US-Küstenwache findet Trümmer des Ambulanzjets vor Nantucket
Bild: KI-generiert
Flugzeugunglück

US-Küstenwache findet Trümmer des Ambulanzjets vor Nantucket

Sechs Menschen waren an Bord des Ambulanzflugs von Bermuda nach Boston, als der Kontakt über dem Atlantik abbrach. Die Küstenwache fand Trümmer – die Suche nach den Vermissten läuft weiter, die Ursache ist offen.

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Ein Ambulanzjet mit sechs Menschen an Bord ist in der Nacht zum Samstag über dem Atlantik verschwunden. Die US-Küstenwache fand am späten Samstagabend südlich von Nantucket ein Trümmerfeld, das sie der vermissten Gulfstream G100 zuordnet.

Der Kontakt zu der Maschine brach nach knapp einer Stunde Flug ab. An Bord waren nach Angaben von Küstenwache und Betreiber zwei kanadische Piloten, zwei kanadische medizinische Mitarbeiter, ein Patient aus Bermuda und dessen Begleitperson.

Ein Ambulanzjet der Latitude Air Ambulance

Die Maschine mit dem Kennzeichen C-GRJP ist auf die kanadische Latitude Air Ambulance mit Sitz in Hamilton, Ontario, zugelassen. Sie wurde 1996 gebaut und ist seit 2018 auf die Gesellschaft registriert. Latitude betreibt nach eigenen Angaben vier Gulfstream G100 in einer Flotte von zehn Flugzeugen.

Die Gulfstream G100, ursprünglich Israel Aircraft Industries Astra und ab 2002 unter dem Namen G100, ist ein zweistrahliger Business-Jet für sechs bis neun Passagiere. In der Ambulanzversion bietet sie Platz für ein bis zwei Patienten, medizinische Crew und zwei Piloten.

Der Jet hob am Samstag gegen 0:41 Uhr Bermuda-Zeit vom L.F. Wade International Airport ab, dem einzigen Flughafen der Insel – nach Ostküstenzeit war das 23:41 Uhr am Freitagabend. Ziel war der Boston Logan International Airport, die Landung war gegen 1:25 Uhr ET vorgesehen.

An Bord waren sechs Menschen: zwei kanadische Piloten, zwei kanadische medizinische Mitarbeiter sowie ein Patient und eine Begleitperson aus Bermuda. Vier der Insassen sind kanadische, zwei bermudische Staatsangehörige.

Clarence Togeretz, Leiter des Flugbetriebs bei Latitude Air Ambulance, sagte, die Crew sei nach Bermuda geflogen, um einen Patienten und dessen Angehörigen abzuholen. Es sei das erste Mal, dass die Firma den Kontakt zu einem ihrer Flugzeuge verlor.

Die sechs Menschen an Bord der Gulfstream G100

Quelle: US-Küstenwache, Angaben des Betreibers

Vom Reiseflug in den Sturzflug

Die Maschine flog zunächst rund eine Stunde konstant auf etwa 24.000 Fuß, umgerechnet rund 7.300 Metern. Dann geriet sie in einen raschen Sinkflug: Nach FlightAware-Daten fiel sie innerhalb von zwei bis drei Minuten um 9.000 bis 13.000 Fuß auf rund 10.000 bis 11.000 Fuß, bevor sie sich kurz stabilisierte und das Signal über dem Ozean abrupt endete.

Aus dem aufgezeichneten Flugfunk geht hervor, dass die Besatzung mit dem Rufzeichen „Heartbeat 104“ bereits in Schwierigkeiten war. Ein Fluglotse in New York fragte, ob der Pilot „blind“ anfliege und ob er einen Notfall erkläre – eine Antwort war nicht hörbar. Ein Lotse bat eine in der Nähe fliegende Ethiopian-Airlines-Maschine um Kontaktaufnahme, ebenfalls ohne Erfolg.

Nach Angaben des Nantucket Memorial Airport hatte das Flugzeug vor dem Kontaktabbruch einen Notfall erklärt. Ein Dispatcher der Massport Fire Rescue wurde nach einer ausgewerteten Funkaufnahme um 1:12 Uhr angewiesen, sich auf die Landung einer Maschine mit „elektrischem Problem“ in etwa 15 Minuten vorzubereiten. Das Flugzeug habe „Radio und Radar verloren“.

Die frühere Generalinspektorin des US-Verkehrsministeriums, Mary Schiavo, hält eine Kombination aus dem plötzlichen Höhenverlust, technischen Problemen und einem Wetterumschwung für möglich. Der Maschine sei auf dem Weg in einen Sturm womöglich die Navigation weggebrochen.

„Etwas Schlimmes passierte bei diesem großen Sturz, und sie flogen in diesen großen Sturm. Es ist ein schrecklicher Ort, um seine Instrumente zu verlieren und blind zu fliegen.“
Mary Schiavo, ehemalige Generalinspektorin des US-Verkehrsministeriums

Die FAA gab um etwa 1:20 Uhr eine Search-and-Rescue-Meldung heraus. Nach Angaben des Betreibers brach der Kontakt gegen 1:30 Uhr ab; als die Maschine nicht planmäßig landete, verständigte Latitude die Küstenwache. Die Suche nach dem vermissten Ambulanzjet aus Ontario hatte damit begonnen.

27 Stunden Suche vor Nantucket

Die US-Küstenwache (Northeast District) setzte ein HC-144-Ocean-Sentry-Flugzeug, eine HC-130-Hercules, einen MH-60-Jayhawk-Hubschrauber, ein 47-Fuß-Motorrettungsboot von der Station Brant Point sowie den schnellen Patrouillenkutter William Sparling ein. Zusätzlich suchten Polizei und Hafenmeister von Nantucket die Südküste der Insel ab.

Nach rund 27 Stunden und etwa 1.644 Quadratmeilen – rund 4.300 Quadratkilometern – bestätigte die Küstenwache am späten Samstagabend, dass das südlich von Nantucket gefundene Trümmerfeld zu der Maschine gehört.

Die fortgesetzte Suche nach sechs Vermissten lief über Nacht mit dem Kutter William Sparling weiter. Für Sonntag, 4. Oktober, 11 Uhr Ortszeit kündigte die Küstenwache eine Pressekonferenz an der Coast Guard Base Boston an. Über das Schicksal der Insassen gab es zunächst keine bestätigten Angaben.

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Bermuda und Ottawa reagieren

Bermudas Premier David Burt erklärte, die Regierung stehe mit den US-Behörden und den Familien der Insassen in Kontakt. Er sprach für ein Land, aus dem zwei der sechs Vermissten stammen.

„Wir beten, dass alle sechs Menschen sicher gefunden werden, und wir danken den Such- und Rettungskräften für ihren fortgesetzten Einsatz.“
David Burt, Premier von Bermuda

Kanadas Verkehrsminister Steven MacKinnon erklärte, vier kanadische Staatsbürger würden vermisst. Er sagte, seine Gedanken seien bei allen an Bord sowie ihren Familien, Angehörigen und Kollegen.

Die US-Untersuchungsbehörde NTSB teilte mit, sie sammle Informationen und prüfe eine Untersuchung; wegen der kanadischen Registrierung dürfte auch das kanadische Transportation Safety Board beteiligt sein. Erst im Juli stürzte nach einem Navigationsfehler eine Fracht-Boeing bei einem rätselhaften Sturzflug ins Arabische Meer, fünf Seeleute starben.

Am Sonntag um 11 Uhr Ortszeit will die Küstenwache in Boston den Stand der Suche erläutern – und ob es noch Hoffnung gibt, die sechs Menschen lebend zu finden. Eine offizielle Ursache für den Absturz nannte bislang keine Behörde.