetzentwurf noch 2026 im Kabinett beschlossen wird.
Von der Vorläuferumfrage zur geplanten Pflicht
2021
45 Prozent scheitern beim bargeldlosen Zahlen
Eine Vorläuferumfrage erfasst erstmals, wie oft Erwachsene in Deutschland nicht wie gewünscht bargeldlos bezahlen können.
August 2026
YouGov befragt 1.534 Erwachsene
Im Auftrag des Genoverbands erhebt das Institut repräsentative Daten zum Bezahlverhalten in Deutschland.
17. September 2026
HDE lehnt Akzeptanzpflicht ab
Der Handelsverband Deutschland fordert faire, kostengünstige Bedingungen für den Handel statt der aus dem Bundesfinanzministerium bekannt gewordenen Pflicht.
3. Oktober 2026
dpa veröffentlicht die Auswertung
56 Prozent der Erwachsenen konnten 2026 mindestens einmal nicht bargeldlos bezahlen; zahlreiche Medien übernehmen die Meldung.
2027
Akzeptanzpflicht soll greifen
Geschäfte sollen mindestens eine digitale Zahlungsmöglichkeit anbieten – sofern der Gesetzentwurf noch 2026 im Kabinett beschlossen wird.
Fällt der Kabinettsbeschluss in diesem Jahr aus, verschiebt sich der Start über 2027 hinaus. Offen ist auch, ob der Handel die zusätzlichen Kartengebühren an die Kunden weiterreichen darf – genau das fordert der HDE.