Kahla Porzellan stellt die Produktion ein – 96 Arbeitsplätze fallen weg
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Insolvenz

Kahla Porzellan stellt die Produktion ein – 96 Arbeitsplätze fallen weg

Kein Investor, kein Neustart: Die Thüringer Porzellanmanufaktur Kahla stellt zum Jahresende 2026 die Produktion ein. 96 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz, nach 182 Jahren endet die industrielle Porzellanfertigung am Standort südlich von Jena.

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Die Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen stellt ihre Produktion ein. Zum Jahresende 2026 läuft der Geschäftsbetrieb geordnet aus, wie der Tagesschau-Bericht über das Ende der Kahla-Produktion zeigt. Die Fertigung wird in mehreren Etappen heruntergefahren, bestehende Aufträge werden noch abgearbeitet. Betroffen sind 96 Beschäftigte.

Insolvenzverwalter Rolf Rombach hatte das Aus am Mittwoch mitgeteilt. „Als Team haben wir bis zuletzt um den Erhalt von Kahla Porzellan gekämpft“, sagte er. „Leider besteht jedoch keine Möglichkeit, den Geschäftsbetrieb dauerhaft fortzuführen. Dieses Ergebnis ist hart.“

Beschäftigte bei Kahla Porzellan

Von der Insolvenz 2020 bis zur Bekanntgabe des Produktionsendes

Quelle: Angaben des Insolvenzverwalters

Zwei türkische Interessenten sprangen ab

Monatelang suchte Rombach nach Käufern für die Manufaktur. Zuletzt verhandelte er mit türkischen Porzellanherstellern.

„Leider haben die Gespräche mit zwei türkischen Investoren nicht zum erhofften Erfolg geführt. Ein Unternehmen hat bereits vor zwei Wochen abgesagt. Ein weiterer großer Porzellan-Hersteller in der Türkei war von Kahla sehr angetan. Am Ende zeigte sich trotz vieler Fürsprecher das Unternehmensgremium skeptisch.“
Rolf Rombach, Insolvenzverwalter

Nach Angaben des Insolvenzverwalters hatte es im April 2026 noch großes Interesse potenzieller Investoren gegeben, im Juli zeigte ein ausländischer Interessent konkretes Interesse. „Alle Beteiligten waren sich der Bedeutung dieses Unternehmens bewusst“, sagte Rombach. „Umso bitterer ist es, dass trotz intensiver Bemühungen keine tragfähige Lösung erreicht werden konnte.“

Vom VEB Feinkeramik zur Designmarke

Die Marke Kahla wurde 1844 gegründet und stand für designorientierte Tischkultur. Mehr als 100 internationale Designpreise gingen an das Unternehmen, die Produktlinie „Blau Saks“ ist in vielen deutschen Haushalten verbreitet. In der DDR war Kahla Sitz des VEB Feinkeramik mit 17 Betrieben und rund 18.000 Beschäftigten.

Auf die Privatisierung durch die Treuhand folgte 1993 der Konkurs, 1994 die Neugründung unter dem früheren Rosenthal-Vorstand Günther Raithel. 2002 beanstandete die EU-Kommission Landeshilfen von 15,7 Millionen Euro, 2008 stellte der Europäische Gerichtshof fest, dass Deutschland gegen EU-Recht verstoßen hatte. Kahla musste rund vier Millionen Euro Beihilfen zurückzahlen.

Der aktuelle Insolvenzantrag datiert vom 27. Februar 2026. Am 19. März bestellte das Amtsgericht Gera Rombach zum vorläufigen Insolvenzverwalter, wie aus der Mitteilung der Kanzlei zum Insolvenzantrag hervorgeht.

Die Geschichte der Porzellanmanufaktur Kahla

  1. 1844
    Gründung in Thüringen

    Südlich von Jena beginnt die industrielle Porzellanproduktion der Marke Kahla.

  2. 1993
    Konkurs nach der Treuhand-Privatisierung

    Nach der Wende bricht das Geschäft ein, das Unternehmen meldet Konkurs an.

  3. 1994
    Neustart als Designmarke

    Der frühere Rosenthal-Vorstand Günther Raithel gründet die Kahla/Thüringen Porzellan GmbH.

  4. 2008
    EuGH rügt Landeshilfen

    Deutschland hat gegen EU-Recht verstoßen; Kahla muss rund vier Millionen Euro Beihilfen zurückzahlen.

  5. März 2020
    Erneute Insolvenz

    Nach einem geplatzten Großauftrag und der Corona-Pandemie ist der Betrieb bei rund 250 Beschäftigten zahlungsunfähig.

  6. 27. Februar 2026
    Neuer Insolvenzantrag

    Am 19. März bestellt das Amtsgericht Gera Rolf Rombach zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

  7. 7. Oktober 2026
    Kein Investor gefunden

    Rombach kündigt das geordnete Auslaufen zum Jahresende an; 96 Beschäftigte sind betroffen.

Gespräche mit dem Freistaat ohne Ergebnis

Im Mai 2026 sprachen Insolvenzverwalter und Wirtschaftsministerium über eine mögliche Beteiligung des Freistaats Thüringen, die Beschäftigtenzahl lag damals bei rund 120. Zu einer Staatsbeteiligung kam es nicht. Im Juli 2026 kündigte das Unternehmen erste Kündigungen an, parallel wurde das geordnete Auslaufen vorbereitet.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Katrin Göring-Eckardt nennt das Aus eine Zäsur für die Region. „Das sind wirklich traurige Nachrichten“, sagte sie. Hier verschwinde „nicht nur ein Unternehmen, sondern ein Stück Heimat, Generationen von Handwerk und Tradition. Kahla Porzellan wird eine Lücke hinterlassen in der Region und Thüringen.“

Der AfD-Bundestagsabgeordnete René Springer verweist auf die Dimension des Verlusts: „Über 170 Jahre Porzellan aus Kahla. Ende 2026 ist Schluss.“ Nach seiner Darstellung nennt der Insolvenzverwalter die hohen Energiekosten als wichtigsten Grund für das Aus. Der Druck auf Industriestandorte wächst: Beim Autobauer VW hat der Vorstand das Aus für vier VW-Werke beschlossen.

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Was nach dem Auslaufen bleibt

Bis zum Jahresende werden die vorhandenen Aufträge noch gefertigt, dann endet die Produktion in Kahla/Thüringen. Für die 96 verbliebenen Beschäftigten bedeutet das den Verlust des Arbeitsplatzes. Die Marke hatte zuletzt mehr als 100 internationale Designpreise gewonnen; ob sie über das Produktionsende hinaus bestehen bleibt, ist offen.

Der Geschäftsbetrieb läuft zum Jahresende 2026 geordnet aus. Danach endet am Standort südlich von Jena nach 182 Jahren die industrielle Porzellanproduktion. Offen ist, ob sich nach dem 31. Dezember noch ein Käufer für Marke, Maschinen und Werksgelände meldet – oder ob Thüringen eine seiner bekanntesten Manufakturen endgültig verliert.