Leonor wäre Spaniens erste Königin ohne verwandte Ahnen seit 700 Jahren
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Genetik

Leonor wäre Spaniens erste Königin ohne verwandte Ahnen seit 700 Jahren

Prinzessin Leonor (20) wäre die erste Königin Spaniens ohne blutsverwandte Vorfahren seit rund 700 Jahren – Folge der Hochzeit ihrer Eltern 2004. Die Genetikerin Teresa Perucho widerspricht zugleich dem verbreiteten Bild, verwandte Eltern hätten Spaniens Monarchen krank gemacht.

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Prinzessin Leonor (20) wäre die erste Königin Spaniens ohne Blutsverwandtschaft unter ihren Vorfahren seit Enrique II. von Kastilien (1332 – 1379) – also seit rund 700 Jahren. Grundlage ist eine Studie zur Thronfolgerin ohne Blutsverwandtschaft, eine Doktorarbeit in Genetik, die an der Universidad Complutense de Madrid mit der Note „sobresaliente cum laude“ bewertet wurde.

Der Grund dafür liegt nicht bei Leonor selbst, sondern bei ihren Eltern: König Felipe VI. (58) heiratete 2004 die bürgerliche Letizia Ortiz. Damit endete in ihrem Fall eine jahrhundertealte Tradition verwandtschaftlicher Königsvermählungen der Häuser Habsburg und Bourbon.

Die Genetikerin Dr. Teresa Perucho von der Clínica Universidad de Navarra wertete für die Arbeit die iberischen Monarchen von Pelayo (711) bis Felipe VI. aus, insgesamt 143 Herrscher. Verteidigt wurde die Thesis am 10. März 2025 in Madrid.

Zwei Ausnahmen in sieben Jahrhunderten

Für die Untersuchung durchleuchtete Perucho 203 Ehen, 137 davon zwischen Verwandten, sowie 1019 Verwandtschaftsverhältnisse. Leonors Eltern stammen nach dieser Rechnung aus zwei Linien, die sich in den erfassten Generationen nicht überschneiden.

Von Pelayo bis zur Doktorarbeit

  1. 711
    Pelayo: Startpunkt der Untersuchung

    Mit dem Westgotenkönig Pelayo beginnt Peruchos Auswertung der iberischen Monarchen.

  2. 1332 – 1379
    Enrique II. von Kastilien

    Der uneheliche Sohn von Alfonso XI. und Leonor de Guzmán gilt in der Arbeit als letzter spanischer Herrscher ohne Blutsverwandtschaft in den untersuchten Generationen.

  3. 2004
    Felipe VI. heiratet Letizia

    Der König vermählt sich mit der bürgerlichen Letizia Ortiz – nach der Arbeit die erste spanische Königshochzeit der Habsburger und Bourbonen ohne Verwandtschaftsgrad seit 1906.

  4. Dezember 2024
    Genetik wird medizinisches Fach

    Der Consejo Interterritorial del Sistema Nacional de Salud beschließt die Einführung der Genetik in zwei Fachrichtungen; Spanien war bis dahin das einzige europäische Land ohne diese Disziplin.

  5. 10. März 2025
    Die Doktorarbeit wird verteidigt

    Teresa Perucho erhält an der Universidad Complutense de Madrid die Note sobresaliente cum laude.

  6. 17. März 2025
    Die Klinik veröffentlicht die Ergebnisse

    Die Clínica Universidad de Navarra macht den Befund zur Thronfolgerin öffentlich.

Der zweite Fall liegt gut hundert Jahre zurück: 1906 heiratete Alfonso XIII. Victoria von Battenberg. Perucho hebt daran einen Widerspruch hervor: „Das einzige Königshochzeit aller Habsburger und Bourbonen ohne Blutsverwandtschaft vor Felipe VI. und Letizia war das von Alfonso XIII. und Victoria von Battenberg – und genau sie brachten die Hämophilie in die spanische Monarchie.“

Die Hämophilie ist eine X-chromosomal bedingte Gerinnungsstörung, die mit diesem Paar in die spanische Monarchie kam. Für Peruchos Argument zählt der Fall, weil eine Ehe ohne gemeinsame Vorfahren die Herrscher nicht automatisch vor Erbkrankheiten bewahrt.

Der Mythos von den kranken Königen

Wie die Ergebnisse der Doktorarbeit zu den iberischen Monarchien zeigen, lässt sich außer bei Carlos II. (1661 – 1700) kein direkter Zusammenhang zwischen der Blutsverwandtschaft königlicher Ehen und den Krankheiten der Monarchen belegen.

Perucho adressiert damit ausdrücklich ein Klischee, das in der öffentlichen Wahrnehmung fest verankert ist: die Vorstellung, verwandte Eltern hätten Spaniens Könige und Königinnen krank gemacht.

„Wenn wir betrachten, was wir über Langlebigkeit, Fruchtbarkeit und die Krankengeschichte der Träger der Krone wissen, können wir – gegen das in der öffentlichen Meinung verankerte Klischee – sagen, dass die Blutsverwandtschaft nicht die Ursache aller Übel der Monarchen ist.“
Teresa Perucho Alcalde, Genetikerin an der Clínica Universidad de Navarra

Carlos II. (1661 – 1700) bleibt die einzige Ausnahme. Bei allen übrigen Monarchen hingen Gicht, Nierensteine, Syphilis, Tuberkulose und Depression nach der Auswertung stärker mit dem höfischen Lebensstil zusammen als mit gemeinsamen Vorfahren.

Kein Gentest, eine Formel mit Grenzen

Leonor selbst wurde nie einem Gentest unterzogen. Die Einordnung stützt sich ausschließlich auf die genealogische Berechnung des Inzuchtkoeffizienten F nach der Formel von Wright, die gemeinsame Vorfahren nur bis zur siebten Generation erfasst – und den Wert deshalb unterschätzen kann.

Spanien war bis Ende 2024 das einzige europäische Land, in dem Genetik keine offizielle medizinische Fachdisziplin war. Im Dezember 2024 beschloss die Personal-Kommission des Consejo Interterritorial del Sistema Nacional de Salud die Einführung in zwei Zweigen: Genética Médica und Genética de Laboratorio.

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Für Leonor persönlich ändert der Befund nichts an ihrer Stellung: Sie gilt als Heredera al Trono, und im September 2026 begann für sie ein neuer Abschnitt – das Politikstudium an der Universität Carlos III.

Offen bleibt, ob die Thronfolgerin sich je genetisch untersuchen lässt. Ebenso offen ist, ob die Einführung der Genetik als offizielles medizinisches Fach die Debatte um Spaniens Königshaus versachlicht.