Prinz Harry (42) lässt sich für einen Kurs über seine Trauer bezahlen – und erntet dafür Kritik. Kurz vor dem Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober 2026 hat MasterClass das fünfteilige Programm „Redefining Grief: Building Resilience Through Loss“ veröffentlicht. Darin spricht der Herzog von Sussex mit der Trauerforscherin Dr. Mary-Frances O'Connor über Verlust und Verdrängung.
Gedreht wurde der Kurs im Sommer 2026 in Kalifornien. Er umfasst fünf Lektionen: „Reframe Grief“, „Break the Old Patterns“, „Upgrade Your System“, „Rebuild Who You're Becoming“ und „Turn Pain Into Purpose“. Der Zugang ist kostenpflichtig, und Harry wurde für sein Mitwirken bezahlt.
Genau daran entzündet sich der Streit. Kritiker werfen dem 42-Jährigen vor, aus dem Unfalltod seiner Mutter Prinzessin Diana finanziellen Profit zu schlagen. Im Kurs selbst erzählt Harry, was er nach dem Abschied aus Großbritannien durchgemacht hat.
Zwei Wochen Depression nach dem Umzug nach Kanada
Ende 2019 zog das Paar mit seinem Sohn für eine Auszeit nach Vancouver Island. Was dort geschah, beschreibt Harry als körperlichen Einbruch: Zwei oder drei Tage nach der Ankunft fiel der Druck von ihm ab – mit einer Folge, die er bis dahin nicht kannte.
„Als ich in Kanada war, weit weg von dem stressigen Umfeld, in dem mein Körper vermutlich ständig mit Adrenalin vollgepumpt war, erlebte ich innerhalb von zwei oder drei Tagen diesen Adrenalinabsturz – etwas, das ich zuvor noch nie erlebt hatte.“
Der Absturz kippte in eine Depression. „Ich rutschte tatsächlich für etwa zwei Wochen in eine Depression und hatte das Gefühl, ohne Adrenalin nicht mehr funktionieren zu können“, sagt Harry. Die BBC hat die zentralen Aussagen aus dem Kurs in ihrem Bericht über Harrys Depression zusammengefasst.
Verdrängte Trauer seit dem Tod seiner Mutter
Den Einbruch in Kanada führt Harry auf jahrzehntelang verdrängte Trauer zurück. Seine Mutter Prinzessin Diana starb am 31. August 1997 mit 36 Jahren bei einem Autounfall in Paris. Harry war damals zwölf Jahre alt. Erst nach seinem zweiten Afghanistan-Einsatz 2013 brachen nach seiner Schilderung die alten Traumata wieder auf.
Über diese Jahre sagt Harry: „In meinen Zwanzigern zog ich zweimal in den Krieg in der Annahme, ich könnte meinen Gefühlen davonlaufen. Aber so kam es nicht.“ Anschließend beschreibt er, warum er sich das Trauern lange verbot.
„Ich war so lange emotional abgestumpft, weil ich mich illoyal und schuldig fühlte angesichts der Möglichkeit, ohne sie glücklich und fröhlich zu sein. Ich hatte das Gefühl, ich müsse traurig sein und emotional abgestumpft bleiben, um ihr zu beweisen, dass ich sie vermisse.“
Genau dieses Muster kennt die Neurowissenschaftlerin Mary-Frances O'Connor von der University of Arizona, die im Kurs neben Harry spricht: „Das Gehirn registriert einen geliebten Menschen nicht als tot – es registriert ihn als verloren. Und es sucht weiter, bis man ihm etwas anderes beibringt. Wir erwarten immer noch, dass sie durch die Tür kommt.“
Vom Kanada-Abschied zum Kalifornien-Kurs
Zwischen dem Umzug nach Kanada und dem Kurs liegen knapp sieben Jahre. Im Januar 2020 verkündeten Harry und Meghan ihren Rückzug als arbeitende Mitglieder der Königsfamilie, im Juni 2021 kam Tochter Lilibet Diana in Montecito zur Welt.
Von Dianas Tod bis zum bezahlten Trauerkurs
- 31. August 1997Prinzessin Diana stirbt in Paris
Sie wird 36 Jahre alt. Ihr Sohn Harry ist zwölf, als er seine Mutter verliert.
- 2013Alte Traumata brechen auf
Nach seinem zweiten Afghanistan-Einsatz holt Harry die verdrängte Trauer um seine Mutter ein, wie er später schildert.
- November 2019Auszeit in Kanada
Harry, Meghan und Baby Archie ziehen nach Vancouver Island. Innerhalb von zwei bis drei Tagen erlebt Harry dort den Adrenalinabsturz.
- Januar 2020Rückzug aus dem Königshaus
Das Paar verkündet, keine arbeitenden Mitglieder der Königsfamilie mehr sein zu wollen.
- August 2026Rückkehr nach Großbritannien
Harry und Meghan kehren mit ihren Kindern nach Großbritannien zurück.
- 8. Oktober 2026Der Trauerkurs erscheint
MasterClass veröffentlicht „Redefining Grief: Building Resilience Through Loss“ mit Harry und der Neurowissenschaftlerin Mary-Frances O'Connor.
Der Starttermin ist bewusst gewählt: Der Kurs erscheint zwei Tage vor dem Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober. Auch Prinz William machte zuletzt mit einem Toolkit zur Suizidprävention im Sport auf das Thema aufmerksam.
Zehn Tage – die Grenze für die Familie
Heute richtet Harry sein Leben nach einer Regel, die er im Kurs offenlegt. Nicht länger als zehn Tage will er von seiner Frau Meghan (45) und den Kindern Archie (7) und Lilibet (5) getrennt sein.
„Der größte Faktor für mich ist die Energie, die Freude und das Glück, die ich bei meiner Familie habe, besonders bei unseren Kindern – und der Schlüssel für dieses Gleichgewicht ist, nicht mehr als zehn Tage von meiner Frau und den Kindern getrennt zu sein“, sagt er.
Ein anderes Thema bleibt die Herkunftsfamilie: Harry soll an einem Friedensangebot an William und Kate vor dem 30. Todestag seiner Mutter arbeiten.
Vorwurf: Profit aus dem Tod der Mutter
Der Kurs ist kostenpflichtig, und Harry wurde für sein Mitwirken bezahlt. Kritiker werfen ihm deshalb vor, aus dem Tod seiner Mutter finanziellen Profit zu schlagen. Diese Kritik am bezahlten Trauerkurs von Prinz Harry begleitet die Veröffentlichung seit dem ersten Tag.
Der Kurs unterstützt die Trauerorganisationen Scotty's Little Soldiers und Comfort Zone Camp. Ob das die Vorwürfe entkräftet, ist offen.
Für Harry ist der Kurs nach eigener Schilderung Teil einer Aufarbeitung, die mit dem Zusammenbruch in Kanada begann. Der Kurs ist seit dem 8. Oktober 2026 abrufbar. Ob der kostenpflichtige Zugang zu Harrys Geschichte das Publikum überzeugt oder die Kritik weiter anfacht, ist die offene Frage.
