Über 30 überwiegend jugendliche Ungebetene haben am späten Samstagabend versucht, eine private Geburtstagsparty im Potsdamer Ortsteil Bornstedt zu stürmen. Die Polizei wurde um 23:15 Uhr am 10. Oktober alarmiert.
Nach Angaben der Polizeidirektion West wollten die Angereisten gegen den Willen der Veranstalterin auf das Grundstück gelangen. Beim Versuch, sich Zutritt zu verschaffen, wurde das Zugangstor beschädigt, wie rbb24 über den Polizeieinsatz in Bornstedt berichtet. Veröffentlicht wurden die Angaben am Sonntag, 11. Oktober.
Die Einsatzkräfte deeskalierten die Lage mit mehreren Einsatzmitteln und kontrollierten die Anwesenden. Wegen des beschädigten Tors laufen Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung. Ein 25-Jähriger trug Pfefferspray bei sich; gegen ihn wurde eine Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz aufgenommen.
Die Information über die private Feier war nach Angaben der Polizei über einen Messengerdienst verbreitet worden. Wer die Nachricht weiterschickte, ist bislang nicht bekannt.
Die Vorfälle reißen nicht ab
Der Einsatz in Bornstedt steht nicht allein. Mitte September störten rund 20 ungebetene Personen eine private Feier in der Jägervorstadt: Sie rüttelten am Zaun, stahlen den Autoschlüssel des Hauseigentümers und fuhren einige Meter mit dessen Mercedes, wie aus dem Bericht über die wiederkehrenden Partystörungen in Potsdam hervorgeht.
Von der Clubschließung bis zur Geburtstagsparty in Bornstedt
- August 2025Der Club 18 am Stern schließt
Wegen wiederkehrender Gewaltvorfälle stellt der Jugendclub den Betrieb ein – bis heute hat er nicht wieder geöffnet.
- 25. September 2026Feier in der Jägervorstadt gestört
Rund 20 ungebetene Personen werden abgewiesen, werden aggressiv, stehlen den Autoschlüssel des Eigentümers und fahren einige Meter mit dessen Mercedes.
- 26. September 2026Drei Gymnasiasten teils schwer verletzt
In Kohlhasenbrück werden drei Schüler der Marienschule angegriffen; einer der 17- und 18-Jährigen muss auf der Intensivstation behandelt werden.
- 6. Oktober 2026Angriff im Schlaatz
Ein 19-Jähriger kommt mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus; etwa zehn Unbekannte sollen ihn umringt, geschlagen und getreten haben.
- 7. Oktober 2026Stadtverordnete machen Gewalt zum Querschnittsthema
Der Hauptausschuss beschließt auf Antrag von SPD, Grüne/Volt und CDU, Jugendgruppengewalt zu priorisieren.
- 10. Oktober 2026Geburtstagsparty in Bornstedt
Mehr als 30 ungebetene Gäste versuchen gegen den Willen der Veranstalterin auf das Grundstück zu gelangen; das Tor wird beschädigt.
In Potsdam verzeichnet die Polizei seit Monaten Gewalt- und Raubstraftaten von Jugendgruppen. Sie hat deshalb eine eigene Ermittlungsgruppe eingerichtet, in der die relevanten Vorgänge gebündelt werden. Am 8. Oktober bestätigte sie, dass einzelne mutmaßliche Hauptakteure identifiziert und festgenommen worden seien.
Stadt und Land unter Druck
Potsdams Politik hat reagiert: Am 7. Oktober beschloss der Hauptausschuss der Stadtverordneten auf Antrag von SPD, Grüne/Volt und CDU, Jugendgruppengewalt zum prioritären Querschnittsthema der Stadtverwaltung zu machen. Oberbürgermeisterin Noosha Aubel soll dafür eine ressortübergreifende Koordination einrichten. Vergleichbare Lagen treffen auch andere Städte: In Stade ringt die Stadt nach einer Gewaltwelle um Sicherheit.
Potsdams Oberbürgermeisterin Noosha Aubel verweist auf die Arbeit der Verwaltung und räumt ein, dass davon von außen bislang wenig sichtbar ist.
„Es geht darum, wirksam auf die Taten zu reagieren. Und das versuchen wir. Auch wenn das für Sie aktuell nicht sichtbar ist, arbeiten viele engagierte Mitarbeitende daran.“
Innenminister fordert mehr Härte
Schärfer als die Stadt formuliert Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU). Er will, dass die Polizei den Gruppen mit repressivem Druck begegnet, und benennt das Ziel offen:
„Wir müssen beraten, was kann man als Polizei tun, um repressiven Druck aufzubauen, um dem Einhalt zu gebieten.“
Die Verfahren laufen, die Frage bleibt
Die Verfahren wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung laufen, gegen den 25-Jährigen wird wegen des mitgeführten Pfeffersprays ermittelt. Ob Anklagen folgen, ist offen. Offen ist auch, ob die neue Koordination der Stadt und die Ermittlungsgruppe den nächsten Andrang auf eine private Feier verhindern.
