Zehn Tage nach dem Angriff auf einen Kippa tragenden Juden am Düsseldorfer Rathausufer sucht die Polizei mit Überwachungsfotos nach zwei Tatverdächtigen. Die Bilder wurden am Freitag, 2. Oktober, um 14:49 Uhr über das Fahndungsportal des Landeskriminalamts NRW veröffentlicht.
Die Tat liegt länger zurück: Am Dienstag, 22. September 2026, gegen 20:36 Uhr wurde ein 35-jähriger deutscher Jude am Rathausufer angegriffen. Er trug eine Kippa und einen schwarzen Pullover mit goldenem „IDF“-Schriftzug. Nach Polizeiangaben beschimpften ihn zunächst Frauen als „Kindermörder“ und „Judenkopf“. Als zwei Männer hinzukamen, schlugen und traten sie auf ihn ein.
Der Mann wurde dabei leicht verletzt, ebenso ein Zeuge, der ihm zu Hilfe kam. Der Staatsschutz richtete die Ermittlungskommission „EK Rathaus“ ein. Nach Angaben der Polizei zur eingerichteten Ermittlungskommission steht nach Zeugenaussagen und der Auswertung von Videoaufzeichnungen fest, dass das Opfer eine Kippa trug. Die Ermittler gehen deshalb von einem antisemitischen Motiv aus.
Fahndung nach zwei jungen Männern
Gesucht werden zwei etwa 20 Jahre alte Männer. Einer ist rund 1,75 Meter groß, hat eine kräftige Statur und dunkle, gelockte, schulterlange Haare; er trug einen auffälligen roten Jogginganzug. Der zweite ist mit etwa 1,80 Meter etwas größer und athletisch, hat schwarze Haare und war dunkel gekleidet.
Die Polizei beschreibt beide als von „nordafrikanischem Phänotyp“. Einen Tag nach der Veröffentlichung griffen mehrere Medien die Fahndung auf; Bericht über die Suche nach den Verdächtigen zeigt die Aufnahmen aus der Videoauswertung. Hinweise nimmt der Staatsschutz unter der Nummer 0211 870-0 entgegen.
Der Fall am Rathausufer: Vom Angriff zur Fahndung
- 22. September 2026Angriff am Rathausufer
Gegen 20:36 Uhr wird ein 35-jähriger Jude mit Kippa erst beschimpft, dann von zwei Männern geschlagen und getreten.
- 24. September 2026Mahnwache mit Kippa
Um 18 Uhr versammeln sich Menschen am Mannesmannufer und tragen demonstrativ Kippa.
- 25. September 2026„EK Rathaus“ ermittelt
Die Polizei bestätigt nach Zeugenaussagen und Videoauswertung die Kippa des Opfers; ein antisemitisches Motiv rückt in den Fokus.
- 28. September 2026SPD beantragt Bericht
Die SPD-Landtagsfraktion verlangt einen mündlichen Bericht im Innenausschuss des NRW-Landtags.
- 2. Oktober 2026Öffentlichkeitsfahndung
Um 14:49 Uhr veröffentlicht die Polizei Düsseldorf Fahndungsfotos von zwei Tatverdächtigen.
- 8. Oktober 2026Innenausschuss tagt
Innenminister Herbert Reul soll zum Ermittlungsstand und zum Schutz jüdischen Lebens in NRW berichten.
SPD verlangt Bericht von Reul
Die SPD-Landtagsfraktion hatte den Bericht bereits am 28. September beantragt – vier Tage vor der Öffentlichkeitsfahndung. Innenminister Herbert Reul (CDU) soll am 8. Oktober im Innenausschuss zum Ermittlungsstand und zum Schutz jüdischen Lebens in Nordrhein-Westfalen informieren.
„Wir erwarten eine umfassende Aufklärung der Hintergründe, der Motivlagen der Tatverdächtigen und möglicher sicherheitsbehördlicher Vorerkenntnisse. Darüber hinaus muss die Landesregierung darlegen, wie sie die aktuelle Gefährdungslage bewertet und welche zusätzlichen Maßnahmen sie ergreifen will, um jüdisches Leben in Nordrhein-Westfalen wirksam zu schützen.“
Für Reul bedeutet der Antrag, dass er am 8. Oktober nicht nur den Ermittlungsstand vortragen muss, sondern auch darlegen soll, ob es zu den beiden Verdächtigen sicherheitsbehördliche Vorerkenntnisse gibt – also ob sie der Polizei schon vor der Tat aufgefallen waren. Kampmann fordert von der Landesregierung Aufklärung und mahnt ein klares gesellschaftliches Signal gegen Antisemitismus an.
Zahl antisemitischer Vorfälle bleibt hoch
Der Angriff fällt in eine Zeit, in der antisemitisch motivierte Straftaten in Deutschland auf hohem Niveau bleiben. Der Rias-Jahresbericht zählt für 2025 insgesamt 8.725 Vorfälle – kaum weniger als die 8.716 des Vorjahres. 2023 waren es 4.886, 2022 erst 2.610.
Antisemitisch motivierte Vorfälle in Deutschland
Gemeldete Fälle je Jahr
Fünf Tage vor der Tat in Düsseldorf hatte in Wuppertal ein Brandanschlag auf die Synagoge in Wuppertal für Aufsehen gesorgt: Drei Tage vor Jom Kippur wurde die Synagoge der Jüdischen Kultusgemeinde angezündet, ein Verdächtiger wurde festgenommen.
Mahnwache, Kundgebung, Innenausschuss
In Düsseldorf ist die Betroffenheit seit der Tat sichtbar. Bereits am 24. September versammelten sich Menschen zu einer Mahnwache am Mannesmannufer und trugen demonstrativ Kippa. Für den 7. Oktober ist um 18 Uhr eine Kundgebung gegen Antisemitismus angemeldet; sie steht unter dem Titel „Es ist uns ernst: Gegen jeden Antisemitismus“ und wird vom Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte organisiert.
Einen Tag später, am 8. Oktober, tagt der Innenausschuss des Landtags. Ob Reul dort neue Erkenntnisse zu den beiden Verdächtigen vorlegt und ob die Fahndung nach den Fotos erste Erfolge bringt, ist offen. Hinweise nimmt der Staatsschutz weiterhin unter 0211 870-0 entgegen.
