Landeskirche Bayern verteidigt Allahu-Akbar-Ruf in Weidener Kirche
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Barmer Erklärung

Landeskirche Bayern verteidigt Allahu-Akbar-Ruf in Weidener Kirche

Der islamische Gebetsruf „Allahu Akbar“ erklang in der evangelischen Stadtpfarrkirche St. Michael in Weiden. Die Landeskirche verteidigt den Auftritt als sachgerechten Teil eines interreligiösen Formats – Kritiker sehen darin einen Bruch mit der Barmer Theologischen Erklärung.

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Ein Imam hat in der evangelisch-lutherischen Stadtpfarrkirche St. Michael in Weiden den islamischen Gebetsruf Adhan vorgetragen – mit den Worten „Allahu Akbar“. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hält den Ruf für einen sachgerechten Bestandteil eines interreligiösen Begegnungsformats und stellt sich hinter die Pfarrerin, die danebenstand.

Der Auftritt datiert auf Donnerstag, den 24. September 2026, 18.30 Uhr, den „Abend der Religionen“ in St. Michael. Der DITIB-Imam Mehmet Küçük trug den Gebetsruf dort gemeinsam mit dem Sprachlehrer Cem Kocaer vor. Die örtliche Pfarrerin Christiane Weber eröffnete den Abend und schaute nach Darstellung des JF-Berichts „ruhig-erfreut“ zu; ein Video des Auftritts sorgte im Netz für Irritationen.

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Ein Gesprächskreis als Antwort auf 9/11

Die Vorgeschichte reicht 25 Jahre zurück. Am 19. September 2001 versammelten sich in Weiden rund 3000 Menschen; Vertreter von Juden, Muslimen, evangelischer und katholischer Kirche beteten gemeinsam für den Frieden. Am 7. November 2001 kam der Interreligiöse Gesprächskreis erstmals zusammen – auf Anregung des damaligen evangelischen Dekans Wolfgang Scheidel.

Das Jubiläum bestimmte den Ton des Abends; sein Motto lautete: „Aufstehen, aufeinander zugehen, voneinander lernen, miteinander umgehen“. Sechs Glaubensvertreter erklärten, was ihnen heilig ist – der Adhan war einer dieser Beiträge. Die Landeskirche verteidigt ihn mit einem Konzept, das sie seit mehr als drei Jahrzehnten anwendet.

25 Jahre Interreligiöser Gesprächskreis Weiden

  1. 1991
    Landeskirche legt ihr Gebetskonzept fest

    Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern bestimmt: Jeder betet in seiner eigenen Tradition, die anderen hören mit Respekt zu.

  2. 19. September 2001
    3000 Menschen beten in Weiden für den Frieden

    Nach den Terroranschlägen vom 11. September versammeln sich Vertreter von Juden, Muslimen und beiden großen Kirchen.

  3. 7. November 2001
    Erste Zusammenkunft des Gesprächskreises

    Der Interreligiöse Gesprächskreis Weiden entsteht auf Anregung des damaligen evangelischen Dekans Wolfgang Scheidel.

  4. 24. September 2026
    Imam trägt Adhan in St. Michael vor

    Der DITIB-Imam Mehmet Küçük ruft „Allahu Akbar“; ein Video des Auftritts sorgt für Irritationen.

  5. 29. September 2026
    Internationale Medien greifen den Fall auf

    Der englischsprachige Dienst NewsFire Global beruft sich auf die Berichterstattung der Jungen Freiheit.

  6. 7. Oktober 2026
    Landeskirche verteidigt den Auftritt

    Sie nennt den Ruf „sachgerechten Bestandteil eines interreligiösen Begegnungsformats“.

Die Landeskirche pocht auf ihr Konzept von 1991

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern beruft sich auf ihre seit 1991 gültige Orientierungshilfe zum multireligiösen Gebet: Jeder betet in seiner eigenen Tradition, die anderen hören mit Respekt zu. So werde niemand zu einem fremden Gebet gezwungen, und „die Unterschiede zwischen den Religionen bleiben gewahrt“.

Am 7. Oktober 2026 ließ die Landeskirche gegenüber der Jungen Freiheit keinen Zweifel: Der Ruf sei „sachgerechter Bestandteil eines interreligiösen Begegnungsformats“. Die Verteidigung des Imam-Auftritts durch die Landeskirche fiel damit zugunsten Webers aus, die den Abend selbst mit dem Gedenken an „25 Jahre 9/11“ und mit „besonderen Wahlen“ begründet hatte.

„Christiane Weber sagte zur Eröffnung: „In diesen kritischen Zeiten von besonderen Wahlen und auch im Gedenken an 25 Jahre 9/11 wollen wir mit diesem Abend unsere Vielfalt präsentieren und leben.““
Christiane Weber, Pfarrerin in Weiden

Kritiker sehen einen Bruch mit dem Bekenntnis

Kritiker stützen sich auf die Barmer Theologische Erklärung von 1934. Ihre erste These verwirft die Lehre, die Kirche könne neben Jesus Christus „andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen“. Auf dieses Bekenntnis beruft sich die bayerische Landeskirche in ihrer Verfassung; Pfarrerin Weber wurde in Mecklenburg darauf ordiniert.

Für die Kritiker steht der Adhan in einer Kirche genau für diese Anerkennung. Nach dem Pfarrdienstgesetz der EKD geloben Pfarrerinnen und Pfarrer, das Evangelium „rein zu lehren“. Hält ein Geistlicher beharrlich am Widerspruch zum Bekenntnis fest, wäre theoretisch ein Lehrbeanstandungsverfahren möglich.

Der Fall bleibt nicht auf Weiden begrenzt: Am 29. September 2026 griff der englischsprachige Dienst NewsFire Global ihn auf und berief sich auf die Berichterstattung der Jungen Freiheit. In dieselbe Debatte um Geistliche und ihre Aussagen zum Islam gehört Pfarrer Abels Deutung des Anschlags.

Wenn Pfarrer dem Bekenntnis widersprechen

Theoretisch könnte ein solcher Fall in einem Lehrbeanstandungsverfahren enden; bekannt ist bislang kein solches Verfahren. Die Landeskirche hält an ihrem Konzept von 1991 fest und sieht den Adhan als Teil eines Begegnungsformats, nicht als Bekenntnisfrage. Offen bleibt, ob Kritiker ein Verfahren fordern – oder ob der Streit in den Gemeinden weiterläuft.

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