USA beobachten Pestverdacht in Sibirien und bieten Russland Hilfe an
US-Außenminister Marco Rubio hält den Pestverdacht in Sibirien nicht für einen Grund zur Panik, Präsident Trump bietet Moskau Hilfe an. Russland bestreitet einen Laborunfall, die Angaben aus Moskau bleiben widersprüchlich.
Ein Todesfall in Sibirien beschäftigt die US-Regierung. Am Montag sagte Außenminister Marco Rubio, die USA beobachteten den Verdacht auf Lungenpest in der Region Irkutsk sehr genau. Anlass zur Panik sieht er nicht, Grund zur Wachsamkeit schon – so der BBC-Bericht zu Rubios Einschätzung des Pestverdachts.
„Wir beobachten und verfolgen das genau. Ich halte das nicht für einen Grund zur Beunruhigung, aber es ist ein Grund, wachsam zu sein und ein Auge darauf zu haben.“
Marco Rubio, US-Außenminister
Gestorben ist die 28-jährige Laborantin Darja Shipilowa. Sie arbeitete am Irkutsker Anti-Pest-Institut für Sibirien und den Fernen Osten, erkrankte dort und starb in der Nacht zum 2. Oktober im Kreiskrankenhaus der Stadt Schelechow bei Irkutsk. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte, der Todesfall sei nicht offiziell bestätigt, das Risiko für die Allgemeinheit erscheine gering.
Nach dem Todesfall wurden in Irkutsk mehrere Krankenhäuser, eine Kinderklinik und eine Geburtsklinik unter Quarantäne gestellt. Rund 200 Kontaktpersonen wurden isoliert oder medizinisch beobachtet; mehr als 60 Mitarbeiter des Instituts waren zeitweise in dem Gebäude eingeschlossen.
Washington sagt Hilfe zu und verlangt Klarheit
US-Präsident Donald Trump sagte am 5. Oktober im Weißen Haus, die USA würden Russland helfen. Gespräche mit dem Kreml habe es dazu aber nicht gegeben, räumte er ein. Worin die Unterstützung bestehen soll – Experten, Material oder Geld –, ließ er offen. Zugleich warnte er vor stärker gewordenen Erregern, gegen die ältere Mittel schlechter wirkten.
„Wir werden helfen. Jeder, der so ein Problem hat, dem helfen wir immer.“
Donald Trump, US-Präsident
Das US-Außenministerium verlangte von Moskau, genaue Informationen schnell und transparent zu teilen. In Washington läuft seither die Suche nach Details zu Todesfall und Quarantänen. Die russischen Angaben passen bislang nicht zusammen.
Moskau dementiert einen Laborunfall
Rospotrebnadsor-Chefin Anna Popowa reiste am 2. Oktober zu einer Notfallsitzung nach Irkutsk; der Gouverneur der Region, Igor Kobsew, sprach von einem Verdacht auf eine „besonders gefährliche Infektion“. Der Gouverneur Burjatiens, Alexej Zydenow, meldete am 3. Oktober zunächst einen Pesttod und schwächte die Aussage später ab.
Am 4. Oktober erklärte Rospotrebnadsor, Shipilowa sei an einer „Lungenentzündung unbekannter Herkunft“ gestorben; in ihren Proben seien keine berufsbezogenen Mikroorganismen gefunden worden. Einen Laborunfall dementierte die Behörde. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow verwies auf die offiziellen Angaben und warnte vor „Gerüchten und Spekulationen“.
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Wie gefährlich ist die Lungenpest?
Unbekannt bleibt der Auslöser. Laut unbestätigten Berichten soll am 25. September im Anti-Pest-Institut ein Reagenzglas mit dem Erreger der Lungenpest zerbrochen sein; Shipilowa wurde am 29. September mit einer schweren Lungenentzündung in Schelechow eingeliefert und zeitweise künstlich beatmet. Eine offizielle Bestätigung fehlt – die unbestätigten Pest-Angaben in Sibirien bleiben offen.
Der Mikrobiologe Simon Clarke von der University of Reading hält die Sorge für begründet: Lungenpest könne von Mensch zu Mensch übertragen werden. Corona-Vergleiche wies er zurück – Lockdowns seien hier „einfach nicht das, was passieren wird“. Die WHO will ihre Risikobewertung bei neuen Informationen aktualisieren; ob Laborbefunde das Dementi aus Moskau stützen, ist offen.