Juli Zeh sagt, das Patriarchat schade Männern stärker als Frauen
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Geschlechterdebatte

Juli Zeh sagt, das Patriarchat schade Männern stärker als Frauen

Juli Zeh (52) sagt im stern, das Patriarchat schade vor allem Männern – sie selbst würde nicht mit ihnen tauschen wollen. Zugleich nennt sie sich eine gute Besetzung für das Amt der Bundespräsidentin und lehnt ein AfD-Verbotsverfahren ab.

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Juli Zeh (52) würde nicht mit Männern tauschen wollen. Die Schriftstellerin und Juristin dreht die Geschlechterdebatte um: Nicht Frauen trifft das Patriarchat am härtesten, sondern Männer. Veröffentlicht hat der stern das Gespräch am Mittwoch – online, unter der Überschrift „Warum nicht mal die Fresse halten und nachdenken“.

Eigentlich sollte es nur um ihr neues Buch gehen. „Pony Show“ ist ein Gerichtsthriller über eine Frau, die ihre Macht missbraucht; der Roman erscheint am 14. Oktober im Luchterhand Literaturverlag, auf 512 Seiten, für 25 Euro. Doch in dem Interview über Männer, Macht und Geschlechterrollen ging es schnell um Grundsätzliches.

„Das Patriarchat hat dazu geführt, dass Männer früher sterben als Frauen und ein höheres Suchtpotenzial haben.“
Juli Zeh, Schriftstellerin und Juristin

Selbst Hausmann können sie nicht sein

Aus Zehs Sicht beginnt das Problem in der Erziehung: Männer lernten früh, Abstand zu ihren eigenen Gefühlen zu halten. Wer trotzdem ein anderes Leben wolle, stoße auf Unverständnis. Sie verweist auf mehr Suizide und Depressionen bei Männern sowie auf den Kriegseinsatz, den sie tragen.

„Sie können gar nicht Hausmann sein, selbst wenn sie das wollten, weil alle anderen, denen sie davon erzählen, betroffen zu Boden schauen und das Thema wechseln.“
Juli Zeh, Schriftstellerin und Juristin

Für Frauen fordert Zeh dieselbe Freiheit ein. „Frauen wird die Freiheitsliebe viel weniger zugestanden als Männern. Erst recht in der Lebensmitte“, sagt sie. Annalena Baerbock hat öffentlich von ihrer Abrechnung mit dem Sexismus im Politikbetrieb erzählt.

Gute Besetzung – aber kein Knochenjob

Um das Amt der Bundespräsidentin war Zeh schon länger im Gespräch. Im Februar sagte sie der Zeit, sie könne sich das „irgendwann einmal“ vorstellen. Im Juli erklärte sie der F.A.Z., sie wolle aus Rücksicht auf ihre Kinder nicht. Jetzt sagt sie: „Das habe ich so überhaupt nicht gesagt!“

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Eine Kandidatur schließt sie damit nicht aus. In ihrer Selbsteinschätzung für das Präsidentenamt sagt sie: „Ich glaube, dass ich momentan eine gute Besetzung für den Posten wäre. Gerade weil ich häufig zwischen den Fronten stehe und mich auf eine Weise ausdrücke, die nicht als so stark gecoacht wahrgenommen wird.“ Den „Knochenjob“ will sie dennoch nicht: Sie würde nur viermal im Jahr eine Grundsatzrede halten.

Rechtspopulismus kann man nicht verbieten

Klar ablehnend äußert sich Zeh zu einem Verbotsverfahren gegen die AfD. Den Rechtspopulismus hält sie für das eigentliche Problem – mit einer Konsequenz, die sie im Gespräch selbst benennt:

„Das Problem ist der Rechtspopulismus. Und den kannst du nicht verbieten.“
Juli Zeh, Schriftstellerin und Juristin

Die Aussagen wurden breit weitergetragen: FOCUS, Süddeutsche Zeitung, F.A.Z. und die Evangelische Zeitung griffen sie auf. Der FOCUS machte Zehs Satz, sie würde nicht mit Männern tauschen wollen, zur Schlagzeile.

Buchpremiere am 11. Oktober in der Elbphilharmonie

Zunächst steht ohnehin der Roman im Mittelpunkt. Der Tagesspiegel hatte „Pony Show“ im Juli als Buch angekündigt, an dem im Herbst „niemand vorbeikommen“ dürfte. Die Premiere steigt am 11. Oktober in der Elbphilharmonie Hamburg, der offizielle Erscheinungstermin ist der 14. Oktober.

Offen bleibt, ob Zeh bei ihrem Nein zum Präsidentenamt bleibt. Am 26. Oktober liest sie in der Berliner Philharmonie aus „Pony Show“ – die Frage nach dem Amt wird sie dort nicht los.