Annika Lau (47) hat erstmals öffentlich über die ADHS-Diagnose ihres Sohnes gesprochen. Baz ist zehn Jahre alt, die Diagnose bekam er mit sechs Jahren, kurz vor der Einschulung. Seit Jahren nimmt er nach Angaben seiner Mutter jeden Morgen Medikamente. Der Anlass der Offenheit ist ihr erstes Buch: „Ihr Kind ist anders", 19,99 Euro, erscheint am 7. Oktober im ZS Verlag.
Im Gala-Interview über die ADHS-Diagnose ihres Sohnes beschreibt die Moderatorin eine Belastung, die sich nicht auflösen lässt. Als Mutter müsse sie „sein Ego komplett zurückstellen", sagt sie; ihre Aufgabe sei es, dafür zu sorgen, „dass er keinen Schaden anrichtet und ein schönes Umfeld hat, um in der Gesellschaft zu bestehen". Den Kern bringt sie selbst so auf den Punkt:
„Es ist diese Gleichzeitigkeit, die einen verrückt macht. Er ist ja mein Sohn, und mein Sohn ist zuerst mal wahnsinnig toll. Er ist unglaublich lustig, superschlau, schnell im Kopf, wenn er möchte. Und dann aber auch wieder so träge und faul.“
Druck kommt auch von außen. Auf die Beobachtung, viele Menschen hielten sie und ihren Mann für Versager, antwortet Lau, sie habe sich daran gewöhnt, „dass sie mit den Augen rollen und uns verurteilen„. Heute wisse sie: Es liege „an dieser Krankheit“ und nicht an ihrer Erziehung. Ihr Sohn bekomme die Ablehnung ebenfalls zu spüren: „Kinder wie er stoßen überall auf Ablehnung."
Der Satz, der zum Buchtitel wurde
Alles beginnt in der Kita, als Baz drei Jahre alt ist. Eine Erzieherin bittet die Mutter zum Entwicklungsgespräch. Lau erwartet ein Routinetreffen und hört stattdessen den Satz, der Jahre später auf ihrem Buchcover steht: „Ihr Kind ist anders" – verbunden mit der Rückfrage, ob ihr das denn nie aufgefallen sei.
„Das war bei einem Entwicklungsgespräch in der Kita. Als dieser Satz fiel, dachte ich zunächst: Natürlich ist er anders als meine ältere Tochter – er ist ja ein Junge. Erst als mir klar wurde, dass damit gemeint war, dass er auch als Mensch anders ist, dass mit ihm etwas nicht stimmen könnte, war ich wie vom Donner gerührt.“
Rückblickend fallen ihr viele Zeichen erst nach der Diagnose auf: Schwierigkeiten beim Anziehen, beim Dranbleiben an Aufgaben und beim Wechsel von der Kita in die Schule. In der Kita habe Baz andere Kinder angestarrt, angeschrien und zu fest gedrückt, ohne deren Unbehagen einordnen zu können; zum Gespräch der Erzieherin hatte er nach ihrer Erinnerung nur einen Freund: Levi.
Diagnose erst mit sechs Jahren
Ein Arzt diagnostiziert zunächst eine sensorische Entwicklungsstörung. Es folgen Pferdetherapie, Psychotherapie und Ergotherapie – mit großen Fortschritten. Erst mit sechs Jahren, kurz vor der Einschulung, steht die ADHS-Diagnose fest; eine Therapeutin habe gesagt, er sei „sogar ein ziemlich deutlicher ADHS-Junge". Seit vier Jahren lebt Baz mit dieser Diagnose. Den langen Weg dorthin schildert Lau im ELTERN-Bericht über die Suche nach der Diagnose.
Von der Kita bis zum Buch
- um 2019Das Entwicklungsgespräch in der Kita
Eine Erzieherin sagt Annika Lau, ihr dreijähriger Sohn sei anders, und fragt, ob ihr das denn nie aufgefallen sei.
- um 2020Erste Diagnose und Therapien
Ein Arzt diagnostiziert eine sensorische Entwicklungsstörung. Es folgen Pferdetherapie, Psychotherapie und Ergotherapie.
- um 2022ADHS-Diagnose vor der Einschulung
Mit sechs Jahren steht kurz vor der Einschulung fest, dass Baz ADHS hat – laut Therapeutin ein „ziemlich deutlicher ADHS-Junge".
- ab 2022Krisen in der Schule
Nach zwei Wochen das erste Krisengespräch, später der Vorschlag einer medikamentösen Behandlung und einer stationären Klinikunterbringung. Lau lehnt die Klinik ab.
- 1. Oktober 2026Das Gala-Interview erscheint
Annika Lau spricht erstmals öffentlich über die ADHS-Diagnose ihres Sohnes Baz.
- 7. Oktober 2026Das Buch erscheint
„Ihr Kind ist anders" erscheint im ZS Verlag, 19,99 Euro; ein Auftritt im SAT.1-Frühstücksfernsehen ist geplant.
- 9. Oktober 2026NDR Talk Show und rbb
Lau ist in der NDR Talk Show angekündigt; ihre Gästeseite beim rbb-Format „DER TAG in Berlin & Brandenburg" ist hinterlegt.
In der Schule stößt Baz schnell an Grenzen. Rückzugsorte und Kopfhörer, mit denen seine Lehrerin zunächst hilft, reichen nicht; nach zwei Wochen steht das erste Krisengespräch an. Baz verlässt seinen Platz, isst im Unterricht, redet dazwischen und wirft Antistressbälle durch den Raum. Schließlich regt die Lehrerin eine medikamentöse Behandlung an.
Für Lau ist das ein Schock – sie steigt ins Auto und bricht in Tränen aus. Aus dem Schulalltag wird ein Kampf aus Gesprächen und Beschwerden; am Ende steht sogar der Vorschlag, Baz stationär in einer Klinik unterzubringen. Für seine Mutter kommt das nicht infrage.
Der Alltag mit drei Kindern
Lau ist mit dem Schauspieler Frederick Lau (37) verheiratet und erkennt in ihm das „Chaos im Kopf„ ihres Sohnes wieder: „Die beiden sind wie eine Person, einmal in groß und einmal in klein!“ Wenn die beiden streiten, „ist das so, als würde man zwei Sechsjährigen zuschauen" – fünf Minuten später liegen sie sich in den Armen.
Von der Diagnose sei ihr Mann nicht überrascht gewesen, weil er vieles von sich selbst kenne: keiner kann schlafen, keiner still sitzen, beide vergessen und verlegen ihre Sachen. Annika Lau hat deshalb schon die Autoschlüssel „im Kühlschrank aus dem Gemüsefach„ hervorgeholt – und sagt augenzwinkernd, sie habe „halt noch ein Kind zur Betreuung – das von meiner Schwiegermutter“.
Neben Baz gehören Tochter Liselotta, genannt Lilo, und Sohn Bruno zur Familie. Über die beiden sagt Lau: „Mit Lilo war alles einfach. Dieses Kind ist die pure Leichtigkeit.„ Bruno sei „das Licht unserer Familie“. Bei ihnen funktioniere ein „Kannst du das bitte machen?„ sofort – „bei Baz ist das undenkbar“.
„Diese Diagnose verlangt einem alles ab„, sagt Lau. Weil ihr Mann für Dreharbeiten oft wochenlang unterwegs ist, stemmt sie den Alltag mit drei Kindern meist allein: „Ich muss mindestens 150 Prozent Mutter sein.“ In der Nacht findet sie kaum Ruhe – „Ich habe seit zehn Jahren keine Nacht mehr durchgeschlafen."
Am schwierigsten sei das Einschlafen: Baz stehe ständig auf, lasse sich „einfach nicht regulieren„, Zähneputzen und Schlafanzug würden „zur Verhandlungssache“. Oft bleibe sie länger als eine Stunde bei ihm – und weine inzwischen so häufig, dass es längst ihr Ventil ist:
„Oh, ich weine ganz viel im Auto. Es ist aber alles okay. Leute! (lacht) Das ist mein Ventil. Ich weine auch auf offener Straße. Ich schäme mich mittlerweile auch nicht mehr so dafür.“
Was Baz stark macht
Trotzdem betont Lau die Stärken ihres Sohnes. Beim Sport könne er stundenlang auf dem Platz stehen und spielen, ohne müde zu werden, sagt sie: „Baz ist in vielerlei Hinsicht so stark!„ Und: „Dieses Kind musste schon so viel einstecken: Ablehnung, Einsamkeit und Traurigkeit. Trotzdem ist er der Außenwelt gegenüber freundlich geblieben und nicht in ständige Wut versunken.“
Bewundernswert findet sie, „dass er jeden Morgen seine Medikamente zu sich nimmt„ – und „dass er den Mut hat, Dinge zu sagen, die unangenehm sind. Ich traue mich das bis heute nicht. Da muss ich sagen: Chapeau, Baz!“
An Weihnachten in der Kirche rief er laut: „Warum singt man hier so viel? Warum tanzt man nicht?„ Zugleich sagt seine Mutter: Selbst wenn ihr Mann stundenlang mit ihm auf dem Tennisplatz stehe, sage Baz am Abend: „Papa ist nie für mich da.“ Ihre Bilanz bleibt trotzdem klar: „Ich glaube an ihn."
Warum sie ihre Geschichte öffentlich macht
Es sei ihr „nicht leicht„ gefallen, die Familiengeschichte öffentlich zu machen. „Ich wollte Baz niemals vorführen, sondern ehrlich zeigen, wo ich als Mutter Fehler gemacht habe“, sagt sie. Zugleich soll der Bericht anderen helfen: „Ich möchte, dass Eltern sich weniger verzweifelt fühlen."
Für das Buch hat sie sich fachliche Unterstützung geholt: Der Erfahrungsbericht ist ergänzt durch Beiträge des ADHS-Experten Dr. med. Klaus Skrodzki. Über das Schreiben sagt Lau: „Das Schreiben war wie eine Therapie. Ich habe dabei geweint, geschrien und mich gefreut."
Im Beruf funktioniere sie weiter: „Das, was man im Fernsehen sieht, ist die alte Annika. Weil ich meine Familie an der Haustür lasse. Zu Hause bin ich die Mutter, die es braucht." Sie ist nicht die erste Prominente, die eine Diagnose im eigenen Haus öffentlich macht – auch Hazel Bruggers offene Worte zur postpartalen Depression nach dem ersten Kind waren ein solcher Schritt.
Am Mittwoch, 7. Oktober, will Lau im „SAT.1-Frühstücksfernsehen„ über das Buch und das Leben mit der Diagnose sprechen. Für den 9. Oktober ist sie in der NDR Talk Show angekündigt, ihre Gästeseite beim rbb-Format „DER TAG in Berlin & Brandenburg“ ist mit Stand 9. Oktober hinterlegt. Wie Baz selbst über die vielen öffentlichen Details denkt, ist bislang nicht bekannt.
