Ohrfeige gegen FDP-Stadtrat Hoffmann kostet Linke den Wiesn-Tisch
Eine Ohrfeige im Schottenhamel-Festzelt kostet die Münchner Linke-Fraktion ihren Tisch in der Ratsboxe: Oberbürgermeister Dominik Krause sperrt den Platz bis zum Ende des Oktoberfests am 4. Oktober. Zuvor war FDP-Stadtrat Jörg Hoffmann nach seiner Schilderung als „Völkermörder“ beschimpft und geschlagen worden.
Die Münchner Linke-Fraktion hat ihren Tisch in der Ratsboxe verloren. Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) entzieht ihr den Platz auf dem Balkon des Schottenhamel-Festzelts für den Rest des Oktoberfests. Gesperrt bleibt er bis Sonntag, 4. Oktober 2026, dem letzten Tag der Wiesn.
Auslöser ist ein Eklat am Freitag, 25. September 2026. In der Ratsboxe saßen Mitglieder der Linksjugend am Nachbartisch der FDP/Freie-Wähler-Fraktion. Sie schwangen Palästinenser-Tücher, stellten ein Wassermelonen-Plakat auf und sangen zu „Sweet Caroline“ die Parole „Free Palestine“. Als FDP-Fraktionschef Jörg Hoffmann einschritt, warf die Security die Gruppe aus dem Zelt.
Drei Frauen kehrten danach an Hoffmanns Tisch zurück. Sie beschimpften ihn nach seinen Angaben als „Völkermörder“ und „Genozid-Freund“. Eine von ihnen ohrfeigte ihn.
„Die Wiesn ist kein Ort für politische Agitation. Vollkommen inakzeptabel ist der körperliche Angriff auf unseren Stadtratskollegen Jörg Hoffmann, dem meine volle Solidarität gilt“, sagte Krause. Den Tisch strich er der Fraktion am Mittwoch, 30. September 2026, nach der Stadtratsvollversammlung – wie der Spiegel über den entzogenen Wiesn-Tisch berichtet. Die Entscheidung überbrachte Krause dem Linken-Fraktionschef persönlich.
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Palästinenser-Tücher und ein Melonen-Plakat
Der Tisch in der Ratsboxe gehört der Linken-Fraktion, für den Abend war er an die Linksjugend überlassen. Neben „Free Palestine“ stimmte die Gruppe später auch die Internationale an – die Rekonstruktion des Abends in der Süddeutschen Zeitung.
Hoffmann beschreibt, was folgte, als die Frauen an seinen Tisch zurückkamen. Für ihn ist der Angriff der Kern des Vorgangs:
„Sie bauten sich vor mir auf, nannten mich Völkermörder und Genozid-Freund. Dann hat sie mir eine Watschn gegeben.“
Jörg Hoffmann, FDP-Fraktionsvorsitzender im Münchner Stadtrat
Bestätigt wird die Szene von einer Parteikollegin Hoffmanns. Die FDP-Stadträtin Patricia Riekel sagte: „Zwei junge Frauen packten Herrn Hoffmann am Jackett, gingen ganz nah an ihn ran. Dabei kam es auch zur Ohrfeige. Ich habe ein lautes Klatschen gehört. Danach gingen sie und zeigten uns allen den Stinkefinger.“ Ihre Schilderung deckt sich mit Hoffmanns Darstellung.
Entschuldigung per WhatsApp und im Gespräch
Linken-Fraktionschef Stefan Jagel war an dem Abend nicht dabei. Er erfuhr noch am Freitag von dem Vorfall und entschuldigte sich per WhatsApp bei Hoffmann, tags darauf auch in einem persönlichen Gespräch.
„Was mir geschildert wurde, ist ein No-Go. Ich bin auch persönlich sehr angefasst. Ich habe mich sofort dafür bei Herrn Hoffmann entschuldigt.“
Stefan Jagel, Fraktionsvorsitzender Die Linke München
Konsequenzen kündigte Jagel ebenfalls an: Wer beteiligt gewesen sei, bekomme „keinen Tisch mehr über unsere Fraktion“. Die Frau, die die Ohrfeige gegeben haben soll, sei kein Linken-Mitglied, sondern „eine Freundin eines Mitglieds“.
CSU stellt Stadtratsanfrage, SPD geht auf Distanz
Die CSU-Fraktion im Stadtrat brachte am 1. Oktober eine offizielle Stadtratsanfrage ein. Ihr Vorsitzender Manuel Pretzl sagte: „Ich bin entsetzt über die Vorfälle in der Ratsboxe. Wir werden dazu umgehend eine offizielle Stadtratsanfrage stellen, um klarzumachen: Hass, Extremismus und Antisemitismus werden weder auf der Wiesn noch im Münchner Rathaus geduldet.“
SPD-Fraktionschefin Anne Hübner zog eine schärfere Konsequenz. Sie sagte: „Jetzt ohrfeigen Anhänger der Linken schon couragierte Stadträte, die gegen Antisemitismus einschreiten. Mit einer Linken, die zumindest in Teilen ins antidemokratische Spektrum abrutscht, ist politisch keine Zusammenarbeit möglich.“
Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle sagte, die Wiesn sei „ein Ort der friedlichen Begegnung und des Feierns“. Der Münchner Fall trifft eine Partei, die bundesweit über Israel-Feindschaft in den eigenen Reihen streitet – Berliner Linke-Mitglieder fordern den Ausschluss von Hannah Bruns.
Was bis zum Wiesn-Ende gilt
Hoffmann will das Thema im Ältestenrat des Stadtrats erneut ansprechen: „Der Vorgang ist ungeheuerlich. Ich werde das im Ältestenrat noch einmal ansprechen.“
Bis Sonntag, 4. Oktober 2026, bleibt der Tisch der Linken-Fraktion gesperrt, dann endet das Oktoberfest. Offen ist, wie der Stadtrat die CSU-Anfrage beantwortet – und ob die Fraktion im kommenden Jahr wieder einen Platz auf dem Balkon des Schottenhamel bekommt.