BDI erwartet mit einer AfD in Sachsen-Anhalt keinen Aufschwung
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Industrieverband

BDI erwartet mit einer AfD in Sachsen-Anhalt keinen Aufschwung

Der BDI warnt vor einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt: Ohne Vertrauen in gute Rahmenbedingungen sei kein Aufschwung zu erwarten, Investitionen und Fachkräfte seien in Gefahr. Die Warnung kommt am Tag der konstituierenden Sitzung des Landtags, an dem die AfD mit BSW-Stimmen das Landtagspräsidium erobern will.

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Die deutsche Industrie warnt vor einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt: Nach Einschätzung des Branchenverbandes BDI wäre mit der AfD an der Macht kein Aufschwung zu erwarten – und Investitionen auf den großen Industrieflächen des Landes stünden infrage. Anlass ist die konstituierende Sitzung des Landtags an diesem Dienstag, dem 6. Oktober 2026, in Magdeburg.

Die Warnung kommt von Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und frühere baden-württembergische CDU-Landesministerin. Der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte sie: „Ein Aufschwung wäre mit einer AfD-Regierung nicht zu erwarten, weil das Vertrauen in gute Rahmenbedingungen leidet.“

Gönner bestreitet der AfD die Wirtschaftskompetenz

Für die BDI-Hauptgeschäftsführerin zählt nicht die einzelne Maßnahme, sondern der Standort als Ganzes. Gönner spricht der AfD die wirtschaftspolitische Kompetenz grundsätzlich ab.

„Gönner sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Die AfD ist keine Wirtschaftspartei.““
Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des BDI

Den Erfolg der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt begründet Gönner mit Offenheit, der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, Welthandel, Exportchancen und gut ausgebildeten Mitarbeitern – „auch aus dem Ausland“. Ihr Fazit: „Dieses wirtschaftliche Erfolgsrezept spiegelt sich in den Positionen der AfD nicht wider.“

Über die Agenturen dpa und AFP verbreitete sich die Warnung schnell. Unter anderem der Bericht zur Industrie-Warnung vor der AfD machte Gönners Satz „Die AfD ist keine Wirtschaftspartei“ zur Schlagzeile.

Investoren und Fachkräfte als Standortfrage

Gönner richtet ihre Warnung auf das in Sachsen-Anhalt zentrale Thema Ansiedlung und Fachkräftesicherung. Sie verknüpft ihre Einschätzung mit konkreten Standortrisiken und fragt, wer auf den großen Industrieflächen des Landes künftig investiert.

„Gönner fragte: „Wer investiert künftig auf den großen Industrieflächen in Sachsen-Anhalt? Jeder Investor braucht Fachkräfte, oft auch aus dem Ausland. Wenn diese Menschen sich nicht willkommen fühlen, wird das schnell zu einem Argument gegen den Standort.““
Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des BDI

Für den Fall einer AfD-Regierung formuliert sie keine Erwartung an Fortschritt: „Sollte es in Sachsen-Anhalt zu einer AfD-Regierung kommen, dann wünsche ich mir für die Menschen und den Standort, dass das Bestehende zumindest erhalten bleibt.“

Ein Bundesland muss sich an Bundesrecht halten

Gönner betont, dass die meisten Gesetze auf Bundes- und europäischer Ebene gemacht würden. Sie sagte dazu: „Daran hat sich ein Bundesland zu halten, die Unternehmen haben darauf einen Anspruch.“

Ihr Verband werde sich „dafür einsetzen, dass der Rechtsstaat geschützt wird und zur Anwendung kommt“. In der Berichterstattung wurde die Formulierung als Absage an eine Aushöhlung rechtlicher Rahmenbedingungen durch eine AfD-Landesregierung gelesen.

Die BDI-Warnung reiht sich in eine Serie wirtschaftlicher Mahnungen vor einer AfD-Regierung im Land ein. Warnungen kamen zuvor von der Ökonomin Monika Schnitzer, der Chefin der Wirtschaftsweisen, sowie vom DIW und vom IWH, die erhebliche Einkommensverluste errechneten – die Ökonomen-Warnung vor 1.600 Euro Verlust je Kopf.

Die AfD greift nach dem Landtagspräsidium

Die AfD war aus der Landtagswahl vom 6. September 2026 mit 43,8 Prozent als stärkste Fraktion hervorgegangen. Die absolute Mehrheit verfehlte sie knapp – nach Angaben mehrerer Medien fehlen ihr drei Stimmen.

Trotzdem greift die AfD nach dem höchsten Amt im Landtag: Sie nominiert Tobias Rausch als Landtagspräsidenten und kann auf die zugesagten Stimmen des BSW bauen. Wie die Berichterstattung über die erste Sitzung des Landtags zeigt, könnte damit erstmals ein AfD-Politiker an der Spitze eines deutschen Landesparlaments stehen.

Vom Wahlsieg zur konstituierenden Sitzung

  1. 6. September 2026
    Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

    Die AfD wird mit 43,8 Prozent stärkste Kraft, verfehlt die absolute Mehrheit aber knapp – drei Stimmen fehlen.

  2. 5. Oktober 2026
    BDI-Warnung verbreitet sich

    dpa und AFP verbreiten Gönners Aussagen aus der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ an zahlreiche Medien.

  3. 6. Oktober 2026
    Konstituierende Sitzung in Magdeburg

    Der neue Landtag tritt zusammen; die AfD nominiert Tobias Rausch für das Amt des Landtagspräsidenten.

  4. Dezember 2026
    Geplante Wahl des Ministerpräsidenten

    AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will sich zum ersten AfD-Ministerpräsidenten wählen lassen.

AfD will im Dezember den Ministerpräsidenten stellen

Die AfD hat ihren Anspruch formuliert: Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will sich im Dezember 2026 zum ersten AfD-Ministerpräsidenten wählen lassen. Ob eine AfD-Regierung zustande kommt, ist offen – alle anderen Fraktionen erklären, weder mit der AfD koalieren noch Siegmund wählen zu wollen; zugleich wird über einen überparteilichen Regierungschef diskutiert.

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Bleiben die Investoren, die Fachkräfte, die großen Industrieflächen im Land? Ob Tobias Rausch am Dienstag mit BSW-Stimmen zum Landtagspräsidenten gewählt wird und ob Sachsen-Anhalt im Dezember einen AfD-Ministerpräsidenten bekommt, entscheidet mit über diese Frage. Eine Reaktion der AfD auf Gönners Warnung ist bislang nicht bekannt.