Gina H. gilt im Mordprozess um Fabian als voll schuldfähig
Im Rostocker Mordprozess um den achtjährigen Fabian hat ein psychiatrischer Gutachter die Angeklagte Gina H. für voll schuldfähig erklärt. Der Verteidiger nennt die Aussagen des Sachverständigen frauenfeindlich und unangemessen; die Beweisaufnahme ist beendet.
Gina H. (30) war zur Tatzeit voll schuldfähig. Am 32. Verhandlungstag des Rostocker Mordprozesses um den achtjährigen Fabian stellte der forensische Psychiater Peter Keiper sein Gutachten vor. Danach wurde die Beweisaufnahme geschlossen. Keiper bejaht darin die Schuldfähigkeit der Angeklagten ohne Einschränkung. Ihr droht lebenslange Haft.
Keiper attestiert der Frau aus Güstrow eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ, eine Lernbehinderung mit einem IQ von 76 sowie psychopathische Tendenzen.
Für die Schuldfrage ändern die Diagnosen des Gutachters zu Borderline und Lernbehinderung jedoch nichts: Keine der Auffälligkeiten sei so schwer ausgeprägt, dass sie die Schuld-, Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt beeinträchtigt hätte.
Als mögliches Motiv nannte Keiper ein Konglomerat aus Egozentrik, Eifersucht und Rache und verwies auf das Medea-Phänomen. Der achtjährige Fabian könnte aus Sicht des Gutachters für die Beziehung der Angeklagten zu dessen Vater störend und lästig gewesen sein.
Der Fall Fabian: Chronologie bis zum Urteil
August 2025
Trennung von Fabians Vater
Nach jahrelangem Streit trennt er sich von Gina H., holt seine Technik für die Tierversorgung ab und gibt seine Schlüssel zurück. Danach unternimmt sie zwei Suizidversuche.
10. Oktober 2025
Fabian wird als vermisst gemeldet
Laut Anklage soll Gina H. den Achtjährigen an diesem Tag aus der Wohnung in Güstrow gelockt und an einem Tümpel bei Klein Upahl mit sechs Messerstichen getötet haben.
14. Oktober 2025
Fund der Leiche
Gina H. meldet der Polizei den Fund der angebrannten Leiche Fabians. Zuvor hatte sie angegeben, die Leiche an zwei Abenden mit jeweils einem anderen Bekannten am Fundort gesehen zu haben.
November 2025
Verhaftung
Gina H. wird verhaftet und kommt in Untersuchungshaft.
28. April 2026
Prozessbeginn in Rostock
Vor dem Landgericht Rostock beginnt unter Vorsitz von Richter Holger Schütt der Mordprozess.
8. Oktober 2026
Gutachten und Ende der Beweisaufnahme
Sachverständiger Peter Keiper stellt sein Gutachten vor: volle Schuldfähigkeit. Am 32. Verhandlungstag endet die Beweisaufnahme.
10. November 2026
Urteil vorgesehen
Nach den Plädoyers am 29. und 30. Oktober soll an diesem Tag das Urteil verkündet werden.
Hochmanipulativ und ohne Gefühle
Keiper zeichnete vor Gericht das Bild einer hochmanipulativen Frau mit einem parasitären Lebensstil, die notorisch lügt. Für dieses Verhalten nutzte er den Fachbegriff Pseudologia phantastica, für ihren Umgang mit dem Gericht das Wort trotzige Verschlossenheit.
Wie unbeteiligt die Angeklagte auch nach Monaten der Verhandlung wirkte, beschrieb der Sachverständige als Ausnahmeerscheinung.
„Diese Emotionslosigkeit ist erstaunlich, in dem Ausmaß selbst für mich. Das hat mit der Psychopathie zu tun.“
Peter Keiper, forensischer Psychiater und Sachverständiger
Über ihre Beziehungen sagte Keiper: „Ich war beeindruckt, dass sie fünf Männer um sich geschart hatte, die sich um sie gekümmert haben. Einer fürs Herz, einer fürs Bett, einer fürs Geld.“ Und: „Liebe heißt für Frau H. Besitzen. Mit echten Gefühlen hat das gar nichts zu tun.“
Verteidiger spricht von Frauenfeindlichkeit
Verteidiger Thomas Löcker widersprach dem Gutachter in ungewöhnlich scharfer Form. Dessen Aussagen seien frauenfeindlich und unangemessen, sagte er. Dem Motiv, Fabian sei störend und lästig gewesen, fehle jegliche Grundlage.
Vor Gericht sagte Löcker: „Ich habe schon seit Beginn des Prozesses das Gefühl, dass es hier nur darum geht, Gina H. als schlechten Menschen darzustellen.“ Beim Kern des Gutachtens gibt es dagegen keinen Streit: Der vollen Schuldfähigkeit stimmt die Verteidigung zu.
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Was die Angeklagte über sich selbst sagt
Bereits im September hatte Gina H. vor dem Landgericht fast sechs Stunden lang Fragen des Vorsitzenden beantwortet und sich dabei in Widersprüche verstrickt — Gina H. beantwortet erstmals Fragen vor Gericht.
Zu ihren eigenen Wesenszügen hatte sich die Angeklagte schon vor der Vorstellung des Gutachtens geäußert — mit Sätzen, die Keipers Bild in Teilen bestätigen.
„Ich bin offensichtlich anders als viele andere. Ich kann mich in Streit- und Stresssituationen kaum zurückhalten. Ich bin misstrauisch, eifersüchtig und erkenne einen Kontrollzwang bei mir.“
Gina H., Angeklagte im Mordprozess um Fabian
Plädoyers Ende Oktober, Urteil am 10. November
Mit dem Gutachten endete die Beweisaufnahme am 32. Verhandlungstag. Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Nebenklage sind für den 29. Oktober 2026 vorgesehen, das Plädoyer der Verteidigung und das letzte Wort der Angeklagten für den 30. Oktober. Das Urteil soll am 10. November 2026 fallen.
Der Prozess läuft seit dem 28. April 2026 unter Vorsitz von Richter Holger Schütt. Die Akten umfassen 19 Bände mit rund 45.000 Blatt und 3,6 Terabyte elektronische Spuren.
Sollte das Gericht dem Sachverständigen folgen, droht der Angeklagten lebenslange Haft. Ob Keipers Bild von ihr den Ausschlag gibt, wird sich im Urteil am 10. November zeigen; zuvor hält die Verteidigung am 30. Oktober ihr Plädoyer.