Menschenkette stoppt AfD-Mann Tillschneider bei Gedenken in Halle
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Synagoge

Menschenkette stoppt AfD-Mann Tillschneider bei Gedenken in Halle

Am siebten Jahrestag des Anschlags von Halle stellte sich eine Menschenkette dem AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider am Eingang der Synagoge entgegen. Die Jüdische Gemeinde hatte ihn nicht ausgeschlossen; eine persönliche Einladung hatte er jedoch nicht erhalten.

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Er kam zum Gedenken, zwölf Menschen stellten sich ihm in den Weg. Am siebten Jahrestag des Anschlags von Halle hat eine Menschenkette den AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider daran gehindert, die Synagoge der Stadt zu betreten.

Nach Angaben der Polizeiinspektion Halle hielten die zwölf Anwesenden den Eingang besetzt, wie dem Bericht über die Menschenkette vor der Synagoge zu entnehmen ist. Unter ihnen waren nach Einschätzung der Beamten auch Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD).

Die Polizei sprach von einer spontanen Versammlung und vermittelte zwischen dem 48 Jahre alten AfD-Politiker und den Demonstrierenden. Die Situation blieb ruhig, nach längerer Diskussion verließ Tillschneider den Ort. Der JSUD-Präsident Ron Dekel rief ihm zu: „Sie sind hier nicht erwünscht. Wir lassen unser Gedenken nicht kapern.“

„Sie sind hier nicht erwünscht. Wir lassen unser Gedenken nicht kapern.“
Ron Dekel, Präsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschland

Öffentlich – aber nicht eingeladen

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki, widersprach der Darstellung, die Gemeinde habe Tillschneider ausgeschlossen. Ein Hausverbot habe es nicht gegeben, sagte er. Die Veranstaltung sei öffentlich gewesen, er hätte kommen können.

Eine persönliche Einladung hatte Tillschneider jedoch nicht erhalten. Gemeinde und JSUD erfuhren erst am Vortag, dass er teilnehmen wollte. Am Abend zuvor hatten rund 230 bis 250 Menschen vor dem früheren Döner-Imbiss der Opfer gedacht.

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Kritik vom Zentralrat der Juden

In einer Stellungnahme der Jüdischen Gemeinde Halle hieß es, der Wunsch der Gemeinde sei, den Gedenktag den Opfern zu widmen und politische Instrumentalisierung zu verhindern. Die Gemeinde warf Tillschneider vor, diesen Wunsch mit seinem Teilnahmeversuch missachtet zu haben.

„Es war und ist der Wunsch der Jüdischen Gemeinde in Halle, diesen Tag des Gedenkens den Opfern des entsetzlichen Anschlags vom 9. Oktober 2019 zu widmen und keinerlei politische Instrumentalisierung zuzulassen. Durch seinen Versuch der Teilnahme hat der AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider diesen Wunsch mit Füßen getreten.“
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

Die JSUD machte aus ihrer Haltung keinen Hehl. Ihr Präsident Dekel sagte, man lasse das Gedenken nicht von Rechtsextremen kapern: „Sie sind es, die den Boden für einen solchen Anschlag bereitet haben, indem sie die Grenzen des Sagbaren immer weiter verschoben haben.“

Tillschneiders Version

Tillschneider schilderte den Vorgang auf X und in einer schriftlichen Stellungnahme aus seiner Sicht. Er habe in Vertretung des Landtagspräsidenten Tobias Rausch an dem Gedenken teilnehmen wollen und sei als Nazi beschimpft worden.

„Das Bild gibt die Situation gut wieder. In Vertretung von Tobias Rausch sollte und wollte ich an dem Gedenken an den schrecklichen Amoklauf von Halle teilnehmen. Eine Gruppe fanatisierter Studenten beschimpfte mich als Nazi und verwehrte mir den Zutritt zur Synagoge.“
Hans-Thomas Tillschneider, AfD, Vizepräsident des Landtags Sachsen-Anhalt

Die AfD in Sachsen-Anhalt führt der Landesverfassungsschutz seit November 2023 als „gesichert rechtsextremistisch“; die Partei klagt dagegen, das Verfahren ist zuletzt ausgesetzt. Bei Gedenkfeiern kam es in den vergangenen Monaten mehrfach zu Auseinandersetzungen – im Juli zu einem Handgemenge um einen AfD-Kranz.

Sieben Jahre nach dem Anschlag

Der Anschlag von Halle jährt sich zum siebten Mal, und das Gedenken in Halle verändert sich. Am 9. Oktober 2019 versuchte ein schwer bewaffneter Rechtsextremist am Jom Kippur, die Synagoge zu stürmen, und übertrug die Tat live im Netz. An der Hoftür scheiterte er.

Er erschoss die 40 Jahre alte Passantin Jana L. und im nahen Dönerimbiss den 20 Jahre alten Kevin S., zwei weitere Menschen wurden auf der Flucht schwer verletzt. 2020 verurteilte das Oberlandesgericht Naumburg den Attentäter zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Zuletzt kam der Anschlag vor allem durch die neue Macht der AfD in Sachsen-Anhalt wieder in die Schlagzeilen. Die Partei gewann die Landtagswahl im September mit mehr als 44 Prozent. Am 6. Oktober wurde mit Tobias Rausch erstmals ein AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten gewählt, Tillschneider zu dessen Stellvertreter.

Von dem Anschlag bis zur Menschenkette

  1. 9. Oktober 2019
    Anschlag auf die Synagoge

    Ein Rechtsextremist scheitert an der Hoftür, erschießt die 40-jährige Jana L. und den 20-jährigen Kevin S. und verletzt zwei weitere Menschen schwer.

  2. 2020
    Urteil in Naumburg

    Das Oberlandesgericht verurteilt den Attentäter zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

  3. November 2023
    AfD als gesichert rechtsextremistisch eingestuft

    Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt stuft die Landes-AfD so ein; die Partei klagt, das Verfahren ist ausgesetzt.

  4. September 2026
    AfD gewinnt Landtagswahl

    Mehr als 44 Prozent der Stimmen in Sachsen-Anhalt.

  5. 6. Oktober 2026
    Neuer Landtag konstituiert sich

    Tobias Rausch wird erstmals AfD-Landtagspräsident, Hans-Thomas Tillschneider Vizepräsident.

  6. 8. Oktober 2026
    Gedenken am früheren Imbiss

    Rund 230 bis 250 Menschen versammeln sich; Gemeinde und JSUD erfahren, dass Tillschneider teilnehmen will.

  7. 9. Oktober 2026
    Menschenkette vor der Synagoge

    Zwölf Personen hindern Tillschneider am Zutritt, die Polizei vermittelt, er verlässt den Ort.

Was offen bleibt

Um 12:03 Uhr erinnerten eine Schweigeminute, Glockengeläut und anhaltende Straßenbahnen an die Opfer. Kurz vor Beginn der Veranstaltung in der Synagoge kam es am Eingang zum Eklat, um 17 Uhr folgte die zentrale Gedenkfeier auf dem Marktplatz.

Wie die Jüdische Gemeinde künftig mit angekündigten Besuchen von AfD-Abgeordneten umgeht, ist offen. Auch die Frage, ob der Landtag den Auftritt seines Vizepräsidenten zum Thema macht, ist bislang nicht beantwortet.