Ryanair streicht zum Winter 2026 rund 700.000 Sitze in Deutschland – etwa zehn Prozent des Angebots. Die Basis am Flughafen Berlin-Brandenburg mit sieben stationierten Flugzeugen und ihren Crews schließt zum 24. Oktober 2026, die Berlin-Kapazität halbiert sich damit. Der Streit dreht sich um Gebühren und Steuern.
Wie aus der Mitteilung von Ryanair zum Winterflugplan 2026 hervorgeht, verlagert die Airline die sieben Maschinen in „wettbewerbsfähigere Märkte“. In Berlin fallen zwölf Strecken weg, darunter Verbindungen nach Gran Canaria, Palermo und Thessaloniki. Damit sinkt die Zahl der Ryanair-Flüge von und nach Berlin im Winter um die Hälfte.
„Deutschland ist Europas großer Luftverkehrsmarkt mit der schlechtesten Erholung, weil die deutsche Bundesregierung ihre Krise der Wettbewerbsfähigkeit im Luftverkehr weiterhin ignoriert.“
Der Vorwurf zielt auf die Bundesregierung, nicht allein auf den Flughafen. Ryanair verlangt seit Monaten niedrigere Standortkosten. Die Schließung der Berliner Basis hatte die Airline bereits Ende April 2026 angekündigt – damals mit Verweis auf geplante Entgeltsteigerungen von zehn Prozent für die Jahre 2027 bis 2029. Der Flughafen widersprach dieser Darstellung.
Warum Ryanair den BER für den schlechtesten Flughafen Europas hält
In der Mitteilung nennt Ryanair den Flughafen Berlin-Brandenburg den „erfolglosesten Flughafen Europas“. Das Unternehmen verweist auf Flughafengebühren, die seit 2019 um mehr als 50 Prozent gestiegen seien, und auf ein Passagieraufkommen, das von 36 Millionen (2019) auf 26 Millionen (2025) gefallen ist. Die Betreibergesellschaft hält dagegen: Die Entgelte am BER seien seit der Eröffnung 2020 trotz Inflation stabil geblieben.
Die 36 Millionen Passagiere von 2019 entfallen noch auf die damals zwei Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld. Ryanair-Chef Eddie Wilson lässt die Entgelt-Argumentation des BER nicht gelten: „Berlin ist mit Abstand der größte Verlierer“, sagt er. Zugleich geriet die Airline selbst mit Gebühren vor Gericht: Das Urteil zur 55-Euro-Check-in-Gebühr von Ryanair kippte im September 2026 die Schaltergebühr.
Ryanairs Rückzug aus Berlin und Deutschland
- 201936 Millionen Passagiere in Berlin
An den damals zwei Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld zählt die Stadt 36 Millionen Fluggäste – die Referenzzahl, auf die sich Ryanair beruft.
- 2020Der BER eröffnet
Laut Betreibergesellschaft bleiben die Flughafenentgelte seither trotz Inflation stabil.
- Anfang 2025Streit mit der Berliner Flugsicherung
Ryanair attackiert die Berliner Flugsicherung. Die erwidert, Ryanair kenne die Zuständigkeiten am Berliner Flughafen offenbar noch nicht.
- Ende April 2026Ryanair kündigt das Aus der Berliner Basis an
Die Airline will sieben Flugzeuge abziehen und verweist auf geplante Entgeltsteigerungen von zehn Prozent in den Jahren 2027 bis 2029. Der Flughafen widerspricht.
- 1. Juli 2026Bund nimmt Steuererhöhung zurück
Die Bundesregierung nimmt die letzte Erhöhung der Luftverkehrsteuer zurück. Ryanair nennt die Senkung nicht ausreichend.
- 7. Oktober 2026Rückzug aus Bremen, Leipzig/Halle und Dresden
Bekannt wird, dass Ryanair sich im Sommer 2027 ganz aus Bremen zurückzieht; das Ende von Leipzig/Halle und Dresden ab Sommer 2027 wird bestätigt.
- 24. Oktober 2026Geplante Schließung am BER
Die Basis mit sieben Flugzeugen und ihren Crews soll schließen; die Berlin-Kapazität sinkt damit um die Hälfte.
Hamburg verliert, Köln/Bonn und Memmingen gewinnen
Nicht nur Berlin ist betroffen, doch die Verschiebung folgt einem Muster. Hamburg verliert fünf Prozent seiner Ryanair-Kapazität. Köln/Bonn legt um zehn Prozent zu, Memmingen um zwölf Prozent. Saarbrücken und Friedrichshafen stehen erstmals im Winterflugplan der Airline. Kapazität wandert dorthin, wo die Kosten niedriger sind.
Ryanair-Kapazität im Winter 2026: Veränderung zum Vorjahr in Prozent
Berlin nach Schließung der Basis am BER
Erst am 7. Oktober 2026 war bekannt geworden, dass Ryanair sich im Sommer 2027 ganz aus Bremen zurückzieht; auch Leipzig/Halle und Dresden fallen ab Sommer 2027 aus dem Programm. Laut dem Bericht des Tagesspiegels über die gestrichenen BER-Strecken springen andere Fluggesellschaften ein – ob sie die halbierte Berliner Kapazität ausgleichen, ist offen.
Ryanair macht die Rückkehr von der Bundesregierung abhängig
Adressat der Forderungen ist Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU). „Ryanair ist bereit, Flugzeuge, Strecken, Verkehr und Arbeitsplätze in Deutschland hinzuzufügen – aber nur, wenn die Bundesregierung endlich handelt, um ihre Flughäfen wettbewerbsfähig zu machen“, sagt Wilson. Die Schließung am 24. Oktober dient als Druckmittel.
Die Bundesregierung hatte am 1. Juli 2026 die letzte Erhöhung der Luftverkehrsteuer zurückgenommen. Ryanair nannte das nicht ausreichend – der Konzern verlangt weitere Schritte. Bereits Anfang 2025 war die Airline mit der Berliner Flugsicherung aneinandergeraten; die Behörde erwiderte, Ryanair kenne die Zuständigkeiten am Berliner Flughafen offenbar noch nicht.
Bis zum 24. Oktober bleibt offen, ob der Bund auf Ryanairs Forderungen eingeht und ob der BER den Wegfall der Basis ausgleichen kann. Die Airline hat angekündigt, in wettbewerbsfähigere Märkte abzuwandern – und zugleich erklärt, zurückzukommen, wenn die Bedingungen stimmen. Ob Berlin danach noch eine Ryanair-Basis hat, entscheidet sich an diesem Tag.
