528,5 Milliarden Euro hat Deutschland 2024 für die Behandlung von Krankheiten ausgegeben – erstmals mehr als eine halbe Billion Euro. Gegenüber dem Vorjahr sind die Kosten um 7,6 Prozent gestiegen, wie die Ergebnisse der Krankheitskostenrechnung 2024 des Statistischen Bundesamtes zeigen.
Pro Kopf der Bevölkerung sind das 6.330 Euro. Frauen trifft es im Schnitt härter als Männer: Auf sie entfallen 6.960 Euro, auf Männer 5.680 Euro – ein Abstand von 22,5 Prozent.
Die Rechnung fällt mitten in den Streit darüber, wer sie trägt. Das Bundeskabinett hat die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenzen 2027 beschlossen, der Bundestag hat mit schwarz-roter Mehrheit ein Sparpaket durchgesetzt, das höhere Zuzahlungen und Einschnitte beim Krankengeld vorsieht.
Beide Beschlüsse drehen an der Einnahmeseite der Krankenversicherung. Die neue Statistik zeigt, was gleichzeitig auf der Ausgabenseite passiert.
Kreislauf und Psyche kosten ein Viertel
Die teuersten Krankheitskapitel sind Krankheiten des Kreislaufsystems mit 69,4 Milliarden Euro und einem Anteil von 13,1 Prozent an den Gesamtkosten. Direkt dahinter folgen psychische und Verhaltensstörungen mit 68,7 Milliarden Euro und 13,0 Prozent. Zusammen stehen die beiden Blöcke für 26,1 Prozent – mehr als ein Viertel der Rechnung.
Die fünf teuersten Krankheitskapitel 2024
Direkte Krankheitskosten in Milliarden Euro
Dahinter folgen drei Kapitel, die einzeln ebenfalls mehr als 50 Milliarden Euro kosten: Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 54,3 Milliarden Euro (10,3 Prozent), Krankheiten des Verdauungssystems mit 53,7 Milliarden Euro (10,2 Prozent) und Neubildungen wie Krebs mit 52,1 Milliarden Euro (9,9 Prozent).
Diese fünf größten Kapitel bestimmen die Rechnung seit Jahren: Ihr gemeinsamer Anteil an den Gesamtkosten liegt seit 2015 konstant zwischen 55 und 56 Prozent. Gestiegen ist weniger die Struktur als die Summe.
Ab 85 Jahren kostet ein Mensch 30.150 Euro
Mit dem Alter steigen die direkten Kosten pro Kopf steil an. Auf 15- bis 29-Jährige entfallen im Schnitt 2.390 Euro, auf 65- bis unter 85-Jährige 12.300 Euro und auf die über 85-Jährigen 30.150 Euro.
Krankheitskosten pro Kopf nach Altersgruppe 2024
Direkte Krankheitskosten in Euro je Person
Ein über 85-Jähriger kostet damit rechnerisch mehr als zwölfmal so viel wie ein junger Erwachsener. Weil zu den direkten Krankheitskosten auch Pflegeausgaben zählen, schlägt sich der Betreuungsbedarf im hohen Alter voll in der Statistik nieder.
Was in der Rechnung fehlt
In der Summe stecken nur direkte Kosten: Ausgaben für Behandlung, Prävention, Rehabilitation und Pflege. Indirekte volkswirtschaftliche Folgen wie Arbeitsausfälle durch Krankheit sind nicht enthalten – die tatsächliche Last ist also größer als die ausgewiesenen 528,5 Milliarden Euro.
Gegenüber 2023 sind die Kosten um 37,5 Milliarden Euro gestiegen. Die 6.330 Euro pro Kopf sind ein Durchschnitt über alle Altersgruppen – und verdecken, wie ungleich die Ausgaben verteilt sind.
Ob die 7,6 Prozent ein einmaliger Sprung bleiben, wird die nächste Krankheitskostenrechnung zeigen. Die Entscheidungen darüber, wer in den kommenden Jahren mehr für die Krankenversicherung zahlt, sind dagegen längst gefallen.
