Bartsch fordert Aufklärung von der Linken – notfalls Ausschluss
Bild: KI-generiert
Antisemitismus-Debatte

Bartsch fordert Aufklärung von der Linken – notfalls Ausschluss

Dietmar Bartsch verlangt von seiner Partei, die Vorwürfe gegen den Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak restlos aufzuklären – notfalls mit einem Ausschlussverfahren. In Berlin hängt davon die geplante Koalition mit SPD und Grünen ab.

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Dietmar Bartsch verlangt von seiner Partei, die Antisemitismus- und Clan-Kontakt-Vorwürfe gegen den Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak restlos aufzuklären – notfalls mit einem Ausschlussverfahren. Der frühere Vorsitzende der Linken-Bundestagsfraktion macht das in seinem Interview mit dem stern (Nr. 40/2026) zur Bedingung.

Koçak steht seit Wochen unter Druck. Ihm werden Chatkontakte zu Firas Remmo vorgehalten, dem Sohn von Issa Remmo. Bartsch kündigt an, den Vorgang in der Bundestagsfraktion zu beraten.

„Ich erwarte, dass Ferat Kocak alles restlos aufklärt. Das ist schon alles dubios.“
Dietmar Bartsch, Bundestagsabgeordneter Die Linke

Bartsch war selbst Vorsitzender der Bundestagsfraktion und spricht mit Gewicht. Dass er eine Beratung in der Fraktion ankündigt, setzt Koçak unter Druck – und trifft die Partei mitten in der Berliner Regierungsbildung.

Clanchef auf der Neuköllner Wahlparty

Ausgelöst hatte die Debatte die Wahlparty des Linken-Kreisverbands Neukölln nach dem Berliner Wahlsieg am 20. September 2026. Dort erschienen der als Clanchef bezeichnete Issa Remmo und der Aktivist Ibrahim Ibrahim.

Koçak zog daraus die Konsequenz: Am 30. September 2026 gab er seinen Sitz im Innenausschuss des Bundestags auf, sein Mandat behält er. Er räumte ein, „naiv und mit der Situation überfordert“ gewesen zu sein.

Wie es zum Streit in der Linken kam

  1. 16. März 2026
    Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter verlässt die Linke

    Andreas Büttner tritt aus der Partei aus – aus Protest gegen einen Antrag des niedersächsischen Landesverbands, der Israel „Genozid“ und „Apartheid“ vorwirft.

  2. 20. September 2026
    Linke gewinnt Berlin, Remmo erscheint auf der Wahlparty

    Mit Spitzenkandidatin Elif Eralp wird die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. Am Wahlabend erscheinen Issa Remmo und der Aktivist Ibrahim Ibrahim auf der Party des Kreisverbands Neukölln.

  3. 23. September 2026
    Bartsch weist Vorwürfe bei Phoenix zurück

    Im Sender sagt Bartsch, er sei dagegen, „dass man jetzt die Linke in Berlin denunziert“.

  4. 25. September 2026
    Bartsch nennt Regierung mit Linken „keine Drohung“

    Im ARD-„Morgenmagazin“ räumt er ein, viele Jüdinnen und Juden machten sich Sorgen.

  5. 1. Oktober 2026
    stern erscheint, Vorgespräche beginnen

    Bartsch fordert im Interview Aufklärung. In Berlin starten die Vorgespräche von Linken, Grünen und SPD.

SPD und Grüne verlangen Aufklärung

Die Linke war aus der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 mit 25,7 Prozent als stärkste Kraft hervorgegangen. Sie strebt eine Koalition mit SPD und Grünen an – beide Partner machen die Klärung der Antisemitismus-Frage zur Bedingung für Sondierungen.

Druck kommt auch von außen: Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir verlangte bereits Ende September Parteiausschlüsse von Antisemiten bei der Berliner Linken.

Die künftige Linke-Fraktion im Abgeordnetenhaus will gegensteuern. Sie will die Mandatsträgervereinbarung gegen Antisemitismus in ihre Fraktionssatzung aufnehmen und damit für die ganze Legislaturperiode bindend machen.

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Bartsch weist den Antisemitismus-Vorwurf zurück

Den Vorwurf, die Linke sei eine antisemitische Partei, weist Bartsch zurück. Im stern sagt er, er wäre nie in einer antisemitischen Partei gewesen – das gelte ebenso für Gregor Gysi, Bodo Ramelow und Petra Pau.

„Ich wäre nie in einer antisemitischen Partei.“
Dietmar Bartsch, Bundestagsabgeordneter Die Linke

Zugleich warnt Bartsch davor, das Antisemitismus-Thema gegen seine Partei zu instrumentalisieren. Schon am 23. September hatte er im Sender Phoenix gesagt: „Ich bin dagegen, dass man jetzt die Linke in Berlin denunziert.“

Eine Regierungsbeteiligung der Linken in Berlin nannte er Ende September „keine Drohung“. Im ARD-„Morgenmagazin“ räumte er allerdings ein, dass sich viele Jüdinnen und Juden Sorgen machten.

Ramelow wird als Zionist beschimpft

Auch in der Partei selbst eskaliert der Ton. Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow beklagt, er werde in seiner eigenen Partei als Zionist beschimpft – und die Partei schweige dazu.

„Ich werde in meiner Partei als Zionist beschimpft, und meine Partei schweigt dazu. Als wäre Zionist ein Schimpfwort!“
Bodo Ramelow, Bundestagsvizepräsident Die Linke

Berlins Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp wehrt sich gegen den Antisemitismusvorwurf: „Niemand darf mich eine Antisemitin nennen. Ich habe weder jemals in meinem Leben etwas Antisemitisches gesagt noch getan.“ Zugleich räumte sie Fehler in der Berliner Linken ein.

Auch von außen kommt Gegenwind: Der Zentralrat der Juden hatte schon Ende September eine Warnung vor der Koalition mit der Linken ausgesprochen.

Am 1. Oktober begannen in Berlin die Vorgespräche von Linken, Grünen und SPD. Ob daraus Sondierungen werden, hängt auch am Fall Koçak: Solange der Abgeordnete die Vorwürfe nicht ausräumt, hält Bartsch ein Ausschlussverfahren für möglich.