Sprengsatz tötet in Russland mutmaßlichen Folterer Syromjatnikow
Bild: KI-generiert
Anschlagsserie

Sprengsatz tötet in Russland mutmaßlichen Folterer Syromjatnikow

Ein Sprengsatz unter dem Auto tötet in Nowomoskowsk einen Mann, den die Ukraine als Folterer ukrainischer Kriegsgefangener sucht. Die russischen Behörden bestätigen weder die Identität des Fahrers noch die Ursache der Explosion – und niemand bekennt sich zu dem Anschlag.

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Ein Sprengsatz hat am Morgen des 2. Oktober in Nowomoskowsk in der russischen Region Tula einen Mann getötet, den die Ukraine als Folterer ukrainischer Kriegsgefangener suchte. Der Wagen war auf der Druschby-Straße unterwegs, rollte nach der Detonation noch ein Stück weiter und prallte gegen einen Mast; der Fahrer starb noch am Tatort. Der den russischen Sicherheitsstrukturen nahestehende Telegram-Kanal VChK-OGPU meldete, der Sprengsatz sei unter dem Fahrzeugboden auf der Fahrerseite angebracht worden.

Bei dem Toten handelt es sich nach übereinstimmenden Berichten um den 47-jährigen Roman Syromjatnikow, einen früheren Mitarbeiter des russischen Strafvollzugsdienstes FSIN in der Region Tula. Die Identifizierung stützt sich nicht auf eine offizielle Bestätigung, sondern auf Indizien: einen auf seinen Namen zugelassenen Hyundai Solaris und einen Nachruf der Lokalzeitung Nowomoskowsk Segodnja am 3. Oktober. Die russischen Behörden haben bislang weder die Identität des Fahrers noch die Ursache der Explosion mitgeteilt.

Der Vorwurf: Folter in der Strafkolonie Nr. 1

Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft hatte Syromjatnikow im September 2025 offiziell einen Verdacht mitgeteilt, teils datiert auf den 25. September 2025. Der Vorwurf: Er soll 2022 als Mitarbeiter der Strafkolonie Nr. 1 (IK-1) in der Region Tula an der Folter ukrainischer Kriegsgefangener beteiligt gewesen sein. Nach Angaben der ukrainischen Ermittler geht es um mindestens 50 ukrainische Staatsbürger, die in dieser Kolonie festgehalten wurden.

Den Ermittlern zufolge wurden Gefangene bei Morgen- und Abendkontrollen mit Händen, Füßen, Gummiknüppeln, Plastikrohren und Hämmern geschlagen, auch Elektroschocker sollen zum Einsatz gekommen sein. Syromjatnikow selbst soll Gefangene zusätzlich mit Strom gefoltert haben, indem er die Kontakte eines Feldtelefons vom Typ TA-57 an ihre Körper anschloss, wie der Bericht über den getöteten Folterverdächtigen zusammenfasst.

Die ukrainische Datenbank Myrotvorets, ein nichtstaatliches Verzeichnis, führt Syromjatnikow mit dem Vermerk „außergewöhnliche Grausamkeit und Sadismus“; im Oktober 2025 wurde er dort aufgenommen und in der Ukraine zur Fahndung ausgeschrieben. Einschränkend hält die unabhängige russische Rechercheplattform Wichtige Geschichten fest, sie habe keine unabhängige Bestätigung dafür gefunden, dass Syromjatnikow 2022 tatsächlich in dieser Strafkolonie arbeitete.

Die Vorgeschichte des Falls

  1. 2010er Jahre
    Syromjatnikow arbeitet im Strafvollzug

    Nach Angaben von Wichtigen Geschichten ist er in Einrichtungen des FSIN in der Region Tula tätig und gibt als Berufsbezeichnungen „Psychologe“ und „Inspektor der Personalabteilung“ an.

  2. 2022
    Einsatz in der Strafkolonie Nr. 1

    Laut ukrainischer Generalstaatsanwaltschaft arbeitet er in der Strafkolonie Nr. 1 in der Region Tula und ist an der Folter von mindestens 50 ukrainischen Kriegsgefangenen beteiligt.

  3. 2023
    Vertrag mit dem Verteidigungsministerium

    Er unterschreibt einen Kontrakt und dient im 51. Regiment der 106. Tulaer Garde-Luftlandedivision, laut RBC-Ukraine im Donezker Gebiet und bei der Verteidigung der Region Kursk.

  4. November 2024
    Rückkehr zur Behandlung

    Nach einer Verwundung bei einem Drohnenangriff im Mai 2024 kehrt er zur medizinischen Behandlung in die Region Tula zurück.

  5. 25. September 2025
    Verdachtsmitteilung aus Kiew

    Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft teilt ihm offiziell den Verdacht der Folter ukrainischer Kriegsgefangener mit.

  6. Oktober 2025
    Aufnahme in die Fahndungsliste

    Die Datenbank Myrotvorets führt ihn mit dem Vermerk „außergewöhnliche Grausamkeit und Sadismus“; in der Ukraine wird er zur Fahndung ausgeschrieben.

  7. 2. Oktober 2026
    Autobombe in Nowomoskowsk

    Auf der Druschby-Straße detoniert ein Sprengsatz unter einem fahrenden Auto; der Fahrer stirbt noch am Tatort.

Vom Strafvollzug in den Krieg und zurück

Nach Angaben von Wichtigen Geschichten, die sich auf Leak-Daten stützen, arbeitete Syromjatnikow in den 2010er Jahren in Einrichtungen des FSIN in der Region Tula und nannte als Berufsbezeichnungen „Psychologe“ und „Inspektor der Personalabteilung“. 2023 unterschrieb er einen Vertrag mit dem russischen Verteidigungsministerium und diente im 51. Regiment der 106. Tulaer Garde-Luftlandedivision — nach Angaben von RBC-Ukraine im Donezker Gebiet und bei der Verteidigung der Region Kursk.

Im Mai 2024 wurde er nach Angaben des ukrainischen Portals NV bei einem Drohnenangriff verwundet, im November 2024 kehrte er zur medizinischen Behandlung in die Region Tula zurück; wie genau er aus der Armee ausschied, ist unklar. Vor und nach seinem Einsatz unterrichtete er Lebenssicherheit (OBSh) am Multidisziplinären College von Nowomoskowsk und am örtlichen Bau-College.

Er war Mitglied der Veteranenorganisation „Kampfbruderschaft“ und trat bei „Mut-Unterricht“ vor Schulkindern auf, wo er über seine Teilnahme am Ersten Tschetschenienkrieg und am Krieg gegen die Ukraine sprach; die Moscow Times über den getöteten Soldaten berichtet, er habe regelmäßig über die Teilnahme seiner eigenen Schüler am Krieg erzählt.

Ein Muster gezielter Anschläge

Der Tod Syromjatnikows fällt in eine Reihe von Bombenanschlägen auf russische Offiziere, Sicherheitskräfte und kremlnahe Akteure seit Beginn der russischen Vollinvasion in die Ukraine. Zu den bekanntesten Fällen zählen die Tötung von General Igor Kirillow im Dezember 2024, die von General Jaroslaw Moskalik im April 2025 und der Autobombenanschlag auf Darja Dugina im August 2022. Ein Anschlag auf den russischen Oberst Asatbek Omurbekow, bekannt als „Schlächter von Butscha“, schlug im April 2026 fehl.

Erst Ende August 2026 starb in Sankt Petersburg ein Oberstleutnant der Luftverteidigung bei einem Autobombenanschlag in Sankt Petersburg; im Juni 2026 kam bei Moskau General Damir Davydov durch den tödlichen Anschlag auf einen russischen General ums Leben. Zu dem Fall in Nowomoskowsk hat sich bislang weder die ukrainische Regierung noch der Geheimdienst SBU bekannt. Ob der Anschlag mit den Foltervorwürfen zusammenhängt, ist offen.

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