Elbphilharmonie-Plaza kostet ab Montag fünf Euro – Linke protestiert
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Kulturpolitik

Elbphilharmonie-Plaza kostet ab Montag fünf Euro – Linke protestiert

Fast zehn Jahre war der Blick von der Plaza der Elbphilharmonie gratis, ab Montag kostet er fünf Euro, ermäßigt drei. Linke und ver.di haben am Sonntag auf dem Vorplatz protestiert und wollen den Eintritt in den laufenden Haushaltsverhandlungen wieder kippen.

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Hamburg verlangt zum ersten Mal Geld für den Blick von der Plaza der Elbphilharmonie. Am Montag, 5. Oktober 2026, tritt der Eintritt in Kraft: 5 Euro für Erwachsene, 3 Euro ermäßigt. Fast zehn Jahre lang war der Zugang zu dem Aussichtsbalkon in 37 Metern Höhe kostenlos, der Sonntag war der letzte freie Tag.

Die Linke hatte die Kundgebung bereits am 28. September auf ihrer Website angekündigt: Unter dem Titel „Plaza für alle" rief sie für den 4. Oktober auf den Vorplatz der Elbphilharmonie.

Dort protestierten am Sonntagmittag die Linke und die Gewerkschaft ver.di. Unter dem Motto „Plaza bleibt kostenlos" verteilten sie Postkarten mit dem Aufdruck „Plaza-Ausblick kostenlos". Wie viele Menschen kamen, ist strittig: Der Bericht des NDR zum Plaza-Eintritt ab Montag nennt rund 50 Teilnehmer, Beobachter der dpa rund 20.

Die Linke will die Gebühr nicht hinnehmen. Ihre kulturpolitische Sprecherin Marie Kleinert räumt ein, dass juristisch nichts zu machen sei – der Widerstand müsse politisch kommen. Kleinert wirft dem Senat zudem vor, nicht offenzulegen, wofür die Einnahmen verwendet werden.

„Wir können das jetzt momentan natürlich juristisch nicht verhindern, dass das eingeführt wird. Wir können aber politisch Druck machen und wir werden auch in den Haushaltsverhandlungen, die jetzt gerade laufen, fordern, dass diese Eintrittserhebung rückgängig gemacht wird, weil es eben eine unsoziale Politik ist.“
Marie Kleinert, kulturpolitische Sprecherin der Linken in der Bürgerschaft

Der Senat hält den Eintritt für unvermeidlich

Das grüne Licht für die Gebühr kam bereits im Sommer von Kultursenator Carsten Brosda (SPD). Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) nannte die Eintrittserhebung bei der Vorstellung des Haushaltsentwurfs 2027/2028 unvermeidlich. Rot-Grün steht hinter dem Schritt, den die Linke als unsoziale Politik angreift.

Die Elbphilharmonie rechnet mit rund 6,4 Millionen Euro Einnahmen pro Jahr und mit sinkenden Besucherzahlen. So setzen sich die Preise zusammen:

Eintritt für die Elbphilharmonie-Plaza: vorher und ab 5. Oktober 2026

Preis je Person in Euro

Quelle: Elbphilharmonie; NDR, Oktober 2026

Erwarteter Rückgang von 25 bis 30 Prozent

Der Zulauf war zuletzt groß: Zwischen dem 1. Juli und dem 27. September 2026 zählte das Haus 820.000 Gäste auf der Plaza. Nach Einschätzung der Elbphilharmonie werden es nach der Preiseinführung deutlich weniger; in der Übersicht von hamburg-magazin zum neuen Preismodell ist von 25 bis 30 Prozent Rückgang die Rede.

Ein Ansturm auf die letzten kostenlosen Tickets blieb aus: Die Nachfrage zog vor dem Ende des freien Zugangs nicht an.

Für Kleinert ist der Rückgang eingeplant. Sie sagt: „Um Löcher im Haushalt zu stopfen, nimmt der Senat in Kauf, dass Hunderttausende vom Besuch abgeschreckt werden." Der Vorwurf richtet sich gegen den Finanzsenator, der die Gebühr als unvermeidlich verteidigt.

Ein Versprechen aus dem Jahr 2016

Bei der Eröffnung der Plaza Ende 2016 formulierte Hamburgs damaliger Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) einen anderen Anspruch. Die Plaza sei „ein öffentlicher Ort, frei zugänglich für jedermann und jede Frau„, sagte Scholz. Jede Hamburgerin und jeder Hamburger könne hierherkommen und sagen: „Das ist unser Balkon, der größte der Stadt.“

Kritik an dem Plan gab es früh. Als der Eintritt am 24. Juni 2026 im Rahmen der Haushaltsberatungen des rot-grünen Senats bekannt wurde, nannte ihn der NDR-Kommentator Daniel Kaiser keine vertrauensbildende Maßnahme.

Von der freien Plaza zum Fünf-Euro-Zugang

  1. Ende 2016
    Eröffnung mit Scholz-Versprechen

    Die Plaza der Elbphilharmonie öffnet in 37 Metern Höhe. Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) verspricht einen Ort, der „frei zugänglich für jedermann und jede Frau" ist.

  2. 24. Juni 2026
    Der Eintritt wird bekannt

    Im Rahmen der Haushaltsberatungen des rot-grünen Senats wird der geplante Plaza-Eintritt bekannt; der NDR-Kommentator Daniel Kaiser nennt ihn keine vertrauensbildende Maßnahme.

  3. 10. August 2026
    Brosda gibt grünes Licht

    Kultursenator Carsten Brosda (SPD) genehmigt die Gebühr. Die Elbphilharmonie rechnet mit rund 6,4 Millionen Euro Einnahmen pro Jahr.

  4. 28. September 2026
    Die Linke mobilisiert

    Auf ihrer Website ruft die Linke zur Kundgebung „Plaza für alle" am 4. Oktober auf den Vorplatz auf.

  5. 4. Oktober 2026
    Letzter Gratis-Tag endet im Protest

    Linke und ver.di protestieren mittags unter dem Motto „Plaza bleibt kostenlos"; der NDR zählt rund 50 Teilnehmer, die dpa rund 20.

  6. 5. Oktober 2026
    Fünf Euro treten in Kraft

    Der Eintritt von 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, gilt ab dem ersten Werktag der Woche.

Die Linke setzt auf die Haushaltsverhandlungen

Mit dem Inkrafttreten am Montag ist die Gebühr praktisch nicht mehr zu stoppen, außer politisch. Kleinert will in den laufenden Haushaltsverhandlungen beantragen, die Eintrittserhebung zurückzunehmen. Der Haushaltsentwurf für 2027/2028 liegt bereits vor, vorgelegt von Finanzsenator Dressel.

Wie schnell politischer Streit nach hinten losgehen kann, musste die Linke zuletzt in München erleben: Eine Ohrfeige kostete die Linke-Fraktion den Wiesn-Tisch. In Hamburg bleibt Kleinert nur der Weg über Anträge im Haushalt.

Ob die SPD-Senatoren von der Eintrittsgebühr abrücken, entscheidet sich damit in den Verhandlungen über den Haushalt 2027/2028. Sicher ist bislang nur: Wer am Montag mit dem Aufzug auf die Plaza fährt, zahlt fünf Euro.

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