Am 3. Dezember soll Nidal Hasan in Fort Hood (Texas) von einem Erschießungskommando erschossen werden – live im Internet. Das Verteidigungsministerium bestätigte am 8. Oktober die geplante Live-Übertragung der Hinrichtung um 13 Uhr Ortszeit. Es wäre die erste Militärhinrichtung der USA seit 1961 und die erste öffentlich übertragene seit 1936.
Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte den Livestream einen Tag zuvor selbst angekündigt. Im Interview mit Real America's Voice an Bord der USS Abraham Lincoln ließ er keinen Zweifel am Vorhaben. Nach letzten Wünschen des Verurteilten gefragt, antwortete er knapp: „Interessiert mich nicht. Wir sehen ihn am 3. Dezember.“
„Er bekommt ein Erschießungskommando aus Soldaten, und wir werden dafür sorgen, dass die Leute zusehen können.“
Erste Militärhinrichtung seit 1961
Der 56-jährige frühere Militärpsychiater hatte am 5. November 2009 auf dem Armeestützpunkt Fort Hood 13 Menschen erschossen und 32 weitere verletzt. Ein Militärgericht verurteilte ihn 2013 zum Tode; Hasan verteidigte sich selbst und rief keine Entlastungszeugen auf. Bei seiner Festnahme wurde er angeschossen – seither ist er von der Hüfte abwärts gelähmt.
Die Vollstreckung wäre ein Bruch mit der jüngeren US-Geschichte: Die letzte Militärhinrichtung fand 1961 statt (John Bennett), die letzte Erschießung eines US-Soldaten 1945 (Eddie Slovik). Eine öffentlich übertragene Hinrichtung gab es zuletzt 1936 in Owensboro (Kentucky). Erst eine Regeländerung von 2023 gab dem Heeresstaatssekretär die Vollmacht, über die Hinrichtungsmethode zu entscheiden – zuvor war seit den 1980er Jahren nur die Giftspritze zugelassen.
Vom Attentat bis zum Erschießungskommando
- 5. November 2009Blutbad in Fort Hood
Hasan erschießt 13 Menschen und verletzt 32 weitere; er wird angeschossen und ist seither von der Hüfte abwärts gelähmt.
- August 2013Todesurteil
Ein Militärgericht spricht Hasan des 13-fachen Mordes und 32-fachen versuchten Mordes schuldig und verurteilt ihn zum Tode.
- 2023Neue Vollmachten
Eine Regeländerung gibt dem Heeresstaatssekretär weitreichende Macht über die Hinrichtungsmethode.
- Februar 2026Vorbereitung mit Giftspritze
Die Army bereitet eine mögliche Vollstreckung zunächst per Giftspritze im Bundesgefängnis Terre Haute (Indiana) vor.
- 6. Oktober 2026Termin steht
Die Army setzt die Hinrichtung auf den 3. Dezember um 13 Uhr Ortszeit in Fort Hood an; Trump genehmigt die Erschießung.
- 8. Oktober 2026Livestream bestätigt
Das Pentagon bestätigt, dass die Hinrichtung im Internet übertragen wird.
- 3. Dezember 2026Geplante Hinrichtung
Hasan soll um 13 Uhr Ortszeit von einem Erschießungskommando getötet werden.
Kritik von Demokraten und Republikanern
Die Ablehnung reicht quer durch beide Parteien. Der demokratische Senator Chris Murphy nannte den Plan „widerlich“ und „mittelalterlich“. Der Demokrat Adam Smith, Abgeordneter im Repräsentantenhaus, sagte, die Übertragung mache sich über das amerikanische Rechtssystem lustig. Auch aus Trumps Partei kommt Kritik: Repräsentantenhaus-Chef Mike Johnson sorgt sich, das Video könnte islamistischen Gruppen als Rekrutierungsinstrument für Terroristen dienen.
Die Vereinten Nationen sehen in dem Livestream eine öffentliche Hinrichtung und damit einen Verstoß gegen das absolute Folterverbot. Die US-Bischofskonferenz unter Erzbischof Paul Coakley nannte die Entscheidung eine „barbarische Förderung einer Kultur des Todes“ und forderte, sie zu überdenken. Auch der Papst mischt sich ein: Papst Leo XIV. nennt Todesstrafe unzulässig mitten im Streit mit dem Weißen Haus.
Trumps Berater zweifeln am Livestream
Vizepräsident JD Vance kündigte an, nicht zuzuschauen: „Wenn es per Livestream läuft, schaue ich nicht zu.“ Trump sagt, er sei an der Livestream-Entscheidung „nicht beteiligt“ gewesen und „verstehe“ sie. ABC News berichtet über Trumps Zögern beim Livestream der Hinrichtung; demnach diskutieren er und seine Berater, ob sie den Livestream noch stoppen.
Die Todesstrafe ist in den USA mehrheitsfähig: In einer Pew-Umfrage vom August 2026 sprachen sich 66 Prozent der Amerikaner für sie aus. 2025 wurden 47 Menschen hingerichtet, der höchste Wert seit 2009; seit Anfang 2026 sind es bereits 30. Der USA-Historiker Volker Depkat sieht deshalb keinen politischen Wettbewerb um das Thema: „Mit einer Kampagne für humanen Strafvollzug gewinnt man in den USA seit 1980 keine einzige Wahl mehr, und das wissen alle politischen Akteure.“
Wie Amerikaner zur Todesstrafe stehen
Zustimmung und Ablehnung in Prozent
Das Pentagon hält am Livestream fest
Das Verteidigungsministerium hält an der Übertragung fest. Sicherheitsexperten und selbst Befürworter der Todesstrafe warnen, das Video könne islamistischen Gruppen als Rekrutierungspropaganda dienen. Der Historiker Jürgen Martschukat erwartet eine eigene Dynamik: „Es wird Leute geben, die sich treffen, um dann den Livestream gemeinsam anzuschauen.“
Offen ist, ob der Stream am 3. Dezember tatsächlich läuft. Der Termin steht seit dem 6. Oktober: 13 Uhr Ortszeit in Fort Hood, vollstreckt von Soldaten. Ob Trump die Übertragung kippt oder sein Verteidigungsminister sich durchsetzt, ist bislang nicht entschieden.
