Deutsche Auslandsinvestitionen steigen auf 1,69 Billionen Euro
Bild: KI-generiert
Standortdebatte

Deutsche Auslandsinvestitionen steigen auf 1,69 Billionen Euro

Der Bestand deutscher Direktinvestitionen im Ausland hat sich seit 2010 mehr als verdoppelt – auf 1.689 Milliarden Euro. Das IW warnt vor dem Technologietransfer nach China und vor Bailout-Risiken für Steuerzahler.

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Deutsche Unternehmen haben ihre Investitionen im Ausland seit 2010 mehr als verdoppelt: Der Bestand deutscher Direktinvestitionen stieg von rund 832 Milliarden Euro auf 1.689 Milliarden Euro im Jahr 2024. Während die Politik über den Standort Deutschland streitet, wandert das Kapital in immer größerem Umfang ins Ausland – allen voran in die USA und nach China.

Aufgearbeitet hat die Entwicklung das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in seinem Report Nr. 39 „Deutsche Auslandsinvestitionen und die Standortdebatte“. Die Autoren Samina Sultan und Jürgen Matthes stützen sich auf Daten der Bundesbank, gefördert wurde die Arbeit vom Auswärtigen Amt. Die IW-Pressemitteilung zur Verdopplung der Auslandsinvestitionen nennt die zentralen Zahlen.

Von 832 Milliarden auf 1,7 Billionen Euro

  1. 2010
    Rund 832 Milliarden Euro im Ausland

    Der Bestand deutscher Direktinvestitionen liegt bei rund 832 Milliarden Euro, verteilt auf etwa 33.000 Investitionsobjekte.

  2. 2020
    Corona-Einbruch

    Der Auslandsbestand sinkt um rund 6 Prozent auf 1.306 Milliarden Euro.

  3. 2022
    Rekordstand in China

    Der deutsche Direktinvestitionsbestand in China erreicht mit 124,2 Milliarden Euro seinen bisherigen Höchststand.

  4. 2024
    1.689 Milliarden Euro

    Die USA führen mit 27,3 Prozent, China liegt mit rund 6,5 Prozent auf Platz drei – 3,9 Prozent unter dem Vorjahreswert.

  5. 6. Oktober 2026
    IW legt Report Nr. 39 vor

    Samina Sultan und Jürgen Matthes veröffentlichen die Studie „Deutsche Auslandsinvestitionen und die Standortdebatte“.

Die USA ziehen davon, China holt auf

Mit 27,3 Prozent entfällt der größte Teil des Auslandsbestands auf die USA – rund 460 Milliarden Euro und ein Plus von 102 Prozent seit 2010. China liegt mit rund 6,5 bis knapp 7 Prozent auf Platz drei und verbucht mit plus 281 Prozent das stärkste Wachstum aller zehn wichtigsten Zielländer.

Chinas Anteil lag 2024 bei rund 6,5 Prozent und damit 3,9 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der höchste Stand deutscher Direktinvestitionen in China stammt aus dem Jahr 2022 und belief sich auf 124,2 Milliarden Euro, wie der IW-Report zu Auslandsinvestitionen und Standortdebatte ausweist.

Bestand deutscher Direktinvestitionen im Ausland

In Milliarden Euro, ausgewählte Jahre

Quelle: IW Köln auf Basis der Deutschen Bundesbank

Warnung vor Technologietransfer und Bailout-Risiken

Das IW sieht in der Entwicklung mehr als unternehmerische Normalität. Die Autoren warnen vor einem „weiterhin starken Technologietransfer“ nach China: Mit dem Kapital wandert auch Wissen, das sich in chinesischen Industriezielen wiederfindet.

Für den Fall einer Eskalation nennt der Report zwei Risiken für Deutschland. Erstens könnten Steuerzahler für angeschlagene Konzerne einspringen müssen, zweitens würde die deutsche China-Politik an Souveränität verlieren. Die Autoren fordern deshalb eine „glaubwürdige No-Bailout-Aussage“ der Politik.

IW-Ökonomin Sultan begründet den Kapitalabfluss mit dem Kostendruck am Standort. Ihr Satz erklärt, warum Firmen überhaupt abwandern:

„Schrumpfen die Margen, verlagern Unternehmen ihre Produktion verstärkt in Länder mit niedrigeren Löhnen.“
Samina Sultan, Ökonomin am Institut der deutschen Wirtschaft

Der Satz verschiebt die Debatte: Nicht mangelnde Verbundenheit mit dem Standort treibt die Firmen ins Ausland, sondern die Rechnung. Genau dort setzen die Reformforderungen an, die der Report im Anschluss aufführt.

Kostensenkung, Ausgleichszölle, No-Bailout

Die Autoren verlangen umfassende kostensenkende Reformen, um die Investitionsbedingungen in Deutschland zu verbessern. Gegenüber China empfehlen sie Ausgleichszölle auf chinesische Waren und ein Vorgehen gegen Lokalisierungsanforderungen, mit denen Peking ausländische Firmen zur Produktion im Land drängt.

Damit reiht sich das IW in eine laute Debatte ein: Der BDI fordert schärfere EU-Handelsschutzinstrumente gegen China – BDI-Präsident Leibinger fordert schärfere EU-Mittel gegen China, nachdem das deutsche Handelsdefizit mit China 10,9 Milliarden Euro erreicht hat.

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Ein Gegengewicht zur Warnung liefert die Regierung selbst: Sie hat ihre Wachstumsprognose für 2026 von 0,5 auf 1,3 Prozent angehoben – Reiche hebt die Wachstumsprognose auf 1,3 Prozent an.

Die Zahlen des IW zeigen dennoch, dass die Firmen längst anders kalkulieren. Will der Bund Investitionen im Inland halten, muss er die Kosten senken – oder hinnehmen, dass weitere Milliarden ins Ausland fließen.

Offen bleibt, ob die Bundesregierung die geforderte No-Bailout-Zusage tatsächlich abgibt und wie Brüssel auf Chinas Lokalisierungsanforderungen antwortet. Die nächste Erhebung der Bundesbank dürfte zeigen, ob die Verlagerung anhält oder ob der China-Rückgang von 2024 der Anfang einer Umkehr war.