Baumann feiert ersten AfD-Landtagspräsidenten – Lanz kontert
Bei Markus Lanz hat AfD-Mann Bernd Baumann die Wahl des ersten AfD-Landtagspräsidenten als Epochenbruch gefeiert – Moderator Lanz warf ihm Triumphalismus vor. Hinter der Mehrheit in Magdeburg steht der Verdacht, dass CDU-Abgeordnete mitgestimmt haben.
Bernd Baumann hat die Wahl des ersten AfD-Landtagspräsidenten in Magdeburg als „Epochenbruch“ gefeiert. Bei „Markus Lanz“ im ZDF wurde daraus am Dienstagabend ein hitziger Schlagabtausch über die Wahl und die Brandmauer der CDU.
In Magdeburg war der AfD-Abgeordnete Tobias Rausch am selben Tag mit 48 von 82 Stimmen gewählt worden; die Wahl des ersten AfD-Landtagspräsidenten machte ihn zum ersten AfD-Politiker an der Spitze eines deutschen Landesparlaments. Zum Vizepräsidenten wurde mit 44 Ja- gegen 38 Nein-Stimmen Hans-Thomas Tillschneider gewählt, ebenfalls AfD.
Rechnerisch reichte die eigene Mehrheit dafür nicht. AfD (39 Mandate) und BSW (5 Mandate) kommen zusammen auf 44 Abgeordnete – Rausch erhielt vier Stimmen mehr. Auch Tillschneider bekam fünf Stimmen mehr, als die AfD-Fraktion Mandate hat, obwohl das BSW eine Unterstützung ausdrücklich ausgeschlossen hatte.
Stimmen für AfD-Kandidaten und Fraktionsstärken
Landtag von Sachsen-Anhalt, konstituierende Sitzung am 6. Oktober 2026
Quelle: Angaben der Landtagsfraktionen
Der Verdacht fällt auf die CDU
Die CDU-Fraktion unter Sven Schulze hatte Enthaltung angekündigt. Dass ein AfD-Kandidat dennoch auf 48 Stimmen kam, nährt den Verdacht, dass Abgeordnete der CDU mitgestimmt haben – zumal Schulze zwei Tage vor der Sitzung noch einen Ausschluss von CDU-Stimmen für den AfD-Kandidaten erklärt hatte.
Der Thüringer Innenminister Georg Maier sagte in der Sendung, da sei „gedealt“ worden. Für ihn ist es die Leimrute, die die AfD der CDU auslegt. Maier sagte außerdem: „Es ist etwas passiert, was unser Land verändert, und das wird noch Folgen haben.“
„Wenn sich Konservative mit Völkischen zusammentun, werden die Konservativen untergehen.“
Georg Maier, Thüringer Innenminister (SPD)
Lanz wirft Baumann Triumphalismus vor
Baumann nannte die Wahl einen „Durchbruch“ und einen „Epochenbruch“: Die „linksgrüne Epoche ist vorbei“, und die „Merz-CDU“ sei „mit dem Scheitern von Sven Schulze zu Grabe getragen“ worden. Eine „Dummheit“ der CDU sei „jetzt geplatzt auf öffentlicher Bühne“, sagte er. Markus Lanz reagierte ungewöhnlich scharf.
„Sie reden nicht, wie man über einen politischen Konkurrenten redet, den man respektiert und schätzt. Sondern Sie reden über jemanden, den Sie gerade vernichtet haben!“
Markus Lanz, ZDF-Moderator
Baumann konterte: „Wir brauchen den Wechsel! Das ist kein Triumphalismus, das ist Sehnsucht!“ Der CDU sagte er eine Annäherung voraus: „Die CDU fängt jetzt langsam an, zu merken, dass der Wind sich dreht. Und die merken, dass wir der Wind sind.“ Der stern sah in der Sendung am Tag danach eine Abrechnung mit Baumanns Auftritt.
Streit über den Euro
Beim Streit über den Euro widersprach Lanz Baumann scharf: „Was für ein Quatsch!“ Baumann hielt dagegen, die AfD wolle den Euro „im Kern reformieren“; niemand in der Partei wolle „von heute auf morgen“ aus der Währung heraus. Der Binnenmarkt sei „das Heiligste, was Europa hat“.
Wie die 48 Stimmen für Rausch zustande kamen, ist bislang ungeklärt. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will die erste AfD-geführte Landesregierung Deutschlands bilden – im Landtag hat seine Partei dafür keine eigene Mehrheit.