Goldpreis fällt seit Januar um 26 Prozent auf 4.154 Dollar
Bild: KI-generiert
Edelmetall

Goldpreis fällt seit Januar um 26 Prozent auf 4.154 Dollar

Seit Januar hat Gold rund 26 Prozent verloren, am Dienstag notierte die Feinunze bei 4.154 Dollar. Jetzt stützen Frankreichs Haushaltsstreit, steigende Risikoaufschläge und kaufende Notenbanken den Preis – während die Fed mit 5,34 Prozent Rendite auf US-Anleihen dagegenhält.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Gold hat seit Januar rund 26 Prozent verloren – jetzt stützt ausgerechnet die Angst vor einer Eurokrise den Preis. Am Dienstag, 6. Oktober 2026, notierte die Feinunze bei 4.154 Dollar, im Kassahandel bei 4.168,33 Dollar. Am Mittwoch fiel der Preis zwischenzeitlich unter 4.100 Dollar.

Das Edelmetall steckt in einem Tauziehen. Gegen den Preis arbeitet die erste Zinserhöhung der Fed seit 2023 auf 3,75 bis 4,00 Prozent, dazu ein starker Dollar und US-Staatsanleihen mit 5,34 Prozent Rendite – der höchste Stand seit 2002. Für den Preis arbeiten Notenbanken und Anleger, die Frankreichs Haushaltsstreit und die US-Treasury-Märkte misstrauisch beobachten.

Der Absturz vom Januar-Hoch

Im Januar 2026 hatte Gold mit 5.595 Dollar je Feinunze ein Allzeithoch erreicht, nach einem Plus von 64 Prozent im Jahr 2025 – dem stärksten Jahresanstieg seit 1979. Allein im September verlor das Metall 6,6 Prozent. Von 5.595 auf 4.154 Dollar: Der Absturz traf die Branche mitten in ihrer wichtigsten Woche.

Auf der LBMA-Konferenz in Sorrento sagte die Goldindustrie am 6. Oktober dennoch 5.013 Dollar binnen zwölf Monaten voraus, Morgan Stanley erwartet 5.000 Dollar. Zwischen dem Kurs und diesen Prognosen liegen mehr als 800 Dollar. Ob Zinsen oder Angst den Markt künftig regieren, ist unter Analysten offen.

Goldpreis je Feinunze: Rekordhoch, aktueller Kurs, Prognose

Dollar je Feinunze, gerundet auf ganze Dollar

Quelle: F.A.Z., LBMA-Konferenz Sorrento

Paris treibt den Preis

Der aktuelle Halt kommt aus Europa. Am 1. Oktober legte Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu den Budgetentwurf für 2027 vor. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen stieg zeitweise auf rund fünf Prozent. Der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen machte am 2. Oktober den größten Tagesprung seit März 2020.

Auch der Devisenmarkt reagiert. Der Euro fiel am 5. Oktober um 0,8 Prozent auf 1,1161 Dollar – den tiefsten Stand seit Mai 2025. Der Schweizer Franken stieg auf 0,9306 je Euro, die Inflation im Euroraum kletterte auf 3,8 Prozent. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte Neuwahlen für Ende November an.

Von der Zinserhöhung zur Euro-Angst

  1. Januar 2026
    Gold erreicht ein Allzeithoch

    Die Feinunze kostet 5.595 Dollar; 2025 war mit plus 64 Prozent der stärkste Jahresanstieg seit 1979.

  2. 16. September 2026
    Die Fed erhöht erstmals seit 2023

    Die US-Notenbank hebt den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent; der Dollar wird stärker.

  3. 30. September 2026
    Gold verliert 6,6 Prozent im September

    Zum Monatsende folgt eine kleinere Korrektur.

  4. 1. Oktober 2026
    Lecornu legt den Budgetentwurf vor

    Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen steigt zeitweise auf rund fünf Prozent.

  5. 2. Oktober 2026
    Größter Renditesprung seit 2020

    Der Abstand zwischen deutschen und französischen Staatsanleihen weitet sich so stark wie zuletzt im März 2020.

  6. 5. Oktober 2026
    Der Euro fällt auf 1,1161 Dollar

    Tiefster Stand seit Mai 2025; Spanien kündigt Neuwahlen für Ende November an.

  7. 6. Oktober 2026
    Gold notiert bei 4.154 Dollar

    Die LBMA-Konferenz in Sorrento prognostiziert 5.013 Dollar binnen zwölf Monaten.

Anleger kaufen trotz Verlust

Laut dem F.A.Z.-Bericht über die Angst vor einer Eurokrise wollen 60 Prozent der pro-aurum-Kunden Gold kaufen, nur 40 Prozent verkaufen. Dazu kommen die Notenbanken: Im zweiten Quartal 2026 kauften sie laut World Gold Council 289 Tonnen, Chinas Notenbank stockte ihre Reserven im September um 21 Tonnen auf – der größte Monatskauf seit drei Jahren.

Neben den Notenbanken stützen nach Einschätzung von Handelsblatts Bericht über die Goldkäufe der Notenbanken auch ETF-Zuflüsse den Preis. Kommerzbank-Analystin Barbara Lambrecht sieht ihn „fürs Erste eingependelt“. Auf der Absicherungsseite wächst dagegen die Nervosität: Bank of America verzeichnet eine Nachfragewelle, wie sie Julian Weiss beschreibt, der dort den Devisenoptionshandel für die G10-Währungen verantwortet.

„Wir haben eine gestiegene Nachfrage nach Euro-Put-Optionen sowohl von Hedgefonds als auch von institutionellen Anlegern verzeichnet.“
Julian Weiss, Devisenoptionshandel G10, Bank of America

Was jetzt den Ausschlag gibt

Zwei Kräfte stehen sich gegenüber. Auf der einen Seite drücken 5,34 Prozent Rendite auf zehnjährige US-Anleihen und ein starker Dollar auf den Goldpreis; auf der anderen Seite stützt die Flucht aus französischen Staatsanleihen das Metall. Welche Seite sich durchsetzt, hängt am französischen Anleihemarkt.

Lecornu sagte bei der Vorlage des Budgets: „Die Realität holt uns ein.“ Bleibt der Risikoaufschlag französischer Anleihen hoch, dürften Anleger weiter in das Metall fliehen; entspannt sich die Lage, bleibt Gold ein Vermögenswert im Abwärtstrend. Ob der Aufschlag fällt oder steigt, entscheidet damit in den nächsten Wochen auch über den Preis der Feinunze.

Umfrage
Lädt