Magdeburger Bischof Feige kritisiert christliche AfD-Wähler
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Katholische Kirche

Magdeburger Bischof Feige kritisiert christliche AfD-Wähler

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige rechnet mit christlichen AfD-Wählern ab und droht dem Landtag von Sachsen-Anhalt mit Klagen. Auslöser ist die Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten.

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Gerhard Feige erwartet, dass seine Kirche vor Gericht zieht – gegen den Landtag des eigenen Bundeslandes. Im KNA-Interview mit Bischof Feige sagte er, bei Rechtsbruch oder willkürlich aufgelösten Verträgen werde man „selbstverständlich gerichtlich klagen“.

Am 6. Oktober wählte der neue Landtag den AfD-Politiker Tobias Rausch mit 48 von 82 Stimmen zum Landtagspräsidenten – der erste AfD-Parlamentspräsident eines Bundeslandes. Feige reagierte am selben Tag mit dem Satz: „Ernüchtert, befremdet und besorgt bin ich schon, aber nicht verzweifelt.“ Seine Kritik an christlichen AfD-Wählern wurde am 8. Oktober bundesweit verbreitet.

Von der Warnung zur Klagedrohung

  1. Januar 2026
    Warnung vor der AfD

    Die nordostdeutschen katholischen Bischöfe, darunter Feige, warnen in einem offenen Brief vor der Wahl der AfD in Sachsen-Anhalt.

  2. 19. Februar 2026
    Fastenhirtenbrief

    Feige schreibt, mit dem AfD-Regierungsprogramm wäre es „mit der freiheitlichen Demokratie und dem Pluralismus … vorbei“.

  3. 6. September 2026
    AfD gewinnt Landtagswahl

    Die AfD erreicht 43,8 Prozent, verfehlt aber die absolute Mehrheit. Feige ruft auf der Huysburg auf, dem „nationalistischen und fremdenfeindlichen Ungeist zu widerstehen“.

  4. 23. September 2026
    „Befremdlich und makaber“

    Im Interview mit Publik-Forum nennt Feige das Wahlergebnis „befremdlich und makaber“.

  5. 6. Oktober 2026
    Landtag konstituiert sich

    Tobias Rausch wird Landtagspräsident, am selben Tag erscheint das KNA-Interview mit Feige.

  6. 30. November 2026
    Ende der Amtszeit

    Feige vollendet sein 75. Lebensjahr; mit der Annahme des Rücktritts durch den Papst endet seine Zeit als Bischof von Magdeburg.

Drei Gründe für die AfD-Nähe

Für den hohen AfD-Anteil unter Christen nennt Feige drei Gründe: Frust über die bisherige Politik, ohne die Programmatik der AfD zu kennen; rechtskonservative Kreise, die sich an Themen von Sexualität und Lebensweisen abarbeiten; und ein „identitäres Kulturchristentum“, das vom Hauptgebot der Nächstenliebe wenig hält.

Der Glaube werde heute eher als „persönliches Wohlfühl-Elixier“ verstanden und nicht als bedeutsam für das gemeinsame Leben, sagt Feige. Daher rühre der Einwand, die Kirche solle sich nicht in die Politik einmischen. Auf seine Positionierung erreichten ihn teils „geradezu hasserfüllte und unflätige Reaktionen“. Schon vor der Wahl haben Bischöfe den Verlust von AfD-Wählern offen bejaht.

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Kirchen als Feinde?

Für das Verhältnis von Staat und Kirche erwartet Feige einen „Paradigmenwechsel“. Nehme man die kirchenkritischen Aussagen der AfD ernst, würden die Kirchen künftig „als Feinde betrachtet“. Der Streit hat auch eine finanzielle Seite: Im Landtagswahlkampf ging es um AfD-Pläne zur Streichung von 43 Millionen Euro.

Mit dem von der AfD geplanten Wechsel des Landesslogans kann Feige nichts anfangen: Statt „moderndenken“ soll künftig „deutschdenken“ stehen. Seine Antwort darauf fällt deutlich aus:

„Ich kann mir nicht vorstellen, in einer muffigen, deutsch-tümelnden Umgebung zu leben.“
Gerhard Feige, katholischer Bischof von Magdeburg

Der Preis der Öffentlichkeit

Seine öffentliche Rolle habe er sich nicht ausgesucht, sagt Feige, sie sei „gewissermaßen über mich gekommen“. Der Preis seien zahllose Interviewanfragen, Beschimpfungen und Diffamierungen gewesen – aber auch Dankschreiben und Solidarität. Den Vorwurf, er spalte die Gesellschaft, nennt er „skurril“: Wer sich im Sinne der Bibel für die Menschenwürde aller einsetze, trage nicht zur Spaltung bei.

Feige hält auch unter Christen Extreme für möglich: Sie könnten dem Zeitgeist und seinen Ideologien verfallen, sagt er. Gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur formuliert er es in einem Satz, der inzwischen bundesweit zitiert wird:

„Im Extremfall können selbst Christen zu Verbrechern werden.“
Gerhard Feige, katholischer Bischof von Magdeburg

Amtszeit endet im November

Der 1951 in Halle (Saale) geborene Feige ist seit 2005 Bischof von Magdeburg. Mit der Annahme seines Rücktritts durch den Papst endet seine Amtszeit mit dem 75. Geburtstag am 30. November 2026 – auf den Ruhestand freut er sich.

Offen ist, ob es tatsächlich zu Klagen kommt und wie der neue Landtag darauf reagiert. Feige wird die Antwort nur noch bis Ende November mitgestalten.