Michael Freeman stellt Epsteins Suizid-Urteil nach Aktenprüfung infrage
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Autopsie-Akte

Michael Freeman stellt Epsteins Suizid-Urteil nach Aktenprüfung infrage

Michael Freeman hat die vollständigen Autopsie-Akten zum Tod von Jeffrey Epstein ausgewertet und zweifelt an der offiziellen Suizid-Feststellung. Am 16. November 2026 will er seine Ergebnisse am University College London vorstellen – die New Yorker Gerichtsmedizin hält an ihrem Urteil fest.

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Das offizielle Suizid-Urteil zum Tod von Jeffrey Epstein steht auf dem Prüfstand. Der Forensiker Michael Freeman hat die vollständigen Autopsie-Akten der New Yorker Gerichtsmedizin ausgewertet und will seine Ergebnisse am 16. November 2026 am University College London vorstellen. Laut der Ankündigung des UCL-Vortrags zur Todesursache läuft die Veranstaltung von 18.15 bis 19.30 Uhr.

Die Auffälligkeiten, die die Analyse nach Aktenlage nennt, wiegen schwer: Am Fundort gibt es keine Fotos des Leichnams. Die Ligatur, ein Bettlaken, wurde weder aufbewahrt noch untersucht. Und der Wachmann, der Epstein erhängt gesehen haben will, verweigerte zwei Jahre lang die Aussage gegenüber den Ermittlern.

Die Akte liegt Freeman seit 2025 vor: Epsteins Bruder Mark überließ sie ihm samt schriftlicher Erlaubnis zur Veröffentlichung. Im CBS-Bericht über die geplante Präsentation sagt er: „Wäre eine solche Untersuchung früher gemacht worden, wären sie nicht zu einem Suizid-Schluss gekommen.“ Zugleich betont Mark Epstein, der Bericht sei nicht in seinem Auftrag entstanden.

Freemans biomechanische Analyse

Freeman hat das Muster der Ligatur-Verletzungen biomechanisch nachgerechnet und Bilder von Verletzungen gesichtet, die der ursprüngliche Gerichtsmediziner nach seiner Darstellung nicht erklären konnte. Eine abschließende Bewertung gibt er vorab nicht ab. Sein Vortrag soll die Beweislage für beide Erklärungen abwägen.

„Der Tod kann nur ein Suizid oder ein Mord sein, und der Vortrag wird die Beweislage für beide Erklärungen abwägen.“
Michael Freeman, Professor für forensische Medizin

Freeman ist in den USA kein Unbekannter: Er war als Experte für Todesursachen für fünf Justizminister tätig, unter anderem im Fall George Floyd, und gehört einem vom Attorney General von Maryland eingesetzten Prüfgremium zu Todesfällen in Haft an.

New York hält am Urteil fest

Die New Yorker Gerichtsmedizin hatte den Tod am 10. August 2019 als Suizid durch Erhängen festgestellt, als Ligatur diente ein Bettlaken. Chief Medical Examiner Barbara Sampson hält bis heute an dieser Feststellung fest. Schon im Oktober 2019 erklärte der von der Familie beauftragte Pathologe Michael Baden, die Halswirbelbrüche passten eher zu einer Fremdstrangulation.

2023 rügte der Inspector General des US-Justizministeriums massives Fehlverhalten des Gefängnispersonals im Metropolitan Correctional Center, fand aber keine Belege gegen die Suizid-Feststellung. Die amtliche Todesursache ist deshalb weiterhin unverändert – eine Veröffentlichung ändert sie nicht automatisch.

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Warum der Fall 2026 neu aufflammt

Epstein war am 6. Juli 2019 wegen des Vorwurfs des Sexhandels mit Minderjährigen in Untersuchungshaft gekommen. Die Vorwürfe drehten sich um Epsteins System aus Kontrolle und sexuellem Missbrauch. Am 23. Juli 2019 soll er einen Suizidversuch mit einem Bettlaken unternommen haben, am 10. August 2019 wurde er tot in seiner Zelle gefunden.

2025 verabschiedete der Kongress den „Epstein Files Transparency Act“, im Januar 2026 veröffentlichte das US-Justizministerium Millionen von Dokumenten. Im Mai 2026 ordnete ein US-Bezirksgericht die Freigabe eines mutmaßlichen Abschiedsbriefs an, den Epsteins früherer Zellengenosse Nicholas Tartaglione gefunden haben will.

Der Fall Epstein: von der Zelle bis zum Vortrag

  1. 6. Juli 2019
    Epstein kommt in Untersuchungshaft

    Im Metropolitan Correctional Center in Manhattan wartet er auf seinen Prozess wegen Sexhandels mit Minderjährigen.

  2. 10. August 2019
    Epstein wird tot in seiner Zelle gefunden

    Die New Yorker Gerichtsmedizin stellt Suizid durch Erhängen fest, als Ligatur dient ein Bettlaken.

  3. Oktober 2019
    Der von der Familie beauftragte Pathologe widerspricht

    Michael Baden erklärt, die Halswirbelbrüche passten eher zu einer Fremdstrangulation. Chief Medical Examiner Barbara Sampson bleibt beim Suizid.

  4. 2023
    Der Inspector General rügt das Gefängnispersonal

    Der Bericht findet massives Fehlverhalten, aber keine Belege gegen die Suizid-Feststellung.

  5. 2025
    Epsteins Angehörige übergeben die Autopsie-Akte

    Der Kongress verabschiedet den Epstein Files Transparency Act. Epsteins Bruder Mark überlässt Michael Freeman die vollständige Akte samt Publikationserlaubnis.

  6. Mai 2026
    Gericht ordnet Freigabe eines mutmaßlichen Abschiedsbriefs an

    Epsteins früherer Zellengenosse Nicholas Tartaglione will den Brief gefunden haben.

  7. 16. November 2026
    Freeman präsentiert seine Analyse am UCL

    Der Vortrag „A scientific analysis of the cause & manner of Jeffrey Epstein's death“ läuft von 18.15 bis 19.30 Uhr.

Der 16. November und die Folgen

Nach dem Vortrag sollen Freemans Forschungsarbeit und die Unterlagen der New Yorker Gerichtsmedizin öffentlich zugänglich gemacht werden; ein Link soll am Tag des Vortrags erscheinen. Mark Epstein erklärte gegenüber CBS News, die Analyse bestätige seinen langjährigen Zweifel an der Suizid-These. Ob die New Yorker Behörden ihre Feststellung danach erneut prüfen, ist offen.