Clara von Nathusius hält Brandmauer zur AfD für gescheitert
Clara von Nathusius, Bundesschatzmeisterin der Jungen Union, hält die Brandmauer zur AfD für gescheitert – und sagt das offen gegen die eigene Partei. Bei der stern-Stunde in Hamburg traf sie auf den Linke-Politiker Gregor Gysi, der Steuern nach Leistungsfähigkeit fordert.
Clara von Nathusius, Bundesschatzmeisterin der Jungen Union, griff am Montagabend bei der stern-Stunde in Hamburg den Kurs ihrer eigenen Partei an. Sie sagte: „Wir sind hinter der Brandmauer gefangen, nicht die AfD.“
Die stern-Stunde „Wie gerecht ist Deutschland?“ fand am Montag, 12. Oktober 2026, um 19 Uhr im KörberForum in der Kehrwieder 12 in Hamburg statt. Die Veranstaltung trugen stern und Körber-Stiftung gemeinsam, durch den Abend führte stern-Chefredakteur Gregor Peter Schmitz. Auf dem Podium saßen der 78-jährige Linke-Politiker und Rechtsanwalt Gregor Gysi und Clara von Nathusius.
„Wir sind hinter der Brandmauer gefangen, nicht die AfD.“
Clara von Nathusius, Bundesschatzmeisterin der Jungen Union
Brandmauer-Debatte trifft den eigenen Kanzler
Der Satz fiel nicht zum ersten Mal. Schon am 13. September nannte von Nathusius im ARD-„Bericht aus Berlin“ die Brandmauer ein „gescheitertes Projekt“ – eine Woche nach der herben CDU-Niederlage bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September, bei der die AfD stark zulegte.
Dass die Abgrenzungsfrage die Union auch außerhalb Hamburgs umtreibt, zeigt der Streit um die Brandmauer bei Maischberger: Dort stritt Gysi mit dem CDU-Politiker Rödder über genau diese Frage.
Von Nathusius sagte über den eigenen Kanzler: „Wir haben ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Das ist nicht nur an Friedrich Merz aufgehängt, aber auch. Und deswegen glaube ich leider, sind mit diesem Bundeskanzler keine Wahlen mehr zu gewinnen.“
„Wir haben ein massives Glaubwürdigkeitsproblem. Das ist nicht nur an Friedrich Merz aufgehängt, aber auch. Und deswegen glaube ich leider, sind mit diesem Bundeskanzler keine Wahlen mehr zu gewinnen.“
Clara von Nathusius, Bundesschatzmeisterin der Jungen Union
Die Kritik kommt aus dem eigenen Lager: Von Nathusius ist Bundesschatzmeisterin der Jungen Union, Politik- und Kommunikationsberaterin und als CDU-Stimme in sozialen Netzwerken präsent. Ihre scharfe Kritik an Kanzler Merz sorgte seit September parteiintern für Widerspruch und Rückendeckung zugleich.
Eigenheim gegen Steuern nach Leistung
Im KörberForum trafen zwei sehr unterschiedliche Antworten auf die Frage des Abends aufeinander. Von Nathusius machte Wohneigentum zum Maßstab für Gerechtigkeit.
„Jeder sollte sich ein Eigenheim leisten können.“
Clara von Nathusius, Bundesschatzmeisterin der Jungen Union
Gysi hielt dagegen: Gerechte Besteuerung müsse an der Leistungsfähigkeit ansetzen. In der Debatte fiel die Zahl einer Staatsquote von 52 Prozent. Damit standen sich zwei Gerechtigkeitsbegriffe gegenüber – Eigentum für möglichst viele auf der einen, Steuern nach Leistungsfähigkeit auf der anderen Seite.
55 Minuten Gespräch und eine offene Frage
Der stern veröffentlichte das Gespräch als Video in voller Länge – 55 Minuten, in denen die Gegensätze zwischen CDU-Nachwuchs und Linker sichtbar werden. Ausschnitte daraus liefen über Instagram, TikTok, Facebook und X. Wer die Argumente im Wortlaut prüfen will, findet die Aufzeichnung des Gesprächs in voller Länge.
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Ob die Union ihren Kurs in der Abgrenzung zur AfD ändert, ist mit dem Abend in Hamburg nicht entschieden. Offen ist auch, wie die Parteispitze auf die Kritik aus dem eigenen Nachwuchs reagiert – und ob von Nathusius’ Vorstoß in der Brandmauer-Frage Folgen hat.