Donald Trump hat den Druck auf Kiew erhöht. Bei einer Pressekonferenz auf dem Südrasen des Weißen Hauses erklärte der US-Präsident am 12. Oktober, Wladimir Putin sei stärker an einer Einigung interessiert als Wolodymyr Selenskyj. Verstöße gegen die gerade verkündete Energie-Waffenruhe habe es „auf beiden Seiten“ gegeben.
„Ich glaube, sie werden eine Einigung erzielen. Ich glaube tatsächlich, dass Putin mehr als Selenskyj daran interessiert ist, einen Deal zu machen.“
Trump forderte, dass sich beide Präsidenten treffen. „Ich weiß nur, dass Selenskyj und Putin sich treffen und diesen sinnlosen Krieg beenden müssen“, sagte er und verwies auf 32.000 Verluste allein in diesem Monat.
Selenskyj hatte am selben Tag auf dem Warschauer Sicherheitsforum per Videoschalte die Durchsetzung der Energie-Waffenruhe gegen Russland verlangt. Die Ukraine habe in der Nacht auf Angriffe auf russische Raffinerien verzichtet. „Wir warten darauf, welche konkreten Schritte die Amerikaner bereit sind zu unternehmen“, sagte er.
Kreml verweigert die Bestätigung
Trump hatte die Energie-Waffenruhe am Abend des 11. Oktober auf Truth Social verkündet, mit sofortiger Wirkung. Rund eine Stunde später griff Russland Charkiw an und beschädigte das zweitgrößte Heizkraftwerk der Ukraine. Selenskyj nannte die Waffenruhe danach „eine Neuigkeit“ für sich.
Der Kreml hat das Inkrafttreten bis heute nicht bestätigt. Sprecher Dmitri Peskow sagte, Russland wolle keine Waffenruhe, sondern dauerhaften Frieden — Selenskyjs Forderung nach einer Waffenruhe hatte Moskau schon Ende Juni sofort zurückgewiesen.
„Wir wollen keine Waffenruhe, wir wollen dauerhaften Frieden.“
Streit um den Diesel-Deal
Auslöser des Streits ist Trumps Ankündigung russischer Diesel-Lieferungen. Am 9. Oktober verkündete er nach einem Telefonat mit dem Kremlchef, die USA setzten Sanktionen gegen russische Treibstoffe vorübergehend aus. Russland solle umgehend 300.000 Tonnen Diesel liefern, im November 500.000 Tonnen, danach eine Million Tonnen. Auf der Pressekonferenz verteidigte er den Schritt: „Ich habe die richtige Entscheidung für das amerikanische Volk getroffen — immer: Amerika zuerst.“
Zugesagte russische Diesel-Lieferungen in die USA
Angaben Trumps nach einem Telefonat mit Putin am 9. Oktober 2026
Sieben US-Senatoren — drei Demokraten, vier Republikaner — halten den Deal für rechtswidrig. Der Kongress hat 2022 russische Energieimporte verboten, wie die Kritik der Senatoren am Diesel-Deal zeigt. Selenskyj nannte die Lieferungen „nicht anständig“ und eine „schwache Entscheidung“; Trump forderte danach, die Ukraine brauche „einen neuen Präsidenten“.
EU verschärft die Sanktionen
In Luxemburg beschlossen die EU-Außenminister am 12. Oktober neue Sanktionen gegen knapp 1.600 Personen und Organisationen. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas forderte Washington auf, den Druck auf Moskau zu erhöhen.
„Wir begrüßen den Waffenstillstand im Energiebereich, wenn er tatsächlich eingehalten wird. Bisher haben wir jedoch noch nicht gesehen, dass sich auch Russland daran halten wird.“
Merz hält an den Sanktionen fest
Bundeskanzler Friedrich Merz stellte sich in Berlin gegen Lockerungen der Russland-Sanktionen: „Für Deutschland und für Europa kommt eine solche Entscheidung nicht infrage. Russland wird nur unter Druck ernsthaft verhandeln, und deshalb halten wir an unseren Russlandsanktionen fest.“ Merz und Selenskyj telefonierten am 12. Oktober.
Am 13. Oktober wird Bundesaußenminister Johann Wadephul zum Warschauer Sicherheitsforum erwartet, bei dem die Ukraine im Zentrum steht. Ob die Energie-Waffenruhe dann noch trägt, ist offen: Der Kreml verweigert die Bestätigung, Charkiw wurde kurz nach Trumps Verkündigung beschossen, und das von Trump geforderte Treffen der Präsidenten hat keinen Termin.
