Hamburger Grüne nehmen Vorstoß gegen Naturkundemuseum zurück
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Koalitionskrise

Hamburger Grüne nehmen Vorstoß gegen Naturkundemuseum zurück

Die Grünen in Hamburg kippen ihren Vorstoß gegen das Naturkundemuseum – drei Tage nach einem Alleingang, der die Koalition mit der SPD in eine Krise stürzte. Fraktionschef Gwosdz nennt die Forderung vom Freitag einen Fehler; SPD und CDU hatten scharf kritisiert.

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Die Hamburger Grünen nehmen ihren Vorstoß gegen das Naturkundemuseum zurück – drei Tage nach einem Alleingang, der die Koalition mit der SPD in eine Krise stürzte. Fraktionschef Michael Gwosdz nannte die Forderung am Montag, 12. Oktober 2026, einen Fehler, wie die Welt über den Grünen-Rückzieher berichtet.

Am Freitag zuvor hatte die Bürgerschaftsfraktion gefordert, ganz auf das Museum zu verzichten. Begründet wurde das mit der angespannten Haushaltslage. Mit dem Koalitionspartner SPD war der Vorstoß nicht abgestimmt, er verärgerte auch die grünen Senatorinnen Katharina Fegebank und Maryam Blumenthal.

„Unser öffentlicher Vorstoß vom Freitag war vor diesem Hintergrund ein Fehler.“
Michael Gwosdz, Fraktionschef der Grünen in der Hamburgischen Bürgerschaft

Der Alleingang vom Freitag

Konkret geht es um ein Angebot von Büll & Liedtke über 495 Millionen Euro für einen Museumsbau am Standort Besenbinderhof. Es war am Freitag, 9. Oktober, öffentlich geworden – am selben Tag forderte die Grünen-Fraktion überraschend den Verzicht auf das Projekt.

Gwosdz begründete den Vorstoß mit dem Haushalt: Man könne nicht bei Kitas, Schulen und Hochschulen um jeden Euro ringen und gleichzeitig knapp eine halbe Milliarde Euro für ein großes Museumsprojekt ausgeben. Der Fraktionschef stellte sich damit gegen die Linie des eigenen Senats.

Mit dem Koalitionspartner war der Vorstoß nicht abgestimmt – SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf machte das am Montag öffentlich.

„Der Vorstoß der Grünen war mit uns nicht abgestimmt.“
Dirk Kienscherf, Fraktionschef der SPD Hamburg

Erst das Elbtower-Ergebnis, dann eine Entscheidung

Mit dem Rückzug wollen die Grünen nun die Ergebnisse des laufenden Verhandlungsprozesses zum Elbtower abwarten und anschließend mit der SPD weiter beraten, dass die Grünen doch an den Museumsplänen festhalten.

Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne), die der Vorstoß verärgert hatte, warb am Montag für das Abwarten: „Es macht sehr viel Sinn, erst einmal das Ergebnis der Verhandlungen abzuwarten und dann anschließend eine klare Entscheidung zu treffen.“

Die Linke fordert eine ergebnisoffene Prüfung günstigerer Standorte. Stadtentwicklungspolitiker Marco Hosemann sagte, es gebe keine Frist und keine Dringlichkeit für die Umsetzung. CDU-Fraktionschef Dennis Thering warf den Grünen vor, ihr Nein ersetze kein tragfähiges Konzept.

Scharf äußerte sich die AfD. Fraktionschef Dirk Nockemann sagte, erst hätten die Grünen das 600-Millionen-Euro-Luftschloss im Elbtower gegen jede Vernunft durchgepeitscht, nun verlasse man das sinkende Schiff.

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Was Hamburg 2021 zugesagt hat

Grundlage der Debatte ist der 2021 von der Hamburgischen Bürgerschaft beschlossene Staatsvertrag mit Nordrhein-Westfalen. Er sieht die Einrichtung eines Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels vor, das rund 10 Millionen Sammlungsobjekte in Hamburg beherbergen soll.

Darin verpflichtete sich Hamburg, innerhalb der nächsten Jahre ein neues Gebäude für die Sammlungen zu errichten. Vorausgegangen war 2020 die Weiterentwicklung des Hamburger Centrum für Naturkunde gemeinsam mit dem Bonner Museum Koenig zum Leibniz-Institut; danach wurden die Planungen für ein neues Museum konkret.

Von der Zerstörung 1943 bis zur Debatte 2026

  1. 1943
    Operation Gomorrha zerstört das Museum

    Das Naturhistorische Museum am Hamburger Steintorwall wird bei der Operation Gomorrha zerstört. Die Sammlungen werden gerettet und später auf mehrere Standorte verteilt.

  2. 2020
    Centrum für Naturkunde wird Leibniz-Institut

    Das Hamburger Centrum für Naturkunde wird gemeinsam mit dem Bonner Museum Koenig zum Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels weiterentwickelt. Die Planungen für ein neues Museum werden konkret.

  3. 2021
    Bürgerschaft beschließt Staatsvertrag

    Hamburg verpflichtet sich gegenüber Nordrhein-Westfalen, innerhalb der nächsten Jahre ein neues Gebäude für die Sammlungen zu errichten.

  4. 9. Oktober 2026
    Grünen-Fraktion fordert den Verzicht

    Das Angebot von Büll & Liedtke über 495 Millionen Euro für den Standort Besenbinderhof wird öffentlich. Die Grünen-Fraktion fordert überraschend den Verzicht auf das Museum; SPD und CDU kritisieren scharf.

  5. 12. Oktober 2026
    Gwosdz nennt den Vorstoß einen Fehler

    Der Fraktionschef nimmt die Forderung zurück. Die Grünen wollen nun das Ergebnis der laufenden Elbtower-Verhandlungen abwarten und danach mit der SPD beraten.

  6. 14. Oktober 2026
    CDU beantragt Aktuelle Stunde

    Die CDU lässt die Vorgänge rund um das Naturkundemuseum in der Aktuellen Stunde der Bürgerschaft debattieren.

Am Mittwoch debattiert die Bürgerschaft

Die CDU lässt die Vorgänge rund um das Naturkundemuseum am Mittwoch, 14. Oktober, in der Aktuellen Stunde der Bürgerschaft debattieren. Der Streit über das Museum bekommt damit einen festen Termin im Parlament – zwei Tage, nachdem die Grünen ihren Vorstoß zurückgenommen haben.

Offen ist, wann die Koalition über das Museum entscheidet. Die Grünen wollen dafür erst das Ergebnis der Elbtower-Gespräche abwarten, eine Frist gibt es nach Einschätzung der Linken nicht. Am Mittwoch müssen sie sich im Parlament erklären.