Staatsanwaltschaft Itzehoe ermittelt gegen CDU-Politiker Karabacak
Bild: KI-generiert
Vorgetäuschte Straftat

Staatsanwaltschaft Itzehoe ermittelt gegen CDU-Politiker Karabacak

Er zeigte an, sein Auto sei beschädigt und mit einem fremdenfeindlichen Flyer versehen worden. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Itzehoe gegen den CDU-Politiker Baris Karabacak selbst – der Verdacht: Er soll den Angriff vorgetäuscht haben. Seine Partei droht mit Ausschluss.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Die Staatsanwaltschaft Itzehoe ermittelt gegen den CDU-Politiker Baris Karabacak aus Uetersen. Der Vorwurf: Der 39-Jährige soll einen fremdenfeindlichen Angriff auf sein eigenes Auto vorgetäuscht haben. Karabacak bestreitet das über seinen Anwalt. Die Behörde bestätigte die Ermittlungen am 12. Oktober 2026.

Ausgelöst hat den Fall Karabacak selbst: In der Nacht auf den 23. September 2026 sei sein Wagen beschädigt und eine Scheibe eingeschlagen worden, an dem Fahrzeug soll ein Wahlkampfflyer mit der handschriftlichen Botschaft „KEINE TÜRKEN – ALLE RAUS“ befestigt gewesen sein. Karabacak erstattete Anzeige, die Polizei ermittelte zunächst wegen des Verdachts der Volksverhetzung.

Von der Nominierung bis zur Bestätigung der Ermittlungen

  1. 6. März 2026
    CDU Uetersen nominiert Karabacak

    Die CDU Uetersen macht Baris Karabacak zum ersten Kandidaten für die Bürgermeisterwahl im Herbst 2026.

  2. 27. März 2026
    Anfeindung im Netz

    Ein inzwischen gelöschter Social-Media-Kommentar greift Karabacaks Herkunft an; der Einwandererbund aus Elmshorn warnt vor Folgen für den politischen Diskurs.

  3. 23. September 2026
    Anzeige nach beschädigtem Auto

    In der Nacht auf Mittwoch wird Karabacaks Auto beschädigt, eine Scheibe eingeschlagen. Karabacak erstattet Anzeige.

  4. 24. September 2026
    Staatsanwaltschaft zweifelt

    Die Behörde sieht „konkrete Anhaltspunkte“, dass die Darstellung nicht der Realität entsprechen könnte, und leitet ein Verfahren wegen Vortäuschens einer Straftat ein.

  5. 27. September 2026
    Wahl in Uetersen

    Woschei gewinnt mit 51,3 Prozent, Schöpp erreicht 38,1 Prozent, Karabacak kommt auf 769 Stimmen (10,7 Prozent).

  6. 11. Oktober 2026
    Erster Medienbericht

    Die „Bild“-Zeitung berichtet über die Ermittlungen gegen Karabacak.

  7. 12. Oktober 2026
    Staatsanwaltschaft bestätigt

    Die Behörde bestätigt auf NDR-Anfrage Ermittlungen, Durchsuchung und Beschlagnahme; weitere Medien berichten.

Ein Durchsuchungsbeschluss und ein beschlagnahmtes Gerät

Einem Bericht über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Itzehoe zufolge wurde in dem Verfahren ein Durchsuchungsbeschluss erlassen und vollstreckt. Unter anderem beschlagnahmten die Ermittler ein elektronisches Gerät, das ausgewertet wird. Ein Ergebnis nannte die Behörde bislang nicht.

Behördensprecher Peter Müller-Rakow sagte, bereits am 24. September 2026 hätten sich „konkrete Anhaltspunkte dafür ergeben, dass diese Darstellung nicht der Realität entsprechen könnte“. Das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Vortäuschens einer Straftat läuft seitdem – drei Tage vor der Bürgermeisterwahl in Uetersen.

Nur 769 Stimmen bei der Bürgermeisterwahl

Laut dem Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Uetersen wurde Amtsinhaber Dirk Woschei (SPD) am 27. September 2026 mit 51,3 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Der parteilose Marvin Schöpp kam auf 38,1 Prozent. Karabacak landete mit 769 Stimmen und 10,7 Prozent auf Platz 3.

Woschei nannte den Fall einen „Angriff auf die demokratische Kultur der Stadt“. Die CDU Uetersen hatte Karabacak im März 2026 als ersten Kandidaten für das Amt nominiert. Schon Ende März griff ein inzwischen gelöschter Kommentar in sozialen Netzwerken seine Herkunft an; der Einwandererbund aus Elshorn warnte vor Folgen für den politischen Diskurs.

Stimmen bei der Bürgermeisterwahl in Uetersen am 27. September 2026

Woschei 51,3 %, Schöpp 38,1 %, Karabacak 10,7 %

Quelle: wahlen-sh.de

Kilian droht mit Parteiausschluss

Druck kommt nun aus der eigenen Partei. CDU-Generalsekretär Lukas Kilian (Schleswig-Holstein) forderte Karabacak im Fall einer Bestätigung der Vorwürfe zum Parteiaustritt auf; andernfalls drohe ein Parteiausschluss.

„Die erhobenen Vorwürfe machen mich fassungslos. Wer eine rassistische Straftat vortäuscht, missbraucht die Solidarität vieler Menschen und verhöhnt die Opfer echten Rassismus. Dafür gibt es in der CDU keinen Platz.“
Lukas Kilian, CDU-Generalsekretär Schleswig-Holstein

Mit ähnlicher Härte hatte zuletzt die Linke auf Vorwürfe gegen einen eigenen Abgeordneten reagiert: Dietmar Bartsch verlangte von seiner Partei eine Aufklärung der Vorwürfe bis hin zum Ausschluss.

Karabacak bestreitet die Vorwürfe

Karabacaks Anwalt Mutlu Günal wies die Vorwürfe zurück: Sein Mandant bestreite „den gegen ihn erhobenen Vorwurf mit Nachdruck“.

Umfrage
Lädt

Offen ist der Ausgang des Verfahrens: Die Staatsanwaltschaft wertet das beschlagnahmte Gerät aus, über eine mögliche Anklage ist nichts bekannt. Bestätigen sich die Vorwürfe, droht Karabacak der Parteiausschluss; bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung gilt für ihn die Unschuldsvermutung.