AfD-Papier plant radikalen Umbau der EU – Euro-Austritt als letzte Option
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Europapolitik

AfD-Papier plant radikalen Umbau der EU – Euro-Austritt als letzte Option

Die AfD rückt von ihrem alten Ziel eines Euro-Austritts ab: Ein internes Strategiepapier setzt auf einen radikalen Umbau der EU – und lässt über den Ausstieg im Ernstfall die Bürger abstimmen. Der eigene Jugendverband will den Euro dagegen vollständig erhalten.

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Die AfD rückt von ihrem alten Ziel ab: Ein Austritt Deutschlands aus dem Euro soll nach einem internen Strategiepapier der Partei nur noch die letzte Option sein. Stattdessen wirbt das Papier für einen radikalen Umbau der Europäischen Union zu einem „Bund souveräner Nationen“.

Der BILD-Bericht über das interne Strategiepapier der AfD erschien am 4. Oktober 2026 um 17:25 Uhr. Kern der neuen Linie: Scheitern die Reformen von EU und Euro, soll die Bevölkerung über den „künftigen europäischen und währungspolitischen Weg Deutschlands“ entscheiden – eine Volksabstimmung als Auffangposition.

Der eigene Nachwuchs widerspricht

Offen gegen den alten Kurs steht die AfD-Jugend „Generation Deutschland“. Auf ihrem Bundeskongress am 29. August 2026 in Magdeburg lehnte ihr Chef Jean-Pascal Hohm einen deutschen Euro-Austritt ab und forderte, die Konstruktionsmängel des Euro-Systems zu beheben – nicht Abschied, sondern Reparatur.

„Wir wollen keinen deutschen Euro-Austritt, sondern die bestehenden Konstruktionsmängel des Euro-Systems beheben.“
Jean-Pascal Hohm, Chef der AfD-Jugend „Generation Deutschland“

Damit stellt sich Hohm gegen die Linie der Parteispitze. Alice Weidel und Europapolitiker wie Boehringer vertreten den EU-Austritt nur noch als letzte Option – im Podcast „Inside AfD“ von POLITICO war am 1. Oktober 2026 vom „Anti-Euro-Dilemma“ der Partei die Rede. Gegenüber der Union fährt Weidel ebenfalls einen harten Kurs – Weidels scharfe Attacke auf Merz und die CDU.

Von Magdeburg zum Strategiepapier

Das Papier fällt nicht aus dem Nichts. 2013 trat die AfD als eurokritische Partei an; im Bundestagswahlprogramm 2025 hieß es noch: „Deutschland muss aus dem Euro-System austreten.“ Schon 2023 hatten Weidel und Chrupalla auf der Europawahlversammlung in Magdeburg radikalere „Dexit“-Forderungen abgeschwächt und die Neugründung der EU als „Bund europäischer Nationen“ durchgesetzt.

Der Streit um den Euro in der AfD

  1. 2013
    Gründung als Euro-kritische Partei

    Die AfD entsteht mit dem Ziel, Deutschland aus dem Euro zu führen.

  2. 2023
    Europawahlversammlung in Magdeburg

    Die Partei beschließt die Neugründung der EU als „Bund europäischer Nationen“. Radikalere „Dexit“-Forderungen werden auf Druck der Parteispitze um Weidel und Chrupalla abgeschwächt.

  3. Februar 2025
    Bundestagswahlprogramm

    Dort heißt es: „Deutschland muss aus dem Euro-System austreten.“

  4. 29. August 2026
    Bundeskongress der AfD-Jugend in Magdeburg

    Jugendchef Jean-Pascal Hohm lehnt den deutschen Euro-Austritt ab und fordert, die Konstruktionsmängel des Euro-Systems zu beheben.

  5. 1. Oktober 2026
    Podcast „Inside AfD“

    Die Folge „Das Anti-Euro-Dilemma“ beschreibt den Streit: Weidel und Boehringer für den EU-Austritt als letzte Option, Hohm für den Erhalt des Euro.

  6. 4. Oktober 2026
    BILD veröffentlicht das Strategiepapier

    Der Bericht beschreibt den Plan für einen radikalen Umbau der EU, Reformen des Euro und eine Volksabstimmung als letzte Instanz.

Einen Tag nach dem BILD-Bericht griff die ZEIT die Sache auf: AfD-Europapolitiker rücken laut dem ZEIT-Bericht über das Abrücken vom Euro-Austritt von einem unmittelbaren Ausstieg ab und setzen auf einen „Bund souveräner Nationen“, umfassende Reformen des Euro und als letzte Instanz eine Volksabstimmung.

Volksabstimmung als Auffangposition

Die Volksabstimmung ist der eigentliche Knackpunkt des Papiers. Sie macht den Euro-Austritt von einer Kernforderung zu einer Notlösung: Erst wenn die Reformen von EU und Euro scheitern, sollen die Bürger über den künftigen währungspolitischen Weg Deutschlands entscheiden. Nicht der Ausstieg, sondern der Umbau ist damit das erklärte Ziel.

Für die Partei ist das eine Kehrtwende. Im Bundestagswahlprogramm 2025 stand der Austritt als Forderung, nicht als letzte Option. Ob die Delegierten den neuen Kurs mittragen, ist offen: Ein Parteitagsbeschluss zu dem Papier ist bislang nicht bekannt.

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Druck von außen

Der Kurswechsel fällt in eine Debatte über die Folgen des alten Programms. Am 2. Oktober 2026 berichtete das Portal Apollo News über die Einschätzung eines Staatsrechtlers, die Forderung nach einem EU-Austritt könnte für ein AfD-Verbot reichen. Das Papier schwächt genau diese Forderung ab – ob bewusst, sagt es nicht.

Ob aus dem internen Papier eine offizielle Linie wird, ist offen. Bislang lässt es zwei Antworten auf die Euro-Frage nebeneinander stehen: den Austritt als Notfall und die Reparatur als Normalfall. Auf dem nächsten Parteitag dürfte der Streit darüber ausbrechen, welche der beiden Linien offiziell wird.