Ein Milliardendeal mit russischem Öl steht mitten in den Ukraine-Verhandlungen – und der Kreml springt Trumps Schwiegersohn Jared Kushner zur Seite. Am 4. Oktober nannte Kirill Dmitriev, Putins Sondergesandter und Chef des Staatsfonds RDIF, Kushner öffentlich einen „Friedensstifter“, der von „Kriegstreibern“ angegriffen werde.
Auslöser ist der Bericht der New York Times zum Lukoil-Deal vom 3. Oktober. Danach umfassen die amerikanisch-russischen Gespräche über ein Ende des Ukraine-Kriegs auch den Verkauf der internationalen Lukoil-Assets. Das Käuferkonsortium ist eng mit dem Geschäftsumfeld von Kushner und dem US-Unterhändler Steve Witkoff verflochten.
Putin brachte den Öl-Deal selbst ins Spiel
Wladimir Putin hatte den Verkauf des Lukoil-Auslandsgeschäfts am 5. September 2026 selbst zur Sprache gebracht. Bei Witkoff und Kushners Treffen mit Putin in Moskau ging es ausdrücklich um das Ölgeschäft – ein Signal, dass Russland und die USA wieder Geschäfte machen können.
Kushner und Witkoff verhandelten nach Angaben eines hochrangigen Regierungsbeamten die Finanzbedingungen des US-Anteils direkt mit. Ziel sind eine substanzielle Vorauszahlung und eine Gewinnbeteiligung für die USA. Belege für persönlichen Profit der beiden fand die New York Times nach eigenen Angaben nicht.
Witkoffs Sprecherin wies einen Interessenkonflikt zurück. Witkoff beziehe kein Regierungsgehalt, reise auf eigene Kosten und halte keine finanzielle Beteiligung am Lukoil-Geschäft.
„„Jared ist ein Friedensstifter. Friedensstifter werden für ihre Friedensbemühungen angegriffen, weil Kriegstreiber diese Angriffe großzügig finanzieren. Aber die Friedensstifter werden sich durchsetzen, und die Kriegstreiber werden verlieren“, schrieb Kirill Dmitriev.“
Wer im Konsortium mitverdient
Zum Konsortium gehören der Trump-Großspender und Milliardär Todd Boehly, der rund zwei Millionen Dollar gespendet hat, die katarischen Brüder Moutaz und Ramez Al-Khayyat sowie ein Fonds von Scheich Tahnoon bin Zayed Al Nahyan aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Den Al-Khayyats gehört gemeinsam mit Kushner und Ivanka Trump ein Resort in Albanien; Tahnouns Lunate-Fonds zählt zu Kushners größten Geldgebern.
Auch die US-Regierung wäre über die staatliche International Development Finance Corporation beteiligt. Die frühere Ethikberaterin des US-Justizministeriums, Hui Chen, nannte die Verflechtungen alarmierend: Es stelle sich die Frage, ob die damit verbundenen persönlichen Interessen das Ergebnis in unzulässiger Weise beeinflussen.
Von Sanktionen zum Milliardendeal
Der Verkauf ist seit Monaten ein Politikum. Im Oktober 2025 verhängten die USA erstmals in Trumps zweiter Amtszeit Sanktionen gegen russische Ölkonzerne, Lukoil musste sein Auslandsgeschäft abstoßen. Im November 2025 blockierte das Finanzministerium ein Angebot des Schweizer Rohstoffhändlers Gunvor; im Januar 2026 einigte sich Lukoil mit der US-Beteiligungsfirma Carlyle auf den Verkauf eines Großteils der Auslandsassets – die US-Genehmigung blieb aus.
Wie aus Sanktionen ein Milliardendeal wurde
- Oktober 2025USA sanktionieren Lukoil
Erstmals in Trumps zweiter Amtszeit verhängen die USA Sanktionen gegen russische Ölkonzerne, darunter Lukoil. Der Konzern muss sein Auslandsgeschäft verkaufen.
- November 2025Gunvor-Angebot blockiert
Das US-Finanzministerium nennt den Schweizer Rohstoffhändler eine „Marionette des Kreml“. Gunvor zieht sein Angebot zurück und weist die Darstellung als falsch zurück.
- Januar 2026Einigung mit Carlyle – ohne Genehmigung
Lukoil einigt sich mit der US-Beteiligungsfirma Carlyle auf den Verkauf eines Großteils der Auslandsassets. Die US-Genehmigung bleibt aus.
- 5. September 2026Putin bringt den Deal im Kreml zur Sprache
Wladimir Putin empfängt Steve Witkoff und Jared Kushner und spricht den Verkauf persönlich an – als Signal, dass beide Länder wieder Geschäfte machen können.
- 19. September 2026Verkaufsfrist läuft ab
Die Frist für den Verkauf verstreicht. Kirill Dmitriev reist zu vertraulichen Treffen nach New York und Washington.
- 3. Oktober 2026New York Times meldet Öl-Deal in Ukraine-Gesprächen
Der Bericht nennt ein Konsortium aus Todd Boehly, Golf-Investoren und der staatlichen DFC – und die Kritik an Interessenkonflikten.
- 4. Oktober 2026Kreml-Gesandter verteidigt Kushner
Kirill Dmitriev nennt Kushner öffentlich einen „Friedensstifter“, der von „Kriegstreibern“ angegriffen werde.
Die Frist endet am 29. Oktober
Am 29. Oktober 2026 läuft die Frist für die temporären US-Sanktionsausnahmen aus, mit denen Lukoil-Tankstellen in den USA weiter betrieben werden dürfen. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob der Deal zustande kommt – die Verhandlungen über Kushners Milliardengeschäft mit dem Kreml laufen parallel zu den Friedensgesprächen.
Kushner selbst wies am 2. Oktober einen Bericht über Interessenkonflikte bei seinen Israel-Geschäften als irreführend zurück. Irreführende Berichte würden ihn nicht von der Aufgabe ablenken, Kriege zu beenden, Menschen zusammenzubringen und Frieden zu schaffen. In Washington ist bis zum 29. Oktober zu klären, ob die staatliche DFC in einem Konsortium mit Trump-Großspendern und Golf-Fonds mitbieten darf.
