München wird deutscher Olympia-Kandidat: Mit 91 zu 50 Stimmen setzte sich die Stadt am Samstag bei der außerordentlichen DOSB-Mitgliederversammlung in Baden-Baden gegen Köln-Rhein-Ruhr durch. Für Nordrhein-Westfalen ist das Rennen damit verloren – nach einer Bewerbung, die der DOSB selbst als exzellent bewertet hatte.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verkündete das Ergebnis um 14:43 Uhr in einer ARD-Sondersendung; die Kandidatenkür im BR-Stream und im TV lief parallel. „Wer es jetzt eben nicht gesehen hat, dem sage ich: Der Sieger ist München“, sagte Steinmeier. Zuvor hatte DOSB-Präsident Thomas Weikert den Siegerumschlag versehentlich etwas zu früh geöffnet.
Knapp war es nur auf dem Papier der Bewertung: Dort lag München mit 87,03 Punkten vor Köln-Rhein-Ruhr (85,02). Beide Konzepte stufte der DOSB als „sehr gut“ ein. Berlin, das seine Bewerbung am 24. September zurückzog, kam auf 74,64 Punkte und die Note „gut“.
München lag in der DOSB-Bewertung knapp vor Köln-Rhein-Ruhr
Bewertungspunkte der drei deutschen Bewerber vor der Abstimmung
Zehn Milliarden Euro für die Spiele
Was der Erfolg kostet, beziffert Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause auf rund zehn Milliarden Euro – etwa fünf Milliarden Euro für die Organisation der Spiele und fünf Milliarden Euro für Infrastrukturmaßnahmen. „Die Freude ist jetzt unendlich“, sagte der Grünen-Politiker nach der Entscheidung.
Rückendeckung kommt aus der Bundesregierung. Kanzler Friedrich Merz erklärte: „Wir wollen die Olympischen und Paralympischen Spiele zu uns holen – für Gänsehaut, große Erfolge, unvergessliche Momente und ein ganzes Land, das mitfiebert.“ Sportstaatsminister Ronald Rauhe sagte: „Vielleicht ist es genau das, was Deutschland gerade gut gebrauchen kann: ein großes gemeinsames Ziel.“
Berlin ist raus, NRW sucht Schuldige
Zwei Bewerber waren zuvor ausgeschieden. Hamburg hatte sich bereits per Bürgerbefragung verabschiedet, Berlin zog am 24. September offiziell zurück – vier Tage nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus, bei der die Olympia-Befürworter im Senat abgewählt wurden. Damit blieben nur München und Köln-Rhein-Ruhr übrig.
In Nordrhein-Westfalen wirft die FDP Ministerpräsident Hendrik Wüst Versäumnisse vor. Wüst selbst sagte: „Köln-Rhein-Ruhr hat seine Hausaufgaben gemacht und eine exzellente Bewerbung vorgelegt, am Ende entscheiden Nuancen.“ Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagte mit Blick auf den knappen Ausgang: „Ihr habt uns ganz schön zum Zittern gebracht.“
Vom Bürgerentscheid zur Nominierung in Baden-Baden
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Laut dpa stimmen zwei Drittel der Teilnehmer für eine Olympia-Bewerbung, BR24 berichtet von 66 Prozent Zustimmung.
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Der Deutsche Olympische Sportbund tritt mit dem Internationalen Olympischen Komitee in Gespräche über eine deutsche Bewerbung ein.
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- Juni 2026IOC richtet Bewerbungsprozess neu aus
Das IOC stellt den internationalen Bewerbungsprozess um, ohne die Details abschließend festzulegen.
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- 24. September 2026Berlin zieht Bewerbung zurück
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- 26. September 2026München gewinnt 91 zu 50
Bei der außerordentlichen DOSB-Mitgliederversammlung im Kurhaus Baden-Baden setzt sich München gegen Köln-Rhein-Ruhr durch.
Gegen Doha, Istanbul und Ahmedabad
Als internationale Konkurrenten gelten Indien mit Ahmedabad, Katar mit Doha, Istanbul, Budapest, Madrid, der Norden Großbritanniens und die Toskana. München hat seit den Sommerspielen 1972 keine Olympischen Spiele mehr ausgerichtet. Münchens nächste Schritte und internationale Gegner entscheiden darüber, ob der deutsche Vorstoß trägt – DOSB-Präsident Thomas Weikert mahnt Geschlossenheit an:
„Wenn wir Olympische und Paralympische Spiele nach Deutschland holen wollen, müssen wir jetzt als Sportnation geschlossen auftreten.“
Das IOC will im März 2027 eine erste Vorauswahl für die Sommerspiele 2036 treffen; die endgültige Vergabe soll im Juni 2029 fallen. Beim DOSB steht in diesen Wochen auch personell ein Einschnitt an: Thomas Weikert kandidiert nicht erneut als DOSB-Präsident.
Offen ist vor allem die Finanzierung. Ob die Olympia-Garantie des Bundes, die Finanzminister Lars Klingbeil im Februar 2026 angekündigt hat, die von München veranschlagten zehn Milliarden Euro abdeckt, ist nicht geklärt. Die Entscheidung in Baden-Baden ist damit ein erster Schritt auf dem Weg zur internationalen Bewerbung.
