Marius Borg Høiby wechselt zum dritten Mal sein Verteidigerteam
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Strafverfahren

Marius Borg Høiby wechselt zum dritten Mal sein Verteidigerteam

Der Sohn von Königin Mette-Marit tauscht zum dritten Mal seine Anwälte: Zwei neue Verteidiger sollen den Schuldspruch wegen zweier Vergewaltigungen und der Misshandlung seiner Ex-Freundin kippen – gleichzeitig will die Staatsanwaltschaft eine höhere Strafe.

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Marius Borg Høiby (29) tauscht zum dritten Mal sein Verteidigerteam – wenige Monate vor der Berufungsverhandlung, in der die Staatsanwaltschaft eine höhere Strafe gegen ihn durchsetzen will. Am 24. September 2026 wurde bekannt, dass der Sohn von Königin Mette-Marit mit neuen Anwälten in diese entscheidende Runde geht.

Künftig vertreten ihn Alexander Greaker (35) und Daniel Storrvik (36) von der Kanzlei Greaker × Storrvik. Sie lösen Ellen Holager Andenæs und Petar Sekulic ab, die Høiby seit Februar 2025 verteidigt hatten. Nach der Festnahme Anfang August 2024 hatte zunächst Øyvind Bratlien die Verteidigung geführt. Den Wechsel hatte zuerst VG gemeldet; die neue Kanzlei bestätigte ihn am selben Morgen und beantragte beim Borgarting lagmannsrett die Übernahme.

Vier Jahre Haft und zwei Berufungen

Am 15. Juni 2026 sprach das Oslo tingrett Høiby in 34 von 40 Anklagepunkten schuldig und verhängte vier Jahre Gefängnis. Verurteilt wurde er unter anderem wegen zweier Vergewaltigungen ohne Beischlaf – im Dezember 2018 auf Skaugum und im März 2024 in der Wohnung des Opfers in Oslo – sowie wegen Misshandlung in einer nahen Beziehung gegenüber seiner früheren Lebensgefährtin Nora Haukland. Von zwei weiteren Vergewaltigungsvorwürfen wurde er freigesprochen.

Rechtskräftig ist das Urteil nicht. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre und sieben Monate Haft gefordert und will das Urteil von vier Jahren nicht hinnehmen: Sie legte Anschlussberufung zur Strafzumessung ein. Høiby selbst hatte schon am Urteilstag Berufung gegen den Schuldspruch für die beiden Vergewaltigungen und die Misshandlung eingelegt. Die Freisprüche focht die Staatsanwaltschaft nicht an.

Von der Festnahme bis zur Berufung

  1. August 2024
    Festnahme und erster Verteidiger

    Nach dem Vorfall auf Frogner wird Høiby festgenommen; Øyvind Bratlien übernimmt die Verteidigung.

  2. Februar 2025
    Neues Verteidigerteam

    Ellen Holager Andenæs und Petar Sekulic lösen Bratlien ab.

  3. 2. Februar 2026
    Untersuchungshaft

    Høiby wird in Haft genommen, der Prozess vor dem Oslo tingrett beginnt.

  4. 15. Juni 2026
    Vier Jahre Haft in Oslo

    Das tingrett verurteilt ihn in 34 von 40 Punkten; beide Seiten legen Berufung ein.

  5. Juli 2026
    Fußfessel auf Skaugum

    Høiby darf die Untersuchungshaft zu Hause verbüßen.

  6. 24. September 2026
    Dritter Anwaltswechsel

    Greaker und Storrvik übernehmen von Andenæs und Sekulic.

  7. 9. Februar 2027
    Beginn der Berufungsverhandlung

    Bis 5. März 2027 sind vier Wochen und 16 Verhandlungstage angesetzt.

Neue Strategie, neue Zeugen

Greaker begründet den Wechsel nüchtern: Es sei ein prozessuales Recht, zwischen Tingrett und Lagmannsrett den Verteidiger zu wechseln. Høiby wünsche sich eine neue Strategie und „neue Augen“ auf den Fall. Wie die Berichterstattung von NRK über den Verteidigerwechsel zeigt, kündigte die Kanzlei zugleich eine eigene Beweisantragsliste an.

Im Zentrum der neuen Verteidigung sollen zusätzliche Beweise und Zeugen stehen, die im Tingrett nicht zur Sprache kamen. Greaker nannte Zeugen, die das Verhältnis zwischen Høiby und Haukland beleuchten sollen – welche genau, wollte die Kanzlei noch nicht sagen. Ziel ist der Freispruch von den schwersten noch offenen Vorwürfen.

„Alexander Greaker sagte: „Wir werden das ganz klar tun. Wir haben bereits mehrere Zeugen, die wir auf die Beweisantragsliste setzen werden, aber wir kommentieren derzeit nicht, wer das ist.““
Alexander Greaker, neuer Strafverteidiger von Marius Borg Høiby

Fußfessel statt Freilassung

Høiby sitzt seit dem 2. Februar 2026 in Untersuchungshaft und darf seit Juli 2026 mit elektronischer Fußfessel zu Hause auf Skaugum bleiben. Statt wie früher eine Freilassung zu beantragen, setzt die neue Verteidigung nach veröffentlichten Angaben darauf, die Zeit mit Fußfessel weiterlaufen zu lassen – angerechnete Haft verkürzt später eine Strafe. Über Høibys Verzicht auf Freilassung und seine Jobsuche wurde bereits berichtet.

Die abgelöste Verteidigerin Ellen Holager Andenæs reagierte gelassen: Es sei oft eine gute Idee, in der Ankerrunde neue Augen auf den Fall zu bekommen – sie rate das häufig, Dramatik liege nicht vor. Petar Sekulic erklärte, er habe den Bescheid am Mittwochabend erhalten; es sei ein Recht, das man habe, und man nehme es zur Kenntnis. Der Strafverteidiger Nils Christian Nordhus sieht einen Kompetenzgewinn: Storrvik sei intelligent und tüchtig, und Høiby sei privilegiert, weil er bislang aus Norwegens besten Anwälten habe wählen können.

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16 Verhandlungstage ab Februar 2027

Das Borgarting lagmannsrett teilte mit, der Verteidigerwechsel habe keinen Einfluss auf die Terminierung oder den Fortgang des Verfahrens. Die Berufungsverhandlung soll vom 9. Februar bis 5. März 2027 dauern – vier Wochen, 16 Verhandlungstage.

Im Tingrett-Verfahren berichteten rund 200 akkreditierte in- und ausländische Journalisten. Die dänische BT-Redakteurin Fie West nennt vor allem die Ankündigung neuer Beweise und Zeugen eine „Bombe“; die Berufungsverhandlung werde weltweit massiv verfolgt und für das norwegische Königshaus eine große Belastung bleiben. Die neuen Verteidiger erklären, sie bereiteten sich auf dieses Ausmaß vor, ohne sich davon beeinflussen zu lassen. Ob die neuen Zeugen den Schuldspruch kippen, entscheidet sich ab dem 9. Februar 2027.