LKA Sachsen-Anhalt zählt 747 Straftaten im Wahlkampf
Das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt hat bis zum Wahltag 747 Straftaten mit Bezug zum Landtagswahlkampf erfasst, 2021 waren es 531. Vor allem Plakate von AfD, Linken und CDU wurden beschädigt oder gestohlen.
747 Straftaten mit Bezug zum Landtagswahlkampf hat das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt bis zum Wahltag am 6. September erfasst. 2021 waren es zum gleichen Stichtag 531. Die Zahl stammt aus der Bilanz des Landeskriminalamts zum Wahlkampf, die Innenministerium und LKA am 4. Oktober vorlegten.
Den größten Posten bilden Delikte an Wahlplakaten: 570 Beschädigungen und Diebstähle zählt das LKA in Sachsen-Anhalt, 2021 waren es 489. Vorrangig betroffen waren Plakate von AfD, Linken und CDU.
Straftaten im Wahlkampf: 2021 und 2026 im Vergleich
Stand jeweils am Wahltag, Sachsen-Anhalt
Quelle: Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt
Schon Ende August 620 Plakatdelikte
Der Anstieg zeichnete sich früh ab. Bereits Ende August zählte eine Zwischenbilanz mit 620 registrierten Plakatdelikten in Sachsen-Anhalt 42 Prozent mehr als im Sommer 2021. Kurz vor der Wahl meldete das Innenministerium mehr als 1.000 beschädigte oder gestohlene Wahlplakate.
Ein Beispiel für Gewalt im Wahlkampf liefert der Angriffsvorwurf gegen Arno Bausemer: Der AfD-Europaabgeordnete soll im August zwei Jugendliche verfolgt und einen von ihnen verletzt haben, nachdem diese ein AfD-Plakat beschädigt haben sollen. Ein Tag später fiel er bei einer Verkehrskontrolle mit 1,0 Promille auf.
Auch gegen Wahlkampfhelfer richteten sich Taten. Im Saalekreis wurden an einem Auto eines AfD-Helfers mehrere Radmuttern gelöst; den Fall übernahm der Staatsschutz.
Körperverletzungen und verbotene Kennzeichen
Der Rest wuchs deutlich stärker als die Plakatdelikte: 177 Straftaten abseits der Wahlwerbung erfasste das LKA, 2021 waren es 42. Sie verteilen sich auf 29 Sachbeschädigungen, 28 Beleidigungen, 23 Körperverletzungen, 21 Bedrohungen und 18 Fälle von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.
In 13 Fällen ging es um Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens. Hinzu kamen sechs Nötigungen sowie je vier Fälle von Verleumdung und Diebstahl.
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Mecklenburg-Vorpommern zählt ebenfalls mehr
Der Trend endet nicht an der Landesgrenze. In Mecklenburg-Vorpommern erfasste das LKA Schwerin bis zum 23. September mehr als 490 Straftaten mit Bezug zur Landtagswahl, 2021 waren es 277. In beiden Ländern waren nach den bisherigen Zahlen jeweils rund 1.700 Plakate betroffen.
Die beiden Wahlkämpfe lagen nur zwei Wochen auseinander: Sachsen-Anhalt wählte am 6. September, Mecklenburg-Vorpommern am 20. September.
Von den ersten Plakatbränden bis zur Bilanz
13. August 2026
Plakate in Schwerin angezündet
Vor dem ersten Plakatierungswochenende brennen in Lankow sieben Plakate, darunter von CDU und Grünen.
25. August 2026
620 Plakatdelikte in Sachsen-Anhalt
Eine Zwischenbilanz zählt 620 Diebstähle und Sachbeschädigungen an Wahlwerbung – 42 Prozent mehr als im Sommer 2021.
3. September 2026
Mehr als 1.000 Plakate betroffen
Kurz vor der Wahl meldet das Innenministerium mehr als 1.000 beschädigte oder gestohlene Plakate.
6. September 2026
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Die AfD wird stärkste Kraft, die CDU stürzt ab. Auf diesen Tag datiert die LKA-Statistik.
20. September 2026
Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
Zwei Wochen nach Sachsen-Anhalt wird auch in MV gewählt.
23. September 2026
Mehr als 490 Delikte in MV
Das LKA Schwerin zählt bis zu diesem Tag mehr als 490 Straftaten mit Wahlbezug (2021: 277).
4. Oktober 2026
Bilanz mit 747 Straftaten
Innenministerium und LKA legen die Bilanz für Sachsen-Anhalt vor: 747 Straftaten, davon 570 Plakatdelikte.
Die Zahlen können noch steigen
In Magdeburg wertet das Innenministerium den Anstieg als Hinweis auf eine veränderte Intensität des Wahlkampfes und der politischen Auseinandersetzung. Endgültig sind die 747 Fälle nicht: Laufende Ermittlungen und Nachmeldungen können die Zahl weiter nach oben treiben.
Festgeschrieben ist bislang nur der Stand des Wahltags. Der neue Landtag kommt am 6. Oktober zur konstituierenden Sitzung zusammen – gewählt wurde er am 6. September, als der AfD-Wahlsieg mit 43,8 Prozent feststand und die CDU abstürzte. Offen ist, ob das Innenministerium danach eine aktualisierte Zahl vorlegt – und ob der neue Landtag Konsequenzen daraus zieht.