Deutsche Post erhält Spielraum für 20,35 Prozent mehr Porto
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Bundesnetzagentur

Deutsche Post erhält Spielraum für 20,35 Prozent mehr Porto

Die Bundesnetzagentur räumt der Deutschen Post für 2027 und 2028 einen Erhöhungsspielraum von 20,35 Prozent ein – mehr als doppelt so viel wie 2024. Ein Standardbrief könnte dann 1,10 oder 1,15 Euro kosten.

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Wer heute einen Standardbrief einwirft, zahlt 95 Cent. Ab dem 1. Januar 2027 könnten daraus 1,10 oder 1,15 Euro werden – so teuer war ein Brief in Deutschland noch nie. Der Entwurf der Bundesnetzagentur räumt der Deutschen Post AG einen Spielraum ein, mit dem das Porto im Schnitt um 20,35 Prozent steigen könnte.

Den Entwurf für die Porto-Regulierung 2027/2028 veröffentlichte die Bonner Behörde am 12. Oktober 2026. Der Wert liegt mehr als doppelt so hoch wie im vorherigen Verfahren: 2024 hatte sie der Post 10,48 Prozent zugestanden.

Auch für Pakete wird es teurer. Für Privatkunden-Pakete sieht der Entwurf einen Erhöhungsspielraum von durchschnittlich 10,72 Prozent vor – 2024 waren es 7,21 Prozent. Die neuen Preise sollen vom 1. Januar 2027 bis zum 31. Dezember 2028 gelten.

Die Deutsche Post AG wollte mehr. Die Bundesnetzagentur blieb unter den geforderten Anpassungen und erkannte diverse geltend gemachte Kostenpositionen nicht an. Zugestanden wurden jedoch sämtliche Personal-, Sozial- und Versorgungslasten aus der Rechtsnachfolge der Deutschen Bundespost.

Erhöhungsspielraum für die Deutsche Post im Vergleich

Durchschnittlicher Preiserhöhungsspielraum in Prozent

Quelle: Bundesnetzagentur, Entscheidungsentwurf vom 12. Oktober 2026

Weniger Briefe, höhere Kosten je Sendung

Der Hauptgrund liegt aus Sicht der Behörde in der schrumpfenden Briefmenge. 2005 wurden in Deutschland 16,9 Milliarden Briefsendungen verschickt, 2025 nur noch knapp 9,4 Milliarden. Das ist ein Rückgang um fast 45 Prozent binnen zwanzig Jahren.

Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, nennt die Mechanik selbst: Wenn immer weniger Briefe dieselben Kosten tragen müssen, steigt der Preis je Sendung. Zugleich macht er deutlich, dass die Behörde der Post nicht jede geltend gemachte Kostenposition durchgehen ließ.

„Wesentlicher Grund für das steigende Porto sind die stark abnehmenden Briefmengen. Wenn die Kosten unter anderem aufgrund der zunehmenden Digitalisierung auf weniger Briefe zu verteilen sind, steigen die Preise. Die Bundesnetzagentur ist gleichzeitig unter den geforderten Anpassungen der Deutschen Post AG geblieben und hat diverse geltend gemachte Positionen nicht berücksichtigt.“
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur

1,10 oder 1,15 Euro für den Standardbrief

Wie stark der einzelne Brief teurer wird, hängt davon ab, wie die Post den Spielraum verteilt. Bei gleichmäßiger Anwendung landet der Standardbrief bei rund 1,14 Euro. Weil Preise praktisch in Fünf-Cent-Schritten angepasst werden, wären 1,10 oder 1,15 Euro realistisch.

Bislang lag der höchste durchschnittliche Portoaufschlag bei 10,48 Prozent. 2022 hatte die Bundesnetzagentur im damaligen Verfahren nur 4,6 Prozent zugelassen – der geplante Rekordspielraum für das Briefporto wäre der größte, den die Regulierung der Post je eingeräumt hat.

Verbraucher trifft die Teuerung nicht nur beim Porto: Auch Deutschlandticket soll 2027 auf 66,90 Euro steigen.

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Post und Verbände können noch widersprechen

Ganz beschlossen ist der neue Rahmen nicht. Bis zum 30. Oktober 2026 können Deutsche Post, Wettbewerber, Verbraucherschutzorganisationen und weitere Interessierte Stellungnahmen zum Entwurf abgeben. Die endgültige Entscheidung der Bundesnetzagentur wird für November 2026 erwartet.

Vom 4,6-Prozent-Aufschlag zum Rekordspielraum

  1. 2022
    4,6 Prozent Aufschlag

    Im damaligen Regulierungsverfahren erlaubt die Bundesnetzagentur einen durchschnittlichen Porto-Preisaufschlag von 4,6 Prozent.

  2. 2024
    10,48 Prozent für Briefe, 7,21 Prozent für Pakete

    Im vorherigen Verfahren legt die Behörde den Spielraum für Privatkunden-Brief und Geschäftspost auf 10,48 Prozent fest, für Privatkunden-Pakete auf 7,21 Prozent.

  3. 2025
    Briefmenge fällt auf knapp 9,4 Milliarden Sendungen

    Der bisherige Höchstwert eines durchschnittlichen Portoaufschlags liegt bei 10,48 Prozent. Zugleich sinkt die Zahl der Briefsendungen auf knapp 9,4 Milliarden – 2005 waren es 16,9 Milliarden.

  4. 12. Oktober 2026
    Entwurf mit 20,35 Prozent veröffentlicht

    Die Bundesnetzagentur veröffentlicht in Bonn ihren Entscheidungsentwurf für 2027/2028: 20,35 Prozent Spielraum für Briefe, 10,72 Prozent für Privatkunden-Pakete.

  5. 30. Oktober 2026
    Frist für Stellungnahmen

    Bis dahin können Deutsche Post, Wettbewerber, Verbraucherschutzorganisationen und weitere Interessierte zum Entwurf Stellung nehmen.

  6. November 2026
    Endgültige Entscheidung erwartet

    Die Bundesnetzagentur will dann über den zulässigen Preiserhöhungsspielraum entscheiden.

  7. 1. Januar 2027
    Neue Portopreise sollen gelten

    Der Zeitraum für die neuen Preise reicht bis zum 31. Dezember 2028.

Beschlossen ist der Rahmen erst im November – und ob die Post den Spielraum voll ausschöpft, entscheidet sie danach selbst. Ob ein Standardbrief dann 1,10, 1,14 oder 1,15 Euro kostet, zeigt erst die Preisliste für 2027. Fest steht bis dahin nur: So viel Spielraum wie diesmal hatte die Post noch nie.