Landgericht Köln startet Prozess um geraubte 350 Kilo Marihuana
Der Überfall auf eine Lagerhalle in Hürth gilt als Auslöser des „Kölner Drogenkriegs“. An diesem Montag beginnt in Saal 210 des Landgerichts Köln der Prozess gegen sieben Männer – die Anklage wirft ihnen schweren Raub, Körperverletzung und bewaffneten Cannabishandel vor.
Der Überfall auf eine Lagerhalle in Hürth gilt als Auslöser des „Kölner Drogenkriegs“. An diesem Montag beginnt um 9.15 Uhr in Saal 210 des Landgerichts Köln der Prozess gegen sieben Männer im Alter von 36 bis 48 Jahren. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen besonders schweren Raub, gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und bewaffneten Cannabishandel vor. Ein Teil der Angeklagten sitzt seit Ende 2024 in Untersuchungshaft.
In der Halle in Hürth lagerten im Juni 2024 rund 700 Kilogramm Marihuana. Die Drogen gehörten nach Darstellung der Anklage einer Bande, die aus dem Kölner Stadtteil Kalk operierte.
Fünf bewaffnete Männer sollen laut Anklage mit Maschinenpistolen in die Halle eingedrungen sein, einen Bewacher geschlagen und getreten, ihn gefesselt und ihm den Pistolenlauf in den Mund gesteckt haben. Mit rund 350 Kilogramm Marihuana flohen sie demnach nach Köln-Godorf, wo die Beute zwischengelagert worden sein soll. Der Gegenwert der Drogen liegt bei rund 1,5 Millionen Euro.
Vom Überfall zur Gewaltspirale
Der Raub gilt als Auslöser einer Gewaltspirale, für die sich nun sieben Angeklagte vor dem Kölner Landgericht verantworten müssen. Zu dem Komplex zählen Geiselnahmen, Folterungen und Sprengstoffanschläge; ein Paar aus dem Ruhrgebiet wurde in eine Villa nach Rodenkirchen verschleppt und dort misshandelt.
Im Juni 2024 kam es im bergischen Engelskirchen-Loope zu einer Explosion. Im September 2024 folgte ein Sprengstoffanschlag auf ein Bekleidungsgeschäft in der Kölner Ehrenstraße, bei dem ein Schaden von rund 600.000 Euro entstand. Unter dem Namen „Kölner Drogenkrieg“ ist der Komplex seither bekannt.
Vom Drogenraub zur Gewaltspirale
Juni 2024
Rund 700 Kilogramm Marihuana lagern in Hürth
Eine aus Köln-Kalk operierende Bande lagert die Drogen in einer Lagerhalle bei Köln ein.
Juni 2024
Bewaffnete überfallen die Halle
Fünf Männer dringen laut Anklage mit Maschinenpistolen ein, überwältigen einen Bewacher und fliehen mit rund 350 Kilogramm nach Köln-Godorf.
Juni 2024
Explosion in Engelskirchen-Loope
Im Bergischen Land kommt es zu einer Explosion im Umfeld der Gewaltspirale.
September 2024
Sprengstoffanschlag in der Ehrenstraße
Ein Bekleidungsgeschäft in der Kölner Innenstadt wird beschädigt, der Schaden liegt bei rund 600.000 Euro.
2024/2025
Erste Urteile fallen
Drei niederländische Auftragstäter und Beteiligte der Entführung eines Paares aus dem Ruhrgebiet werden zu langen Haftstrafen verurteilt.
5. Oktober 2026
Prozess gegen sieben Männer beginnt
Um 9.15 Uhr startet das Verfahren in Saal 210 des Landgerichts Köln.
Januar 2027
Urteile erwartet
Nach 17 Verhandlungstagen will das Gericht im Januar 2027 entscheiden.
Mehr als 40 Angeklagte in 19 Prozessen
Die Justiz hat den Komplex längst in viele Verfahren zerlegt. Drei niederländische Auftragstäter sowie Beteiligte der Entführung des Paares aus dem Ruhrgebiet wurden 2024 und 2025 zu langen Haftstrafen verurteilt. Auch der Vater des mutmaßlichen Anführers Sermet A. stand bereits vor Gericht und erhielt zwei Jahre und acht Monate Haft.
Nach Angaben eines Gerichtssprechers sind in dem Komplex bislang mehr als 40 Angeklagte in 19 Prozessen abgeurteilt oder verhandelt worden; gegen den 24-jährigen mutmaßlichen Anführer Sermet A. läuft ein separates Verfahren. Wie hart die Behörden inzwischen vorgehen, zeigt eine Großrazzia gegen die Hells Angels: Mehr als 1.000 Einsatzkräfte durchsuchten 140 Objekte, 14 Haftbefehle wurden vollstreckt, 48,6 Millionen Euro eingefroren.
17 Verhandlungstage bis Januar 2027
Der Prozess ist zunächst auf 17 Verhandlungstage bis Anfang Januar 2027 angesetzt, die Urteile werden für Januar 2027 erwartet. Zu klären ist, welche Rolle die sieben Angeklagten bei dem Überfall und beim Abtransport der Drogen gespielt haben sollen — die Anklage bündelt dafür mehrere Vorwürfe von schwerem Raub bis zu bewaffnetem Cannabishandel.
Ob sich die Angeklagten zu den Vorwürfen äußern, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Offen bleibt bis Januar 2027 auch, ob mit diesem Verfahren der Kern des „Kölner Drogenkriegs“ aufgeklärt wird — gegen den mutmaßlichen Anführer Sermet A. läuft ein separates Verfahren, das noch aussteht.